Alles oder nichts im Schnee von Livigno
͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌     ͏ ‌    ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­

#201 | 16.2.2026 | Online lesen | Unterstützen

WNTI Wintibrief

Marit Langschwager

Wir starten los!

An diesem Wettkampftag hängt eine graue Decke über den Bergen von Livigno, die Gipfel wirken nah und zugleich fern im diffusen Licht. Snowboardcross-Fahrer Kalle Koblet hat lange auf diesen Moment bei den Olympischen Winterspielen hingearbeitet. Der Winterthurer Athlet begibt sich in die Startposition. Wochen, Monate der Vorbereitung verdichten sich auf wenige Sekunden.

«Ich versuche in diesem Moment, in einen Modus mit einer gewissen Aggressivität, aber gleichzeitig auch mit Konzentration und einem guten Gefühl zu kommen.» Dann senkt sich die Klappe, und alles läuft automatisch ab.

Kalle Koblet in seinem Element beim Snowboardcross. (Bild: zvg)

Snowboardcross ist ein Rennen, bei dem mehrere Athlet:innen gleichzeitig eine anspruchsvolle Strecke mit Sprüngen, Wellen und Steilkurven hinunterfahren. Vier starten nebeneinander, die Schnellsten kommen jeweils eine Runde weiter. Bei den Wettkämpfen in Livigno tritt der 28-Jährige gegen 31 weitere Athleten aus der ganzen Welt an. Von einer Starthöhe von 1970 Metern müssen sie 24 Elemente überwinden und gleichzeitig ihre Konkurrenten abhängen.

«Es braucht den perfekten Lauf – und das mehrmals hintereinander.»

Kalle Koblet, Snowboardcross-Fahrer

Vier Fahrer, ein Lauf, keine zweite Chance. «Es braucht den perfekten Lauf – und das mehrmals hintereinander. Ein kleiner Fehler, und es ist vorbei.» Für die Olympischen Winterspiele hat er viele Trainingslager absolviert, diverse Stunden im Gym verbracht und sich mental darauf vorbereitet. Doch an diesem wolkigen Wintertag kommt es anders.

«Ich bin nicht der Beste am Start, also musste ich gut wegkommen und dranbleiben», sagt er. Zwar erwischte er den Start ordentlich, doch danach verpasste er entscheidende Elemente auf der Strecke. «Ich musste ins Risiko gehen, um überhaupt eine Chance zu haben», erklärt er. Vorne jedoch bedrängten sich die Fahrer kaum, niemand verlor entscheidend Tempo. «Ich war in Schlagdistanz und habe alles versucht – aber es ist einfach nicht aufgegangen.» Der Winterthurer scheitert im Viertelfinale und belegt Rang 15.

Koblet nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er auf sein Rennen zurückblickt. Die Enttäuschung ist spürbar. «Mit dem Einzelergebnis bin ich nicht wirklich zufrieden. Ich habe gewusst, dass ich etwas riskieren muss, um überhaupt eine Chance zu haben, aber es ist einfach nicht aufgegangen.» Dabei war er mit einem klaren inneren Plan angetreten. Statt sich auf eine bestimmte Platzierung zu versteifen, wollte er seinen eigenen Weg umsetzen. «Der Plan ist, Olympia zu geniessen, alles aufzusaugen und, sobald der Wettkampf beginnt, wieder alles wie bei einem normalen Weltcup zu machen.»

Der 28-Jährige bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Livigno. (Bild: zvg)

Nun setzt er seine Hoffnung in das zweite Rennen im Snowboard-Cross Mixed mit der Athletin Noémie Wiedmer. Erst zum zweiten Mal wird diese Disziplin an Olympischen Winterspielen ausgetragen. Eine Nation darf dabei maximal zwei Teams – bestehend aus einer Frau und einem Mann – stellen. Doch die Hoffnung auf eine Medaille platzt bereits im Halbfinale. Koblet stürzt beim zweiten Start und wirft das Team zurück. Das Schweizer Team landet auf Rang 6.

Zum Snowboardcross kam Koblet eher zufällig. Wochenenden und Ferien verbrachte er mit der snowboardbegeisterten Familie auf dem Berg, zunächst ohne grosse Ambitionen. Erst der Hinweis eines Trainers, es doch einmal in einem Club zu versuchen, brachte ihn ins Regionalteam. Dort probierte er verschiedene Disziplinen aus, doch im Snowboardcross fand er, was ihn wirklich packte: «Snowboardcross hat mir am meisten Spass gemacht – es ist einfach mehr Adrenalin», erklärt er. Mit 17 Jahren erhielt er erstmals die Chance im Weltcup und nutzte sie. Es folgten die Olympischen Spiele 2018 und 2022. In Peking wurde er 23. im Einzel und siebter im Team. 2023 feierte er in Sierra Nevada seinen ersten Weltcupsieg.

Mit Blick nach vorne hält sich Koblet alle Optionen offen. Ob er noch einmal weitere vier Jahre den Sport auf diesem Niveau durchzieht, lässt er offen. Parallel plant der Sportler den Einstieg ins Studium. Zunächst stehen weitere Rennen an, besonders die Snowboardweltmeisterschaft in Montafon liegt ihm am Herzen. Danach will er Bilanz ziehen: Vielleicht reizt ihn ein weiterer Olympiazyklus, vielleicht entscheidet er sich bewusst für einen neuen Lebensabschnitt. «Ich muss erst spüren, was sich richtig anfühlt.»

Rubrik: Was lauft?
  • Wahlkampf trotz ‒ oder mit Sachbeschädigung: Am Dienstag letzter Woche liess die SVP die Öffentlichkeit wissen, an «über 20 Standorten» seien systematisch Wahlplakate beschädigt worden. Am Freitag zogen dann die Mitte und FDP nach und sprachen in einer gemeinsamen Mitteilung von einem «erschreckenden» Ausmass an heruntergerissenen und verschmierten Plakaten. Auf Anfrage heisst es von SP und Grünen, auch sie wüssten von vereinzelten Sachbeschädigungen an ihrer Wahlwerbung. Bei der GLP habe man dieses Mal noch keine festgestellt. Den Vandalismus verurteilen allerdings alle gleichermassen. (tz)

  • Neuer Industriepark in Töss geplant: An der Klosterstrasse ist der Bau einer neuen Industriehalle für rund 40 Millionen Franken geplant. Wie der Landbote berichtet, soll damit ein bestehender Produktionsstandort modernisiert und erweitert werden. Vorgesehen sind eine neue Industriehalle sowie Platz für Werkstätten und Büros. Wer die neuen Flächen beziehen werde, sei jedoch noch nicht entschieden.


  • Versehentlich eingesperrt: Wie die Stadtpolizei mitteilt, wurde am Sonntagvormittag eine Frau in einer Wohnung an der Palmstrasse eingeschlossen. Passant:innen alarmierten die Polizei, nachdem die Frau aus dem Fenster im zweiten Stock um Hilfe gerufen hatte. Noch bevor die aufgebotene Drehleiter zum Einsatz kam, öffnete die Wohnungsmieterin die Tür. Es stellte sich heraus, dass die eingeschlossene Frau dort zu Besuch war. Als die Wohnungsmieterin die Wohnung am Vormittag verliess, schloss sie aus Gewohnheit die Eingangstür hinter sich zu.


  • Schlagabtausch von Bopp und Fritschi: Am Donnerstag standen sich die beiden Anwärter aufs Stadtpräsidium, Kaspar Bopp (SP) und Stefan Fritschi (FDP), am zweiten gemeinsamen Podium von WNTI und Radio Stadtfilter gegenüber. Zwar fassten sich die beiden eher mit Samthandschuhen an, aber Zwischenspiele wie eine Ich-oder-Du-Runde, eine Improszene mit dem Jungen Theater Winterthur oder ein Winti-Quiz liessen die beiden schwitzen. Zum Anlass produzierte Radio Stadtfilter einen Podcast zum Nachhören. (tz)

Anzeige

Rubrik: Winti weiss

Eiskunst im Schatten des Krieges


Als die Olympischen Winterspiele 1948 in St. Moritz stattfanden, war es mehr als nur ein Sportanlass. Zwölf Jahre nach den letzten Spielen markierte das Ereignis die Rückkehr der olympischen Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Mitten in dieser historischen Ausgabe stand die Schweizer Eiskunstläuferin Maja Hug, die auch in Winterthur lebte.

Die mehrfache Schweizer Meisterin trat im Damen-Einzel an und belegte den 15. Rang. Für die damals 20-Jährige war es der Höhepunkt einer Karriere, in der sie den Schweizer Eiskunstlauf der Nachkriegsjahre prägte. Zwischen 1945 und 1950 gewann sie sechs nationale Titel in Folge.

Ihre Teilnahme steht exemplarisch für eine Generation von Athletinnen, die in einer Zeit des Umbruchs Sportgeschichte schrieben. Die Spiele von St. Moritz galten als Symbol des Neuanfangs und Maja Hug war Teil dieses Moments.

Die Eiskunstläuferin Maja Hug (Bild: unbekannt/olympia.org)

Für heute klappen wir die Startklappe wieder zu. Falls du beim Lesen mitgefiebert hast wie im Zielhang: tief durchatmen! Im Gegensatz zu unseren Athlet:innen gibt es für uns zum Glück immer wieder eine neue Chance für einen Neustart in die Woche, ganz ohne K.-o.-System.

Herzlichst,
Marit

WNTI: Deine Stadt ist unser Ressort

Möchtest du ändern, wie du diese E-Mails erhältst? Passe deine Präferenzen an oder melde dich vom Newsletter ab.

Copyright © 2025 Verlag Achtvier GmbH. Alle Rechte vorbehalten.