|
| | Guete Morge Winti Im zweiten Teil seiner Gisi-Reportage nimmt uns Seba mit an den Verhandlungstisch der neuen Gisi-Besitzerin SKKG und den Besetzer:innen. Bald ist klar: Es bestehen diametral andere Vorstellungen, wie das Haus in Zukunft genutzt werden soll. |
|
|
| |
| Das besetzte Haus «Gisi» kurz vor dem 31. Juli. (Bild: Gioia Jöhri) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Drei Jahrzehnte Showdown um die «Gisi» – ein Knebelvertrag? |
|
| Die «Gisi», das älteste noch besetzte Haus der Schweiz, wird wohl bald Geschichte sein. Ein Jahr vor ihrem 30. Geburtstag hat sich die Eigentümerin SKKG dazu entschlossen, die Besetzung zu beenden – diesmal endgültig. Die Bewohner:innen haben bis zum 31. Juli Zeit, das Haus zu verlassen, sonst droht ihnen die Räumung. Ein Blick auf einen jahrzehntelangen Konflikt in drei Teilen. Teil Zwei: Diametrale Vorstellungen, ein happiger Vorwurf und das liebe Geld. von Sebastian Galli |
|
| Das Grossraumbüro der SKKG befindet sich im achten Stock des Sulzer-Hochhauses – dem eindrücklichsten «Stefanini-Haus» der Stadt. Der Ausblick vom Dach ist spektakulär. Wohl auch 2004, als Aktivist:innen auf ihm standen und ein riesiges Transparent abrollten, als sie das damals leerstehende Hochhaus für zwei Tage besetzten. Statt mit einem auf einer Leiter stehenden Bruno hatten es die Bewohner:innen des besetzten Hauses nun mit dessen Tochter und SKKG-Direktorin Bettina Stefanini zu tun. Sie und die Verwaltung seien den Besetzer:innen bei den Verhandlungen entgegengekommen. Ursprünglich wäre der vorgeschlagene Gebrauchsleihvertrag auf drei Jahre datiert gewesen. «Die Häuservernetzung hat das jedoch als Vorwand gesehen, die Besetzer:innen nach Ablauf der Frist direkt rauszuschmeissen», sagt sie. Deshalb sei der letzte Entwurf auch unbefristet gewesen. Anklang fand er bei der Häuservernetzung dennoch nicht. |
|
| | Ariel Leuenberger, Leiter Kommunikation bei Terresta AG und Bettina Stefanini, Direktorin der Stiftung SKKG verhandelten viele Male mit der Häuservernetzung. (Bilder: zvg) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Für Ariel Leuenberger, Kommunikationsleiter der Immobilienverwaltung Terresta, wäre der Gebrauchsleihvertrag ein Zeichen der Kompromissbereitschaft der Häuservernetzung gewesen. «Wir kommen einen Schritt auf euch zu, wenn ihr es auch tut», sagt er. «Es war schlicht und einfach ein Knebelvertrag»Die Häuservernetzung sah im vorgeschlagenen Gebrauchsleihvertrag unabhängig von der Laufzeit etwas anderes: einen juristischen Trick, mit gravierenden Folgen für die «Gisi»-Bewohner:innen. «Es war schlicht und einfach ein Knebelvertrag», sagt Finn (Name geändert). Er ist Teil der Häuservernetzung. Finn hat den Wortlaut mitgebracht, auf den er diesen happigen Vorwurf stützt: Vor ihm auf dem Tisch liegt der letzte Entwurf des vorgeschlagenen Gebrauchsleihvertrags. Er stammt aus dem Jahr 2022. Konkret ist es eine Kombination aus drei Punkten, an denen sich die Häuservernetzung stiess. |
|
| |
| Die Bewohner:innen bleiben auch beim Badespass anonym. (Bild: zvg langjährige Bewohnerin) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Die Bewohner:innen der «Gisi» hätten sich mit einer Unterzeichnung dazu verpflichtet, der Verwaltung eine vollständige Liste mit Namen, Vornamen und Geburtsdatum aller Personen auszuhändigen, die sich länger als vier Wochen im Haus aufhielten. Gleichzeitig würden sie sich damit einverstanden erklären, dass jede Verletzung des Vertrags zur sofortigen Beendigung der Gebrauchsleihe führen könne. In einem solchen Fall wären sie zudem verpflichtet gewesen, das Haus innert zehn Tagen zu verlassen. Es ist aber die dritte Klausel, welche diese beiden Forderungen zum Problem macht: «Die Entlehner verpflichten sich, auf die Nachbarn, insbesondere betreffend die Einhaltung der Ruhezeiten, jederzeit Rücksicht zu nehmen». |
|
| «Das ist keine faire Verhandlungsbasis»Konzerte, Raves, Lesungen, Kinoabende. Von Beginn an war die «Gisi» auch immer Kulturort. Durch das Kollektiv «Subcultura» haben in ihrem Keller seit 1997 knapp 700 nicht kommerzielle Veranstaltungen stattgefunden – stets zu einem «Soli»-Preis. Allerdings auch immer wieder zum Missmut einiger Nachbar:innen. Und genau hier wird die dritte Vertragsklausel für die «Gisi» zum Problem. Auch wenn die Bewohner:innen laut eigener Aussage um ein gutes Verhältnis bemüht seien, gab es über die Jahre immer wieder Beschwerden. Theoretisch hätte nach Unterzeichnung des Vertrags eine einzige weitere ausgereicht, um die Gebrauchsleihe zu beenden. «Und genau darauf pokerte die Terresta», sagt Finn. |
|
|
| Musik im Innenhof, hier via Plattenspieler. (zvg langjährige Bewohnerin) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Die Bewohner:innen hätten in diesem Fall die «Gisi» natürlich nicht einfach aufgegeben. Eine Rückkehr zum Ist-Zustand also. Mit einem entscheidenden Unterschied allerdings. In diesem Szenario verfügt die Verwaltung über die Personalien aller Bewohner:innen, was eine konkrete Strafanzeige ermöglicht. Statt eines Fundaments, auf dem eine Zukunft gebaut werden kann, hätte der Vertrag die Position der Bewohner:innen untergraben. «Wir kamen uns also etwas verarscht vor», sagt Finn. «Das ist keine faire Verhandlungsbasis.» Keine GeschenkeBettina Stefanini hat für diesen Vorwurf kein Verständnis: «Es war mir überhaupt nicht bewusst, dass dieser Gebrauchsleihvertrag als Knebelvertrag verstanden werden kann.» Leuenberger stellt ergänzend klar, dass beiden Parteien klar gewesen sei, dass eine Kündigung eine Rückkehr zum Status quo wäre. «Zudem ist der Punkt mit den Personalien während der Verhandlungen nie aufgekommen», sagt der Kommunikationsleiter weiter. Eine Rückfrage bei der Häuservernetzung ergibt, dass sich die beiden Parteien wie in allen anderen Punkten auch in diesem nicht einig sind. |
|
|
| Undatierter Blick in die Küche im zweiten Stock. (Bild: zvg langjährige Bewohnerin) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Neben Abgabe im Baurecht und Gebrauchsleihe stand während der Verhandlungen ein weiterer Vorschlag der Häuservernetzung im Raum: Die SKKG könnte die «Gisi» und die anderen besetzten Häuser in ihrem Besitz einfach mit einer Schenkung an ihre Bewohner:innen abgeben. Die Stiftungsdirektorin war davon nicht überzeugt – aus Gründen der Fairness, wie sie sagt. «Es wäre ein Geschenk an Leute, die bereits gratis wohnen dürfen. Eine Übervorteilung denen gegenüber, die jeden Monat einen Mietzins zahlen müssen», sagt Stefanini. «… und sich an die Regeln halten», fügt Leuenberger hinzu. Die anderen LiegenschaftenNeben der «Gisi» gibt es in Winterthur noch fünf andere besetzte SKKG-Liegenschaften, sowie eine weitere in Elgg. Zu Beginn wollte die Häuservernetzung nur einen Deal eingehen, der alle diese Häuser umfasst. «Wir wollten keine separaten Deals mit den einzelnen Häusern», sagt Finn. Für Eigentümer und Verwaltung war eine kollektive Lösung keine Option. Sieben Häuser «für gratis» zu wollen, sei inkompatibel mit ihrer Verantwortung für das Stiftungsvermögen, sagt Stefanini. Es ist ein seltener Punkt, an dem sich alle Beteiligten einig sind. Wenn auch aus anderen Gründen: Die Häuservernetzung wirft der SKKG seit Jahren vor, bei der Bewirtschaftung ihrer Immobilien auf Profit aus zu sein – entgegen ihrem Stiftungszweck. |
|
| | «Mit dem machsch kei Stutz» Finn von der Häuservernetzung |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| 2023 entschied sich der Stiftungsrat der SKKG, mit vier der besetzten Liegenschaften individuelle Deals anzustreben. Diese kamen trotz der ursprünglichen Ablehnung der Häuservernetzung auch zustande. Die Bauernhäuser in Stadel und Elgg sowie die «Endstation» an der Autobahnauffahrt in Töss existieren inzwischen in einem legalen Mietverhältnis. Beim «Schimmel» in Veltheim steht eine Abgabe im Baurecht kurz bevor. Dabei handle es sich um die Liegenschaften an den wirtschaftlich weniger interessanten Standorten. Das «Sanatorium» und das «Rattenloch» liegen beide in der Innenstadt, die «Gisi» im Herz von Winterthur. Diese Häuser wollte die SKKG «baulich weiterentwickeln». Konkret: Die Bewohner:innen müssen raus. Das sei kein Zufall. «Alte Bauernhöfe, denkmalgeschützte Häuser und kleine Parzellen», sagt Finn. «Mit dem machsch kei Stutz.» |
|
|
| Ein Blick in eines der 19 Zimmer der «Gisi» (Bild: zvg langjährige Bewohnerin) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Eine Einschätzung, die anscheinend auch Bettina Stefanini und Ariel Leuenberger teilen. Die Liegenschaften hätten unterschiedliches Potenzial und deshalb auch verschiedene Stellenwerte. Das Bauernhaus in Stadel zu sanieren wäre beispielsweise «sauteuer», sagt Stefanini. Danach könne es aber nicht für «viel Geld» vermietet werden. «Es ist halt nicht so zentral.» Insofern bewerteten die SKKG und die Terresta die verschiedenen Immobilien nicht gleich. «Gisi», «Sanatorium» und «Rattenloch» seien aus «Immobilien-Perspektive» einfach spannender, da dort mehr Wohnraum geschaffen werden könne, sagt Stefanini. Spezifisch die «Gisi» sei mit ihren 19 Zimmern gross. Mit der Sanierung wird Raum geschaffen, welcher der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden kann. «Jetzt ist es einfach Wohnraum, der nicht genutzt wird», sagt Stefanini. TrittbrettfahrerDie SKKG besitzt rund 2200 Wohnungen. «Was sind da ein paar Häuser mehr oder weniger?», fragt Finn von der Häuservernetzung. Die Stiftung vermöge es, diese Liegenschaften nicht zu bewirtschaften. «Für sie spielt es keine Rolle», sagt Finn. «Für uns aber schon.» Und wenn der Kulturkeller mit seinem niederschwelligen Angebot wegfalle, auch für die ganze Stadt. Die SKKG gebe Jahr um Jahr Geld aus, um Kultur zu fördern, die Veranstaltungen des Kollektivs «Subcultura» im Keller der «Gisi» seien auch Kultur. «Wieso soll die nicht erhalten werden?», fragt Finn. Dem widerspricht Stefanini. Die wenigsten der Wohnungen seien renoviert, die meisten hätten es nötig. Die Stiftung gebe ein Drittel ihrer Mieteinnahmen für den Bereich Kultur aus, den Rest investiere sie in ihre Immobilien. Das sei aber längst nicht genug. Der Stiftung fehle das flüssige Eigenkapital für die Sanierung ihrer Häuser. Sie müsse deshalb grosse Kredite aufnehmen, der Zinsaufwand sei erheblich. «Wir müssen in diese Häuser investieren», sagt Leuenberger. Diese Investition müsse aber auch irgendwann wieder zurückkommen. «Sonst können wir die Häuser wirklich einfach verschenken.» |
|
| | «Wir müssen in diese Häuser investieren» Ariel Leuenberger, Kommunikationsleiter Immobilienverwaltung, Terresta AG |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Renovationen und Instandhaltungen sind kostspielig. Doch fallen bei einem so grossen Bestand ein paar Liegenschaften tatsächlich ins Gewicht? Stefaninis Antwort: Die «Gisi» und die anderen Häuser würden den finanziellen Flaschenhals nicht lösen, die SKKG müsse aber alles unternehmen, um ihre Ziele umsetzen zu können. «Das Geld, das wir so nicht einnehmen, ist nicht kein Geld», sagt sie. «Insofern sind die Besetzer Trittbrettfahrer.» Morgen liest du Teil Drei: Feuerpolizei, Konzertverbot und das Ultimatum. |
|
| | | | Sulzer zufrieden mit erstem HalbjahrSulzer teilt mit, dass man trotz geopolitischer Unsicherheiten in der ersten Hälfte des Jahres 2026 ein solides Ergebnis erzielt habe. Zwar sei der Bestellungseingang um 3,9 Prozent auf 1,787 Milliarden Franken zurückgegangen, der Umsatz jedoch gleichzeitig um ein Prozent gestiegen, auf 1,673 Milliarden Franken. Dies gelang laut Sulzer dank eines «starken Basisgeschäfts». Sofern keine grösseren unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, rechnet Sulzer auch im zweiten Halbjahr mit weiterem Wachstum. |
|
| | Bar «S’Gwölb» zahlte jahrelang keine Musikgebühren: Der Betreiber der Kellerbar S’Gwölb in der Steinberggasse bezahlte jahrelang keine Suisa-Urheberrechts-Gebühren für seine Partys und Konzerte. Und dies, obwohl er 2025 bereits einmal dafür verurteilt wurde. Wie der «Landbote» schreibt, wäre im Wiederholungsfall in der Regel bei der zweiten Verurteilung eine unbedingte Strafe zu erwarten. Die Staatsanwaltschaft verlängerte aber lediglich die Probezeit und verweist auf die «gesamten Umstände und die Akten» des Falles. Ein letztes Mal ans Bambole-Festival: Seit 1996 stellte eine motivierte Gruppe fast jedes Jahr ein kostenloses Musik-Festival auf dem Radhof bei Wülflingen auf die Beine. Nach dreissig Jahren startete gestern Donnerstag die letzte Ausgabe des Bamboles (WNTI berichtete). Ein letztes Mal warten also musikalische Highlights, das beliebte Familienprogramm und verschiedene Bars auf Besuchende. Programm und Informationen gibt es hier. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
| Kunst, die inspiriert und begeistert! «Gyrenbad» bringt über 40 Künstlerinnen und Künstler der Künstler:innengruppe Winterthur an einem besonderen Ort zur grossen Jubiläumsausstellung zusammen: Noch bis 23. August 2026 täglich von 11 – 20 Uhr im Gyrenbad in Turbenthal – Eintritt frei. Tauchen Sie an der öffentlichen Führung am Sonntag, 9. August, 14 – 15 Uhr, noch tiefer in die Ausstellung ein! |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Winti weiss...wie die Stadtbäche renaturiert werden
 | …wie die Stadtbäche renaturiert werden |
|
|
| Gefragt nach einem Thema, wollte ein:e WNTI-Leser:in wissen, wann welcher Stadtbach renaturiert wird. (Bild: Nick Eichmann) |
|
| Geplant ist vieles: 70 Massnahmen an über 30 verschiedenen Bächen umfasst der aktualisierte Generelle Wasserbauplan (GWBP). Dabei den Überblick zu bewahren, grenzt an eine Herkulesaufgabe. Vor der Überarbeitung waren noch 176 Massnahmen aufgelistet. Einer der Bäche mit geplanten Massnahmen ist der Veltemer Dorfbach. Diesem soll der Zulauf in den Schützenweiher ab Rütihofstrasse, sowie der Ablauf bis zum kantonalen Werkhof freigelegt und revitalisiert werden. Durch die dafür notwendige Umlegung des Zulaufs entsteht ein rund 500 Meter langes und hochwassersicheres Bachbett. Obwohl die Winterthurer Stimmbevölkerung den neuen Campingplatz ablehnte, ist die Offenlegung des Baches zum Schutz vor Hochwasser weiterhin geplant. Inwiefern der Volksentscheid die ursprünglichen Pläne beeinträchtigt, ist noch nicht bekannt. Auf Anfrage bestätigt das Departement Bau und Mobilität, dass der Stadtrat erst nach den Sommerferien über das weitere Vorgehen entscheiden wird. Für den Mattenbach liegt unterdessen ein Studienauftrag vor. Das Siegerprojekt «Entre Terre et Eau» sieht eine Umverlegung der Veloroute an die Waldeggstrasse vor, damit ein neuer Kiesweg entlang des Mattenbach-Ufers von Fussgänger:innen genutzt werden kann. Der Bach wird dafür zwischen Seen und Mattenbach-Schulhaus breiter und mäandrierend rund vier Meter nach Süden verlegt. Darüber hinaus sollen Holzstege und einzelne Zugänge zum Wasser die «naturnahe Landschaft erlebbar» machen. Der Umsetzungshorizont ist 2029 bis 2030. Weitere Massnahmen mit Priorität 1+ umfassen unter anderem die Revitalisierung des Stadler Dorfbachs, die Teil-Offenlegung des Mockentobelbachs am Goldenberg oder die Aufwertung des hinteren Krebsbachs. (lf) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | | Die Eulach ist zwar kein Bach, sondern ein Flüsschen, aber auch sie erlebt einiges an Veränderung. Nicht nur, weil sie manchmal verschmutzt wird, sondern auch, weil wir hinter dem Technikum bald gemütlich Füsse baden können. Die naturnahe Umgestaltung des Flüsschens soll noch dieses Jahr fertig werden. Bis bald und hebs guet, Gioia |
|
| |
|
|
|
| |
|