| | Guten Morgen :) Winterthur erlebt momentan ja gerade eine nassgraue Phase. Da passt das heutige Thema gleich doppelt. Einerseits, weil die Subkultur, in der sich Mathias Oehy und Stephan Geiger bewegen, ihre europäischen Wurzeln in England hat. Andererseits, weil ihr eigentlicher Geburtsort in der Karibik liegt. Und weil es wohl keine andere Musikrichtung gibt, die so sehr mit «Good Vibes» assoziiert wird.
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| Stephan Geiger und Mathias Oehy sind Subsanity Soundsystem. (Bild: zvg. Samuel Oehy) |
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| «Am Ziel bist du erst, wenn deine Augäpfel vibrieren» |
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| Selbst angefertigte Lautsprecher, Legenden aus England und viel Liebe für eine kulturelle Nische. Mathias Oehy und Stephan Geiger haben vor über zehn Jahren die jamaikanische Soundsystem-Subkultur nach Winterthur gebracht. von Sebastian Galli |
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| Mit Worten zu beschreiben, was Mathias Oehy und Stephan Geiger mit ihren selbstgebauten Boxen anstellen, ist gar nicht so einfach. Nach eigener Aussage sei die physische Komponente eigentlich die wichtigste. «Diese Musik musst du spüren, nicht nur hören.» Mathias und Stephan bauen seit über zehn Jahren an ihrem «Soundsystem». Selbst angefertigte Lautsprecher, aneinandergereiht und aufgetürmt, aus denen basslastige Reggae-Musik dröhnt, sind in Jamaika seit Ende des Zweiten Weltkrieges Kulturgut. Die «Windrush Generation», die nach Kriegsende von der Karibik ins Vereinigte Königreich emigrierte, trug die Subkultur über den Atlantik. Einige dieser «Elders», wie die Szene ihre Pioniere nennt, waren dank Mathias und Stephan auch bereits in der Schweiz zu Gast. |
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| | «Ein Soundsystem ist extrem penetrant. Das ist positiv zu verstehen.» Stephan Geiger |
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| Die beiden Winterthurer organisieren als «Subsanity Soundsystem» regelmässig sogenannte «Sessions». Was eine Session genau ist, können die beiden nicht abschliessend definieren. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Für manche Besucher:innen sei eine Session einfach ein Rave. Reggae als Musik ist seit Beginn mit der Rastafari-Religion verwoben. Deshalb gleiche es für andere beinahe einem Gang in einen Tempel. «Am Ziel bist du erst, wenn deine Augäpfel vibrieren», sagt Mathias scherzend. «Ein Soundsystem ist extrem penetrant», fügt Stephan hinzu. Das ist positiv zu verstehen. Es sei auch nicht unüblich, dass Leute durch ganz Europa an Sessions reisen. «Wir haben etwa regelmässig Leute aus Bulgarien.» Jedes Soundsystem sei verschieden. Daran liege auch der Reiz: Es gebe zwar solche, die ihre Lautsprecher fertig kaufen würden, sagt Mathias, doch die meisten bauten ihre «Speakers» selbst. Mathias ist gelernter Zimmermann. Als er zum ersten Mal vor einem solchen Turm stand, sei ihm klar geworden, dass er zumindest die Schalen der Lautsprecher selbst anfertigen könne. Ganz so weit wie andere gingen er und Stephan zwar nicht – die Membranen der Box haben sie gekauft. Verlötet ist das Ganze aber selbst. Das eigentliche Herzstück ist der «Pre-Amp». Dieses Gerät sei verantwortlich für den Klangcharakter des Soundsystems. Zusammen mit Effektgeräten, verschiedenen endstufen und den einzigartigen Dimensionen der Lautsprecher wird so der Klang von jedem Soundsystem individuell geformt. |
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| Mathias’ und Stephans «Pre-Amp» ist eine aus England importierte Einzelanfertigung – von einem szenebekannten «Freak» entwickelt und gebaut.(Bild: zvg. Samuel Oehy) |
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| Ein Soundsystem sei Musikanlage und Instrument zugleich. Für den Betrieb brauche es immer zwei Leute. Mathias schraubt als «Operator» am Klang und ist zuständig für Soundeffekte. Stephan wählt als «Selecta» das nächste Lied aus und ist als «MC» für die Interaktion mit dem Publikum zuständig. «Reggae als Genre ist ein Fass ohne Boden», sagt Stephan. Es sei ein Qualitätsmerkmal, immer «fresh Tunes» zu spielen – also neue Lieder, direkt am Puls der Szene. Dafür müsse man tief drin sein. Es sei inzwischen aber auch etwas einfacher geworden, diesem Anspruch gerecht zu werden, sagt Mathias. «Es schicken uns immer wieder Künstler:innen ihre noch unveröffentlichten Lieder zu.»
Mathias und Stephan bespielen ihr Soundsystem aber nicht nur selbst. Für ihre Sessions buchen sie auch immer wieder Leute aus der Szene, die dann auf ihren Lautsprechern gastieren. Zum Beispiel Mad Professor, ein 71-jähriger Produzent aus England und einer der Pioniere der «Windrush Generation». Das sei natürlich für alle, die kämen, ein «geiles» Erlebnis. «Es ist aber auch für uns immer eine Ehre, wenn eine solche Legende ihre Tunes auf unserem Soundsystem spielt», sagt Stephan, der schon mit der Musik von Mad Professor aufgewachsen ist. |
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| | «Es ist eher unüblich, dass Veranstalter einer Party ihre eigenen Lautsprecher in einen Club mitbringen.» Mathias Oehy |
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Eine Nische ist sie noch immer. Doch als Mathias und Stephan mit ihrem Soundsystem begonnen haben, war die Szene in Winterthur noch viel kleiner als heute. «Wir hatten unsere ersten Sessions auf Bauernhöfen», sagt Mathias. In der Gisi hätten sie damals auch mal gespielt. «Das blieb aber eine einmalige Angelegenheit», erinnert sich Stephan. «Es gibt ja doch noch Nachbarn dort. Der Bass war zu heftig.» Inzwischen veranstaltet «Subsanity Soundsystem» in der Labüsch-Bar, dem Kraftfeld und dem Salzhaus regelmässig Sessions in verschiedenen Grössen. Zu Beginn seien sie lustig beäugt worden, erinnern sich die beiden. «Es ist eher unüblich, dass Veranstalter einer Party ihre eigenen Lautsprecher in einen Club mitbringen.» Der Aufwand sei enorm, doch genau in dieser kompromisslosen DIY-Attitüde liege auch das Schöne. «Wir brauchen eigentlich nur einen Ort und den Schlüssel dazu.» |
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| | | Im gestrigen Text zur Wohnstrategie der Stadt haben sich leider gleich mehrere Fehler eingeschlichen. Diese möchten wir an dieser Stelle korrigieren: Die Angebotsmieten liegen nicht 40 Prozent, sondern 14 Prozent über der Bestandsmiete Wir haben geschrieben, dass das durchschnittliche steuerbare Einkommen einer Bewohnerin der Stadt 2023 10 000 Franken über dem eines Bewohners in Töss liegt. Hier war der Stadtkreis Stadt, nicht die Stadt als solche, gemeint.
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| | | | Stadt unterstützt Gemeindereferendum gegen Änderung des LehrpersonengesetzesAnfang März beschloss der Kantonsrat eine Änderung des Lehrpersonengesetzes. Sie beinhaltet eine Anpassung des Berufsauftrags, was für die Gemeinden des Kantons kollektive Mehrkosten von 67,3 Millionen Franken bedeutet. Für Winterthur würden so jährlich 5,4 Millionen mehr anfallen. Aus dem Stadtratsprotokoll geht hervor, dass der Stadtrat diese zusätzliche finanzielle Belastung als nicht tragbar beurteilt, es sei denn, die Steuerquote würde erhöht. Momentan teilen sich die Gemeinden und der Kanton die Bildungskosten, wobei 80 Prozent auf die Gemeinden fallen. Der Stadtrat unterstützt das Referendum gegen den Entscheid des Kantonsrates und fordert zudem, dass die Beteiligung des Kantons auf 50 Prozent angehoben wird. |
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| | Neuer Leiter für das Steueramt
Wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt, hat der Stadtrat Jannick Fitzi zum neuen Leiter des Steueramts ernannt. Die letzten drei Jahre war Fitzi als Bereichsleiter Steuern in Wetzikon tätig. Er wird die Stelle ab September antreten. |
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| | Weitere Kurz-NewsWinti bekommt ein KI-Startup: Wie punkt4info schreibt, hat das Startup Bibantik Winterthur als Gründungsort ausgewählt. Die Gründe dafür seien die industrielle Geschichte der Stadt sowie die Nähe zur ZHAW am Technikum und zum Technopark. Bibantik entwickelt humanoide Roboter, die mithilfe von KI mit Menschen interagieren und situativ handeln sollen können. Kette statt Familiengeschäft: Spirituosenhändler Traité gab nach 100 Jahren Betrieb im Januar die Geschäftsaufgabe bekannt. Nun zieht mit Ullrich der nächste Getränkehändler in den ehemaligen Standort ein. Ullrich hat mehrere Filialen in der ganzen Schweiz und ist unter anderem auch Inhaber der Kette Drinks of the World. |
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| | Wärmstens empfohlen
 | Lass mal deine Augäpfel vibrieren Wenn du nach der heutigen Lektüre Lust bekommen hast, selbst herauszufinden, wie es ist, vor den Boxen des Subsanity Soundsystems zu stehen, hast du an Afropfingsten das nächste Mal die Möglichkeit. Da geben sie an der Afterparty der Reggae Night ihre Künste zum Besten. Zusammen mit der Dub-Legende und Szenepionier Mad Professor. |
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| | | So, jetzt bist du wieder gut informiert und hoffentlich auch ein wenig besser drauf als vorher. Bald kommt wieder die Sonne! Bis dann, Sebastian von WNTI |
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