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| | Guete Morge! Kannst du dir Winti ohne das Gaswerk vorstellen? Ich kann mich noch lebhaft an mein erstes Konzert im grossen Saal erinnern… Seit 30 Jahren bringt das Gaswerk spannende Bands in unsere Stadt. Zeit, einen Blick auf die wilden und nicht konfliktfreien Anfangszeiten zu werfen. |
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| Ehemalige, Helfende, Vereinsmitglieder und Gaswerk-Fans feierten letzten Samstag den runden Geburtstag. (Bild: Gaswerk / Olaf Brachem) |
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| 30 Jahre Gaswerk: Ein Blick auf die wilden Anfänge |
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| Die Jugendlobby Kaktus bringt die Stadt 1996 dazu, ihr ein leer stehendes Gebäude als Kulturzentrum zu überlassen. Die grossen Visionen zerbrechen fast an Geldproblemen, Meinungsverschiedenheiten und zwischenmenschlichen Konflikten. Ein Blick auf die wilden Anfänge und darauf, was davon im Gaswerk noch zu spüren ist. von Gioia Jöhri |
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| Die Jugendlobby besetzt das Stadtparlament und hinterlässt als stacheliges Geschenk kleine Kakteen. (Bild: «Der Landbote», 1994) |
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| Im Jahr 1994 gibt es in Winterthur nur einen Club: das Albani. «Es gab nur illegale Subkultur-Partys und Konzerte der Kultur-Mafia. Und die Alte Kaserne, welche nicht so geeignet für Konzerte oder Partys und vor allem etwas bieder war», erinnert sich Urs Akeret lachend. Akeret ist damals Mitte 20, und wie viele andere junge Erwachsene wünscht er sich einen Freiraum für junge Leute. Mit 13 jungen Frauen und Männern gründet er 1994 die Jugendlobby Kaktus. Kurz darauf besetzen sie das Stadtparlament (damals noch Grosser Gemeinderat). «Die Besetzung des Parlaments war nötig, da man uns damals nicht zuhören wollte», erzählt Urs Akeret. Ursula Gfeller, damals Anfang 20, ergänzt: «Ein grosses Thema war die Jugendgewalt. Junge Menschen kamen damals vor allem in der Zeitung, wenn sie gewalttätig waren. Wir wollten auch mal anders auf uns aufmerksam machen.» Gemeinderatspräsident Bührer von der SVP drohte erst mit polizeilicher Räumung des Saals, doch bald beruhigten sich die Gemüter, und die jungen Besetzer:innen trugen 15 Minuten lang unbeirrt ihre Anliegen vor. «Wir wollten nicht zerstören, sondern auf unsere Anliegen aufmerksam machen. Das ist mit der Besetzung definitiv gelungen», sagt Urs Akeret. |
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| Die Jugendlobby gründet 1996 den Verein Gaswerk, hier präsentiert sich der Vorstand im «Landboten». (Bild: «Der Landbote», 1996) |
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| 1996 überlässt der Stadtrat ein leer stehendes Nebengebäude des ehemaligen Gaswerks in Töss den jungen Visionär:innen und spricht zusätzlich Geld für den Umbau und den Betrieb. Die Jugendlobby hat viele Ideen: Sie plant ein Restaurant, eine Kinderkrippe, ein Teehaus, ein Kino, Proberäume und natürlich Konzerte. Im Mai findet bereits das erste statt, die Hamburger Band Camp Imperial sorgt für gute Stimmung, obwohl der Sicherungskasten bald aussteigt. Im Sommer 1996 bahnt sich bereits eine existenzbedrohende Krise im Gaswerk an. «Es wurde uns vorgeworfen, wir seien wegen des Geldes gescheitert. Das ist nur die halbe Wahrheit», sagt Urs Akeret. «In den Anfängen des Gaswerks gab es bald einmal zwei Strömungen mit verschiedenen Haltungen. Die einen waren vielleicht etwas braver, die anderen wilder.» Die einen wollen weiterhin Konzerte veranstalten, die anderen wollen einen Stopp, um sich erst auf den dringend nötigen Umbau zu fokussieren. Ursula Gfeller erinnert sich schmunzelnd an «endlos lange Diskussionen im Büro», bei denen alle «geschlotet haben wie blöd». Kilian Schmid, der die Anfänge des Gaswerks massgeblich mitgeprägt hat und bis 2008 Vorstandsmitglied im Verein Gaswerk war, sagt: «Das Haus war praktisch unbrauchbar. Überall hatte es Wände und Altlasten, die wegmussten.» Man habe einfach entscheiden müssen, wie es weitergehen soll: «Einige fühlten sich davon in ihren Visionen ausgebremst und gingen dann aus dem Vorstand.» |
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| | «Das Haus war praktisch unbrauchbar. Überall hatte es Wände und Altlasten, die wegmussten.» Kilian Schmid, Vorstandsmitglied Verein Gaswerk, 1996–2008 |
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| Neben Urs Akeret verabschiedet sich auch Ursula Gfeller im Sommer 1996 aus dem Vorstand. Nicht aber vom Gaswerk: Sie konzentriert sich fortan auf den Aufbau des Kinos Nische. Das kleine, alternative Kino kann bereits früh eigene Akzente setzen und wird 30 Jahre später noch immer von kinobegeisterten Helfenden getragen. In Zusammenarbeit mit dem Filmfoyer entstehen noch vor der Jahrtausendwende die Winterthurer Kurzfilmtage. Gfeller ist sich heute sicher: «Im Nachhinein war der Konflikt und wie es dann weiterging wohl lebensrettend. Es war wichtig, dass man sich mal überlegt hat, wer wann was organisieren und wie entschieden werden kann.» Dem stimmt auch Kilian Schmid zu und er fügt an: «Dass man auch persönlich nicht immer einer Meinung ist, gehört ein wenig dazu, wenn sich Menschen freiwillig engagieren.» Nach dieser Krise und dem Konzert-Stopp geht es im Gaswerk nach einem Umbau stetig aufwärts. Dem vermag auch die SVP mit ihrem Referendum gegen die Subventionen der Stadt an den Kulturbetrieb nichts mehr anhaben. Über 60 Prozent der Winterthurer Stimmbevölkerung stimmen 2001 für das Gaswerk. |
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| Einige der frühen Vorstandsmitglieder wieder vereint am Jubiläumsfest. Urs Akeret ist der Zweite von links, Ursula Gfeller die Zweite von rechts. (Bild: zvg) |
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| 30 Jahre später treffen sie alle am Jubiläumsfest wieder aufeinander. Admin-Verantwortliche:r Simon Stettler hat es zusammen mit einem OK-Team auf die Beine gestellt. Stettler ist eine der wenigen angestellten Personen im Gaswerk. Knapp 200 Helfende engagieren sich heute freiwillig für den reibungslosen Ablauf der Anlässe im Gaswerk. Simon Stettler ist in der Woche nach dem Fest zwar müde, aber sehr zufrieden. «Es herrschte eine fantastische Stimmung», erzählt Stettler begeistert. Was ist wohl noch übrig vom jugendlichen Übermut der Anfangszeit? Es herrsche noch immer eine grosse «Improvisations- und Do-it-yourself-Mentalität». Und: «Wir sind definitiv keine Jugendlichen mehr, aber mitprägen ist immer noch sehr wichtig. Alle sollen Kultur mitgestalten können.» |
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| Simon Stettler ist zwar müde, aber sehr zufrieden in der Woche nach dem Jubiläumsfest mit Musik, Tanz, Feuershow und Ehemaligen-Apéro. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Davon sind auch die beiden Vorstandsmitglieder Yvonne Dünki und Stefan Schumacher überzeugt. Beide engagieren sich seit über 20 Jahren in verschiedenen Funktionen im Gaswerk und stellen nun zusammen das Co-Präsidium. «Bei uns gibt es viel Freiraum und Platz, um Dinge auszuprobieren», erzählen die beiden in der Backstage-Küche. «Das Individuum hat viel Gestaltungsraum, und trotzdem geht es nur gemeinsam», sagt Yvonne Dünki. Die Kultur im Gaswerk sei durch die vielen freiwilligen Helfenden noch immer ähnlich wie in den Anfängen. «Es ist schön, dass viele über lange Jahre bei uns engagiert sind. Gleichzeitig müssen wir schauen, dass auch junge Menschen wieder vermehrt ins Gaswerk kommen», sagt Stefan Schumacher. Denn getreu der Vision der Jugendlobby von vor 30 Jahren sollen alle Altersgruppen einen Platz finden. |
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| Das Co-Präsidium auf der Gaswerk-Jubiläumsbühne. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Die Ehemaligen Urs Akeret und Ursula Gfeller freut es, dass das Gaswerk heute noch immer ein Freiraum geblieben ist. «Das Gaswerk ist heute anders als am Anfang, aber doch irgendwie so, wie wir es uns damals vorgestellt haben», sagt Akeret. Und Gfeller fügt hinzu: «Mich hat es sehr berührt, zu sehen, dass das Kino Nische nach all den Jahren noch immer ein Ort der Begegnung geblieben ist. Ein Ort, an dem alle Kino machen können.» 30 Jahre nach den wilden Anfängen ist das Gaswerk zwar erwachsen geworden, hat aber seine Anfangsvisionen keineswegs vergessen. |
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| | | | Zeichner Felix Schaad erhält Zürcher Journalistenpreis
Der Winterthurer Karikaturist Felix Schaad wurde mit einem Preis für sein Gesamtwerk geehrt. Von 1999 bis zu seiner Pensionierung 2026 zeichnete Schaad Karikaturen, die täglich im «Tages-Anzeiger» erschienen sind. Seine Zeichnerkarriere startete mit der Comic-Serie «Eva», die er zusammen mit Claude Jaermann entwickelt hat. Und seit Marias Interview wissen wir nun auch, wie Schaads Karikatur von Winti aussehen würde: «Der Wintileu, der irgendwo ‹hiibrünzlet›, damit es endlich einen See gibt.» |
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| | Stadtpolizei nimmt Mann mit Fake-Waffe fest: Gestern sei die Polizei frühmorgens in die Altstadt gerufen worden, da zwei Personen mit einer Feuerwaffe bedroht worden seien, schreibt die Polizei in einer Medienmitteilung. Kurz darauf konnte eine verdächtige Person festgenommen werden. Eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Hausdurchsuchung förderte zwei täuschend echt aussehende Pistolen, mehrere hundert Gramm Cannabisblüten sowie eine kleine Indooranlage mit Cannabissetzlingen zutage. Crowdfunding für Haldengut-Ausstellung: Das Museum Schaffen geht auf Geldsuche für seine aktuelle Ausstellung «Erinnerungstank Haldengut – Wir zapfen Geschichten». Das Geld aus dem Crowdfunding, Ziel sind 40’000 Franken, kommt der Entwicklung einer Museums-App zugute, die weitere spannende Geschichten aus der Brauereiwelt in die Ausstellung bringen soll. |
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| Tage und Nächte voller Musik und Tanz Vom 20. bis 25. Mai 2026 verwandelt das Festival Afro-Pfingsten die Winterthurer Altstadt in einen lebendigen Ort der Begegnung. Von Donnerstag bis Samstag lädt ein grosser Markt mit rund 300 Ständen zum Entdecken ein. Musikalische Highlights sind in diesem Jahr die Eröffnung am Mittwoch mit Elija Tamou im Osttor sowie Siselabonga, die Afro-Soul-Tronic spielen werden, am Donnerstag im Albani. Im Salzhaus findet am Freitag die Reggae Night statt, der Samstagabend gehört dem Afrofuturism, und am Sonntag treten Ethiocolor und BCUC auf. |
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| Jugendlobby Kaktus bringt neuen Schwung nach Winti
 | Jugendlobby Kaktus bringt neuen Schwung in die Winterthurer Kulturszene Noch Anfang der 1990er-Jahre war in Winti für Jugendliche am Abend nicht viel los. Das Albani war noch jung, und die Alte Kaserne spielte nur Blasmusik. In der Gaswerk-Jubiläumsbroschüre heisst es: «Wenn man als Jugendlicher also nicht weiss, wo eine illegale Party steigt, muss man nach Zürich in den Ausgang – halt bis der letzte Zug fährt.» Jugendliche und junge Erwachsene, vor allem aus dem linken politischen Spektrum, wollten dies ändern: Am 10. April 1994 gründeten 13 junge Frauen und Männer die Jugendlobby Kaktus. Im Juli mobilisierten sie 60 junge Menschen, um das Stadtparlament (damals Gemeinderat) zu besetzen. Einer davon war Urs Akeret, damals Teenager: «Während der Winterthurer Ereignisse 1984 wurde mein Lehrer verhaftet. Das hat mich politisiert», sagt er. «Man wollte uns nicht zuhören, deshalb verschafften wir uns Zugang zum Gemeinderatssaal», erinnert sich Urs. Es war eine lang geplante Aktion, gewisse Parlamentarier:innen waren vorgewarnt, manch einer jedoch reagierte unwirsch. Die Jugendlobby Kaktus forderte unter anderem ein Kulturzentrum, einen Skaterpark und mehr politische Mitbestimmung. 15 Minuten lang erklärten sie den verdutzten und teils erzürnten Parlamentarier:innen ihre Anliegen. Dann zogen sie friedlich wieder ab. Der Protest und die kontinuierliche Lobbyarbeit wirkten: 1996 überliess die Stadt die leeren Nebengebäude des ehemaligen Gaswerks im Tössfeld der Jugendlobby als Kulturzentrum. Gleichzeitig etablierte sich für einige Jahre das Jugendparlament. Dort engagierten sich heute bekannte Politiker:innen wie Chantal und Nicolas Galladé oder Stefan Fritschi. |
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| Die Jugendlichen bringen neue Ideen ins Stadtparlament. Und lassen Kakteen da. (Bild: Sammlung Winterthur) |
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| Leserbrief: Referenden gegen Schützenweiher-Aufwertung
 | Am Mittwoch berichtete Tizian über alle Abstimmungsvorlagen. Nun erreichte uns ein Leserbrief zu den Referenden gegen Schützenweiher-Aufwertung «Genauso wichtig wie die Vertreibung der Dauercamper:innen ist der IG Camping natürlich der Erhalt eines günstigen und familienfreundlichen Campingplatzes für Tages- und Durchgangstourist:innen in Winterthur. Gerade die anstehenden Afro-Pfingsten und andere Festivals wie die Musikfestwochen ziehen hunderte von Camper:innen an, die mit ihren Büslis und Zelten auf dem Platz eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Dass diese Gäste kaum ein TCS-Luxuschalet für mehrere hundert Franken pro Nacht mieten werden, liegt auf der Hand. Die Folge: Winterthur dürfte eine Schwemme von (illegalen) Wildcamper:innen erleben. Um die Winterthurer Bevölkerung über die Pläne der Stadt und des TCS zu informieren, führt die IG Camping am 16. Mai 6. Juni auf dem Neumarktplatz Standaktionen mit einem Wohnmobil durch. Damit soll auch gezeigt werden, dass ‹Luxus-Glamping› à la TCS nicht den Anforderungen an einen Winterthurer Campingplatz entspricht.» Jean-Pierre Wollenschläger, IG Camping (via E-Mail) |
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| | Ich hoffe, du geniesst dein langes Wochenende. Vielleicht ja sogar im Gaswerk. Wie an den allermeisten Freitagen und Samstagen finden auch dieses Wochenende Konzerte statt. Bis bald und hebs guet, Gioia |
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