| | Guten Morgen, schön bist du da.
Diese Woche steckt voller Premieren: Du liest meinen allerersten WNTI-Brief und ich war zum ersten Mal an den Musikfestwochen. |
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| Seit über 20 Jahren ist das Kollektenteam fester Bestandteil der Musikfestwochen. Amanda ist bereits zum zweiten Mal dabei, für Till ist es an diesem Abend das erste Mal. (Bild: Mattia Mayer) |
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| Belästigungen und blöde Sprüche – unterwegs mit dem MFW-Kollektenteam |
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Wir hatten von blöden Sprüchen, unangenehmen Begegnungen und sogar einer Wand gehört, auf der Vorfälle gesammelt werden. Also haben Yvonne und Mattia einen Abend lang selbst mitkollektiert. von Yvonne Samsarova und Mattia Mayer |
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| Der 17-jährige Till ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Er ist einer von 16 Freiwilligen, die am Dienstagabend Kollekten für die Musikfestwochen sammeln. Vom Kollektenteam hat er durch die Mutter eines Kollegen erfahren. Gemeinsam mit Amanda zieht er los. «Ich freue mich schon sehr», sagt Amanda. Sie war bereits im vergangenen Jahr dabei und kennt sich deshalb bestens aus. Auch Simon vom OK, das an diesem Abend das Team koordiniert, hat früher selbst gesammelt. Schon bei unserer Ankunft fällt auf: Die Stimmung ist entspannt. Die Helfer:innen kennen sich, tauschen sich aus und machen ihre Arbeit mit sichtbarer Freude. Dabei sind alle Altersgruppen vertreten: von der Pensionärin bis zur Schülerin. |
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| Auch die 12-jährige Mona unterstützt das Kollektenteam – und das ziemlich erfolgreich. (Bild: Mattia Mayer) |
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| Was macht eigentlich das Kollektenteam?Das Kollektenteam ist seit mehr als 20 Jahren ein fester Bestandteil der Musikfestwochen. Die freiwilligen Helfer:innen sammeln Kollekten, damit das Festival auch weiterhin neun Tage lang ein kostenloses Programm für alle anbieten kann. Sicher sind sie euch bei dem einen oder anderen Konzert schon einmal aufgefallen: Ausgerüstet mit ihren grauen Spendenboxen, die mit dem Löwen-Logo der Musikfestwochen versehen sind, gehen sie durch das Publikum. Sie sammeln Bargeld, Twint-Zahlungen und auch Becher. Die Kollektant:innen stehen mitten im Publikum, kommen mit den Besuchenden ins Gespräch und sind dadurch auch direkt mit deren Verhalten konfrontiert. Grundsätzlich beschreiben die Helfenden die Musikfestwochen als friedlich, angenehm und gemeinschaftlich. Die meisten Besucher:innen seien freundlich und wüssten, wofür gesammelt wird. |
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| | «Manchmal wird es schon unangenehm.» Amanda, Kollektenteam |
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| | Trotzdem gibt es Situationen, die unangenehm werden können. Mehrere Helfende erzählen von dummen oder sexualisierten Sprüchen, unerwünschten Annäherungen und Berührungen. Dazu gehören etwa Einladungen, nach Feierabend «mitzukommen», ungefragte Küsse, generell zu viel körperliche Nähe oder auch der Griff in den Bart eines Kollektanten. Für solche Situationen hat das Team seit rund drei Jahren an ihrem Rückzugsort eine eigene Awareness-Wand. Darauf können die Helfer:innen Situationen festhalten, die ihnen auffallen oder die sie beschäftigen. Später werden diese im Team gemeinsam besprochen. |
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| «Bi dere Hübsche gib i gern»; «Chasch mini träite Unterhose ha.»: Das sind nur einige der Dinge, welche sich das Kollektenteam anhören muss. (Bild: Mattia Mayer) |
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| Weiblich gelesene Personen berichten häufiger von blöden oder sexualisierten Sprüchen, aber auch männlich gelesene Personen erleben unerwünschte Annäherungen. Das Awareness-Team der Musikfestwochen bestätigt das. Ein Kollektant erzählt etwa, dass Anmachsprüche bei Männern teilweise eher als Kompliment abgetan werden. Angenehm seien sie deshalb aber trotzdem nicht. Je später der Abend, desto tiefer die HemmschwelleVor allem nach dem zweiten Konzert und an den Wochenenden nähmen die unangenehmen Begegnungen zu, berichten die Helfenden. Die Kollektant:innen führen das auf den zunehmenden Alkoholkonsum zurück. Während Amanda bereits an ihrem Standort an der Steinberggasse steht, erzählt auch sie uns, dass sie immer wieder mit blöden Sprüchen zu tun hat. Es sei ein wenig wie im Ausgang, «dort erlauben sich die Männer auch immer zu viel», sagt Amanda. Während sie erzählt, tanzt ein angeschwipster Mann die Frauen auf der Seite der Menschenmenge an, fordert sie zum Tanz auf und wirft ihnen Küsse zu. Die Frauen wirken angeekelt. Amanda bleibt verschont. Eine Geschichte ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Im vergangenen Jahr wurde eine damals 15-jährige Helferin von einem etwa 40-jährigen Mann angemacht. Verunsichert sei sie anschliessend zu Amanda gekommen, weil sie nicht gewusst habe, wie sie reagieren soll. Im Team wurde die Situation danach besprochen. «Sowas sollte nicht passieren», sagt Amanda. Die Helferin sei dieses Jahr nicht mehr dabei. Bei solchen Vorfällen können die Kollektant:innen sofort den Ordnungsdienst einschalten oder jemanden vom Awareness-Team ansprechen. Dieses beobachtet über die Jahre eine Zunahme der Meldungen. Dieses Jahr habe es bisher nur an einem Abend keine Vorfälle gegeben. Allerdings sei das vermutlich auf die erhöhte Sensibilisierung und das verstärkte Bewusstsein über die Thematik zurückzuführen. |
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| Bei einem Grossteil der Meldungen an das Awareness-Team handelt es sich um verbale Grenzüberschreitungen, sexistische oder diskriminierende Aussagen sowie unangemessene Kommentare. (Bild: Mattia Mayer) |
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| Dann muss der Ordnungsdienst an diesem Dienstagabend zum ersten Mal eingeschaltet werden. Adrian vom Kollektenteam kommt von der Pfarrgasse her auf uns zu und ist total ausser sich. Ein Mann versuchte, ihm die Spendenbox aus der Hand zu reissen. Für den Mann endet der Abend mit einem Platzverbot. Ein SelbstversuchGegen Ende des Abends wagen wir den Selbstversuch. Wir nehmen eine Sammelbox und gehen selbst auf einzelne Besuchende zu, die meisten reagieren positiv. Viele spenden, jüngere Besucher:innen etwas weniger, ältere etwas mehr. Fast alle geben ihren Pfandbecher ab. Irgendwann stehen wir mit so vielen Bechern da, dass wir sie kaum noch halten können. |
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| Undercover: Yvonne schlüpft in die Rolle der Kollektantin – und trifft dabei auf spendefreundliche Festivalbesuchende. (Bild: Mattia Mayer) |
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| Auch Till, der heute zum ersten Mal dabei ist, staunt: «Krass, dass so viele spenden, hätt ich nicht gedacht.» Während er das sagt, drückt schon die nächste Besucherin einen Schein in seine Box. Vom OK erfahren wir, dass im Schnitt rund 10'000 Franken an einem Abend zusammenkommen, die Becher-Depots noch nicht eingerechnet. Die Kollekten machen laut MFW rund neun Prozent des Gesamtbudgets aus. Ein Besucher geht direkt auf Till zu und überweist per Twint. «Das mache ich jeden Abend», erzählt er. «Weil ich es mega wichtig finde, dass die Musikfestwochen auch gratis bleiben, damit alle davon profitieren können.» Doch so wohlgesinnt sind nicht alle. Ein circa 40-jähriger Besucher will Mattia statt Geld einen Flyer in die Box drücken. «Jetzt tu doch nicht so», nervt sich der Mann als der Flyer abgelehnt wird. «Ich hab doch vorher schon sechs Franken gespendet, da kannst du den Flyer doch auch noch nehmen.» Wir lassen den Mann stehen. Er macht weinende und buhende Geräusche. Seine zwei Kollegen lachen. |
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| Mattia erlebt beim Selbstversuch eine unangenehme Situation: Er wird von einem etwa 40-jährigen Besucher angepöbelt. (Bild: Yvonne Samsarova) |
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| Es bleibt jedoch beim Einzelfall. Insgesamt bestätigt sich unser erster Eindruck: Die grosse Mehrheit der Besucher:innen begegnet dem Kollektenteam freundlich und gibt gerne etwas. «So ein tolles Konzert», sagt ein älterer Herr, während er sein Portemonnaie zückt und 20 Franken in die Kollektenbox hineinwirft. Sie kommen wieder Unser Abend mit dem Kollektenteam hinterlässt deshalb ein gemischtes Bild. Nein, die Musikfestwochen werden von den Kollektant:innen nicht als grundsätzlich unsicheres oder aggressives Festival erlebt. Ganz im Gegenteil: Sie sind gerne Teil davon, und leisten so ihren Anteil, dass die MFW weiterhin gratis bleiben können. Dennoch erleben sie Situationen, die so nicht okay und manchmal sogar strafbar sind. Kurz nach 22 Uhr haben Till und Amanda Feierabend. Heute haben sie nichts Unangenehmes erlebt. «Super war es», fasst Amanda den Abend zusammen. Auch für Till wird es nicht das letzte Mal sein: Beide freuen sich bereits auf den nächsten Abend mit dem Kollektenteam. |
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| | | | Zuerst das Stimmvolk und nun der BundDie Stadt Winterthur wird wohl definitiv nicht mehr frei entscheiden dürfen, auf welchen Hauptverkehrsachsen Tempo 30 oder 50 gilt. Seit dem 1. Juni ist erstens die Mobilitätsinitiative rechtskräftig. Zu dieser ist aber noch ein Bundesgerichtsverfahren hängig. Und zweitens hat der Bundesrat gestern die Motion «Schilliger» beschlossen, das teilt das UVEK mit. Wollen Gemeinden künftig eine Temporeduktion durchsetzen, braucht es ein zusätzliches Gutachten. Dieses muss bestätigen, dass die Temporeduktion nicht zu Ausweichverkehr in Wohnquartieren führt. Ab dem 1. Oktober 2026 tritt die Änderung in Kraft. (mm) |
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| | Weitere Kurz-NewsWinterthurerin mit Bestnote: Kristin Kreibich hat mit ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Graubünden die Note 6 erreicht. Sie untersucht darin, wie fest regenerative Geschäftsmodelle bereits in Schweizer Unternehmen verankert sind. Bei solchen Geschäftsmodellen geht es darum, ökologische oder soziale Systeme nicht nur zu schützen, sondern auch zu stärken. Nun wird ihre Arbeit in das Programm «Best Masters» des «Springer Gabler Verlags» aufgenommen. (mm) Regen am Sonntag, trotzdem bleibt es trocken: Zwischen fünf und 30 Millimeter Regen prognostiziert Meteo Schweiz für die Region Winterthur bis Montag. Flächendeckender Regen könne aber nicht erwartet werden. Wenn, dann gebe es lokale Gewitter. Das verschaffe zwar Abkühlung auf 23 bis 26 Grad, den extrem trockenen Böden würden die Schauer aber nicht helfen. Dafür bräuchte es laut den Meteorolog:innen wochenlangen, «sanften» Regen. (ts) |
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| Vier Frauen trauern um ihren Vater und Ehemann
 | Die Drillinge Karolina, Halima und Fatima, 43 und ihre Mutter Astrid, 84 kommen aus dem Neuwiesen-Quartier. |
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| Ihr seid mir aufgefallen wegen euren Ballone, was habt ihr vor? Jedes Jahr zum Todestag unseres Vaters und Mannes, Abu Bakari, lassen wir jeweils vier Ballone an vier Orten fliegen, die für ihn wichtig sind: im Lindengutpark, wo die Trauung stattfand, bei den muslimischen Gräbern auf dem Friedhof Rosenberg, an seinem Arbeitsplatz in der Stadtgärtnerei und zu Hause. Die Ballone haben Etiketten, sodass sie per Post retour gesendet werden können, wenn jemand einen findet. Kommen viele Ballone zurück? Astrid: Regelmässig werden eine Handvoll Ballone aus Deutschland retourniert. Letztes Jahr erhielten wir einen aus Grappa in Italien zurück. Ich versuche dann immer, über Briefe mit den Personen in Kontakt zu bleiben, die eine Karte zurücksenden. Das ist mein Hobby. Wenn ihr Königinnen von Winterthur wärt, was wäre euer erster Erlass? Wir würden die Steuern heruntersetzen und soziale Einrichtungen vergrössern. Besonders Orte, die der Gesellschaft zugutekommen und Menschen in Not helfen. Astrid: Und ein paar Parkplätze mehr, sodass die Menschen nicht mehr auf meinem Privatgrundstück parkieren! (mm) |
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| | Die Musikfestwochen fand ich übrigens wirklich spitze, vielleicht sehen wir uns ja heute Abend dort und du erzählst mir von deinen Eindrücken? Du findest uns ab 19.30 Uhr im Stadtfilter-Container am Kirchplatz. Hab einen tollen Tag und bis bald, Yvonne |
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