| | Guten Morgen Winti
Ich komme in der Regel gerne nach Hause. Meine Wohnung ist ein «Safe Space». Für einige Menschen in Winti ist aber das Gegenteil der Fall und das Heimkommen stets mit innerem Stress oder gar Angstzuständen verbunden. Und schon sind wir mitten im Thema des heutigen Wintibriefes.
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| Was, wenn die Strasse sicherer ist als das eigene Zuhause? (Bild: Marit Langschwager) |
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| Angst, wo Geborgenheit sein sollte |
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| Im Schnitt zwei- bis dreimal täglich rückt die Stadtpolizei Winterthur wegen häuslicher Gewalt aus. Seit 2009 hat sie eine eigene Fachstelle, die sich exklusiv um dieses Thema kümmert und eng mit der Opferhilfe zusammenarbeitet. Beide bestätigen: Die Dunkelziffer ist hoch und das Thema geht uns alle an. Den Vollständigen Bericht liest du ab sofort auf unserer Webseite. von Maria Wyler |
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| Es ist Donnerstagabend gegen 23 Uhr. Bei der Stapo Winterthur geht ein Notruf ein – jemand meldet einen heftigen Streit im Haus nebenan. Wenig später wird ein Mann festgenommen, er ist der Polizei bereits bekannt. Auch das Opfer, seine Partnerin, kommt mit zur Polizeiwache. Sie hat wie schon beim letzten Mal Bisswunden und blaue Flecken von Fusstritten. Heute auch Rötungen am Hals. Vor wenigen Monaten wurde gegen den Partner ein 14-tägiges Kontakt- und Rayonverbot ausgesprochen, weil er sich gegenüber seiner Partnerin gewalttätig verhielt. Diese Geschichte steht für unzählige ähnliche. Und auch total andere. Die Fälle seien so verschieden wie die Menschen, sagt Philippe Bieri. Er arbeitet bei der Fachstelle Häusliche Gewalt in der Abteilung Gewaltschutz. Die Fachstelle in Winterthur ist schweizweit eine Besonderheit: Die Abteilung übernimmt von der Früherkennung, über das direkte Handeln und Eingreifen, bis hin zu Ermittlungen und Nachbearbeitung alles. 👉 hier gibt es an dieser Stelle zusätzliche Zahlen und Fakten |
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| In einem solchen Raum werden Opfer betreut und befragt. Für Kinder gibt es eine Spielzimmer nebenan, in dem sie nichts hören, aber immer den Elternteil im Blick haben. (Bild: Stadtpolizei Winterthur) |
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| Die Dunkelziffer sei recht hoch, aber es werde besser, sagt Bieri. Wo liegt die Grenze zwischen normalen Differenzen und Gefahr? «Verschiedene Menschen halten Verschiedenes aus. Wenn ein Leidensdruck da ist, ist es höchste Zeit», so der Polizist. Erzählt das Opfer Details, die eine Tat zum Offizialdelikt machen, ist die Polizei gesetzlich verpflichtet, zu handeln. Die Fachstelle arbeitet eng mit der Opferhilfe zusammen. Diese untersteht der Schweigepflicht. Opfer können dort erzählen und sich beraten lassen, ohne Angst vor Konsequenzen, für die sie noch nicht bereit sind. |
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| Philippe Bieri sagt: «Häusliche Gewalt gibt es, seit es Beziehungen gibt.» Früher sei das eher innerhalb der eigenen vier Wände geregelt worden – heute komme mehr an die Öffentlichkeit, was auch die Zahlen steigen lasse. (Bild: Maria Wyler) |
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| Die Gewalt baut sich laut Philippe Bieri oft über Jahre auf. Er ist seit 23 Jahren bei der Polizei, seit 14 Jahren als Sachbearbeiter bei der Fachstelle Häusliche Gewalt. Tatsächlich gebe es so etwas wie eine «Stammkundschaft». Dazu gehöre zum Beispiel eine unterdessen ältere Person – angesehen und aus guten Verhältnissen – deren Abstieg er seit über zehn Jahren beobachte. Bei beiden Parteien sei Alkohol ein Thema. Schon mehrere Male habe die Polizei intervenieren müssen und die Intensität der körperlichen Gewalt habe sich von Fall zu Fall gesteigert. Er frage sich in solchen Fällen, wo das noch hingehe, so Bieri. Viele Opfer würden nach Ablauf des Kontaktverbots wieder zurückkehren oder dieses erst gar nicht einhalten. 👉 Mehr dazu und was nach einer eingegangenen Meldung genau geschieht, liest du in der erweiterten Version. Er selbst versucht, so wertfrei wie möglich zu arbeiten und sagt von sich: «Ich bin ein sehr empathischer Mensch und fühle sowohl mit den Opfern als auch mit den Tätern mit. Wir sehen sehr tief in die Familien hinein.» Bieri fügt an: «Ja, ich habe für einzelne Fälle Verständnis, das heisst aber nicht, dass ich einverstanden bin und das sage ich auch ganz klar.» Im Falle einer Verurteilung bekommt er das oft nicht mehr mit. «Wer Ergebnisse sehen möchte, wie den Strafzettel beim Falschparken, ist hier am falschen Ort», so der Sachbearbeiter. Man dürfe nicht betüpft sein, wenn es keinen Abschluss gebe. Für ihn sei jede Pause von Gewalt für das Opfer ein Erfolg. |
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| | «Wenn er beim dritten Date schon zuschlägt, ist es viel klarer.» Doris Binda, fiera Opferberatung Winterthur |
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| Viele Gewaltopfer seien damit überfordert, kurz nach dem Geschehen entscheiden zu müssen, ob sie Anzeige erstatten wollen, sagt Doris Binda von der fiera Opferberatung Winterthur – dem früheren «Frauen-Nottelefon». Seien die Opfer an Leib und Leben bedroht, könne nur die Polizei schützen, so die Sozialarbeiterin. Diese dürften sie nicht gegen den Willen der Klientin einschalten. Oft seien es längere und komplexe Geschichten und sie müssten den Opfern erst einmal erklären, wie ihre Optionen aussehen und was sie bedeuten. 👉 Mehr dazu auf der Webseite |
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| Doris Binda arbeitet seit über 20 Jahren im Bereich Häusliche Gewalt. (Bild: Maria Wyler) |
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| Studien belegen, dass bei schon länger andauernder Gewalt oft mehrere Anläufe nötig sind. «Wenn er beim dritten Date schon zuschlägt, ist es viel klarer», so Binda. «Sagt uns eine Frau, sie schaffe die Trennung nicht, schauen wir, wie das konkret aussehen würde.» Viele hätten jahrelang gehört, dass sie «eh nicht» gehen. Gerade Mütter würden Schutzmechanismen aufbauen, um zu funktionieren. «In solchen Fällen ist es unsere Aufgabe, für sie zu benennen, was passiert.» Wenn massive Gewalt gegen Kinder vorliegt, können sich die Beratenden bei der kantonalen Opferhilfe von der Schweigepflicht entbinden lassen und eine Gefährdungsmeldung machen. 👉 Wer Anrecht auf einen Platz im Frauenhaus hat, liest du hier. Das Fiera-Team tauscht sich regelmässig aus und bekommt Supervision. Doris Binda räumt ein, dass sie manchmal schon nach Hause gehe und denke: «Das kommt nicht gut.» Dann frage sie sich selbst und das Team: Habe ich getan, was ich konnte? Sie wisse aber, wie sie sich vor belastenden Gedanken schützen könne. Dafür sei sie ausgebildet. Als Ausgleich zum Job geht sie in die Natur, kocht gerne oder trifft Freunde. Zum Jassen beispielsweise. Früher sei ein runder Tisch mit der Polizei fast nicht denkbar gewesen. Das habe sich zum Glück geändert. Binda glaubt nicht, dass die Anzahl der Fälle zunehme – eher sei es so, dass Frauen sich trauen, Hilfe zu holen. Sie ist überzeugt davon, dass eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter, sowie Präventionsmassnahmen wie nationale Kampagnen die Abnahme von Gewalt begünstigen würden. Trotz allem gibt es viele Erfolgsgeschichten. «Manchmal melden sich Frauen zwei, drei Jahre später bei uns, nur um zu sagen: Mir geht`s imfall gut.» Andere kämen vorbei, um stolz zu erzählen, dass sie jetzt ein eigenes Konto hätten oder einen Job. Oder dass sie den Partner endlich konfrontiert hätten und er nun eine Therapie mache. |
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Bist du von Gewalt betroffen? Opferhilfeberatungsstellen bieten kostenlose und vertrauliche Unterstützung an. Alle Beratungsstellen sind aufgelistet unter www.opferhilfe-schweiz.ch 👉 Im Mai soll zudem die Notrufnummer 142 für Opfer von häuslicher Gewalt in Betrieb genommen werden. |
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| | | | Kiwi Classics bringt «The Matrix» (1999) zurück!
Kultiges Sci-Fi-Feuerwerk: Was ist real? Pillen, Kung-Fu und Coolness nonstop! Mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne und Carrie-Anne Moss. Freitag 13. März 2026, Kiwi Center, Sprache: Deutsch. |
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| | | | Loïc Lüthi ist zurück
Welcome back, Loïc! – so postete der FC Winterthur gestern die offizielle Rückkehr des 22-jährigen Innenverteidigers. Nach fast zehn Monaten stand er am vergangenen Samstag gegen Sion wieder auf dem Platz. Lange war unklar, ob er überhaupt zurückkehren würde. Letzten Sommer hatte Lüthi erfahren, dass er an einer seltenen Knochenentzündung leidet – der Landbote berichtete. |
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| | Die DESIGNGUT zügelt an den Lagerplatz: Die Verkaufsmesse für nachhaltiges Schweizer Design erfindet sich gleich zwei Mal neu. 2027 findet sie nicht im Herbst, sondern im Frühling statt. Und nicht in der Altstadt, sondern am Lagerplatz, der sich derzeit nach einem grossen Umbau mit vielen neuen Kreativschaffenden füllt. Dieses Jahr pausiert die Messe. Klimatag mitgestalten: Diesen Donnerstag findet in der Stadtverwaltung Winterthur um 18 Uhr ein Info- und Kennenlernanlass zum Klimatag 26 statt. Vereine, Organisationen und Unternehmen, die am 13. September mitwirken wollen, können sich über klima@win.ch anmelden. Fanartikel chrömle und zmörgele: Der FCW-Fanshop an der Kirchgasse mistet aus und lädt am Samstag von 9 bis 15 Uhr zum Restpostenflohmi ein. Es soll auch «Zmorge» geben. Allerdings nur bei trockenem Wetter: Bei Regen wird die Outdoor-Sause abgeblasen. |
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| Podcast «Gewaltfrei»
 | Podcast «Gewaltfrei» 2024 produzierten die Opferberaterinnen Gosalya Iyadurai und Rebecca Schaad im Rahmen der Präventionskampagne 16 Tage gegen Gewalt eine Podcastfolge zum Thema «Wege aus der Gewalt». Die Nachfrage war gross und die Frauen sahen eine Möglichkeit, geballtes Wissen sehr niederschwellig und unkompliziert an die Bevölkerung heranzutragen. |
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| Die Ziele des neuen Podcasts sind Aufklärung, Sensibilisierung, Enttabuisierung und der niederschwellige Zugang zu Hilfsangeboten und Gewaltprävention.(Bild: Marit Langschwager) |
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| Am 8. März startet der Postcast «Gewaltfrei» zu Häuslicher Gewalt, sexualisierter Gewalt, Gewalt gegen Frauen* und Menschenhandel. Zu hören ist er auf Spotify, Apple Podcasts und Deezer Hier geht es zum Instagram Profil und Spotify. |
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| | Hinter dem Podcast steht ein Zusammenschluss von elf Organisationen, welche sich alle mit geschlechterspezifischer Gewalt, Häusliche Gewalt, sexualisierter Gewalt und Menschenhandel auseinandersetzen. |
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| | Zugegeben, das war harte Kost. Aber auch die gehört zum Leben dazu. Nichtsdestotrotz wünsch ich dir einen möglichst sorgenfreien Tag. Danke, dass du den Wintibrief liest. deine Maria |
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