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| | Buongiorno Winterthur Ihr lest heute die allererste Auslandsreportage im Wintibrief. Ich nehme euch mit nach Lamon in Italien, wo ich selbst oft meine Ferien verbringe und ständig auf Spuren aus Winterthur stosse: Der FCW-Kleber auf dem WC in der Bar, Einheimische, die Schweizerdeutsch verstehen, oder kleine Winti-Wappen auf Autos auf der Piazza. |
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| Lamon – ein Dorf wie viele andere in den Vordolomiten. Aber mit starker Verbindung zu Winterthur. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Ein halbes Dorf wandert aus – nach Winterthur |
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| Malacarne, Bee, Tiziani, Boldo, Largo oder Poletti – italienische Nachnamen, die wir heute in Winterthur kennen. Sie kommen aus Lamon, einem norditalienischen Dorf in der Provinz Belluno. Lamonesi hier und dort erzählen von der speziellen Beziehung zwischen den beiden Orten. von Gioia Jöhri |
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| Lamon ist ein beschaulicher Ort am Fusse der Vordolomiten: eine Piazza, Bars rundherum, ein Altersheim, zwei Kirchen und ein paar kleine Supermärkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten hier über 7500 Menschen. Im Jahr 1960 nur noch 6500, 1971 noch 4000. «Es war damals einfacher zu gehen als zu bleiben», erinnert sich Armida Malacarne. Sie war erst 15 Jahre alt, als sie in den 1950er Jahren ihr Zuhause verliess, um ihr Glück in Winterthur zu suchen. «Kaum jemand aus unserer Generation ist geblieben. In Lamon gab es einfach nichts zu tun, schon gar nicht etwas, mit dem man Geld verdiente», erzählt Giovanni Malacarne. Er ging 1957 als 17-Jähriger nach Winterthur, um bei Rieter zu arbeiten – 36 Jahre lang. Aus Lamon kamen besonders viele Menschen nach Winterthur: In Töss wohnten zeitweise mindestens 70 Familien aus Lamon. Das Ehepaar Malacarne lebt heute wieder in La Costa, einem der vielen Weiler um Lamon herum. Ihre Familiengeschichte gleicht vielen aus dem Ort: Die Not zwang zur Auswanderung, aus Monaten wurden lange Jahre in der Schweiz und im Pensionsalter kehrten viele wieder in ihre Heimat zurück. Häufig ohne ihre Kinder, die in der Schweiz aufgewachsen sind und bleiben wollten. |
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| Italienische Gastarbeiter am Bahnhof Winterthur in den 1960er Jahren. Wer nur Saison-Verträge hatte, musste immer wieder in die Heimat zurückkehren.(Bild: Sammlung Winterthur) |
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| Sulzer, Rieter, die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) oder die Spinnerei in Töss waren angewiesen auf die zusätzlichen Arbeitskräfte. Nicht nur aus Lamon, sondern aus ganz Italien kamen nach dem Zweiten Weltkrieg sogenannte «Gast- oder Fremdarbeiter» ins Land. Die Malacarnes erinnern sich, dass Firmenvertreter aus Winterthur direkt ins Dorf kamen, um junge Leute für die Arbeit in den Fabriken zu gewinnen. «Die Verträge wurden noch in Lamon unterschrieben», erzählt Giovanni Malacarne. Obwohl die Schweizer Industrie die Arbeitskräfte brauchte, war die Gesellschaft den Italiener:innen gegenüber manchmal offen feindselig eingestellt. Davon zeugen zahlreiche fremdenfeindliche Volksabstimmungen wie beispielsweise die Schwarzenbach-Initiative, die vor «Überfremdung» warnte. In Winterthur wurde die Initiative angenommen, national jedoch knapp abgelehnt. |
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| Antonio Malacarne (vorne Mitte) bei einer Maschinenkontrolle in der Rieter-Fabrik in der Türkei 1996. (Bild: zvg / Oltre Chiasso) |
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| Antonio Malacarne erinnert sich noch genau an diese Abstimmung. «Wir waren alle sehr nervös», sagt er. Der Bruder von Giovanni Malacarne kam als 11-Jähriger zu seinen Eltern in die Schweiz. Davor lebten sie getrennt, weil das Schweizer Ausländerrecht den Familiennachzug erst mit dauerhafter Niederlassung erlaubte. Antonio erinnert sich an den schwierigen Anfang im neuen Umfeld: «Ich kam in eine fünfte Klasse mit 40 Deutschschweizer Kindern. Selbst sprach ich damals kein Wort Deutsch», erzählt er. Glücklicherweise habe er sich dann aber schnell anpassen können. Antonio machte seine Lehre bei der SLM und reiste später als Maschinenprüfer um die ganze Welt. Heute wohnt er zwar wieder in Italien, schaut aber sehr gerne auf die Zeit in der Schweiz zurück. |
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| Luigina Tiziani mit ihrer Grossnichte aus der Schweiz. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| | «Ich habe Heimweh nach Winterthur. Wenn der Weg nicht so lang wäre, würde ich sofort wieder gehen» Luigina Tiziani |
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| Auch Luigina Tiziani erinnert sich gerne: «Ich habe Heimweh nach Winterthur. Wenn der Weg nicht so lang wäre, würde ich sofort wieder gehen», sagt sie. Luigina kommt ursprünglich aus der Stadt Belluno, hat aber einen Lamonese in Winterthur geheiratet. Ihr Mann arbeitete zeitlebens für Rieter. Luigina war Praxisassistentin bei der Arztfamilie Widmer in Töss. Zudem war sie an der Emil-Klöti-Strasse auch als Hauswartin angestellt. «Ich habe dort mit ganz Europa zusammengelebt. Menschen aus der Schweiz, Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland wohnten in diesen Häusern», erinnert sie sich. Als ihr Mann krank wurde, konnte er bei Rieter nicht mehr Vollzeit arbeiten. «Ich wollte damals nicht nach Italien zurück. Aber wir konnten uns das Leben in der Schweiz ohne seinen vollen Verdienst einfach nicht mehr leisten», erzählt sie auf ihrer Terrasse mit Blick über Lamon. Das Wiedereingewöhnen in der alten Heimat sei für sie schwieriger gewesen als das Auswandern: «Es half, dass in den 1990er Jahren viele ehemalige Auswanderer wieder zurückkehrten», sagt sie heute. Viele Jahre lang habe man noch zusammen Ausflüge und Treffen organisiert. Die gemeinsamen Erfahrungen in Winterthur und anderswo haben die Auswanderer fürs Leben geprägt. |
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| Für viele Rückkehrer:innen war die Vernetzung mit anderen Ex-Emigranti sehr wichtig. Hier ein Anlass aus dem Jahre 2004 in der Kirche von Lamon. (Bild: zvg) |
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| Wie Luigina und auch Antonio, Armida und Giovanni sind etwa neun von zehn Lamonesi der ersten Auswanderergeneration spätestens in den 1990er Jahren wieder zurückgekehrt. «Nicht immer unbedingt, weil alle das wollten», erklärt Ivo Malacarne. Ivo ist einer der Söhne von Armida und Giovanni und blieb in Winterthur, als die Eltern nach der Pension zurückgingen. Heute ist Ivo Präsident des Vereins «Bellunesi nel Mondo», in dem sich bis heute viele Lamonesi engagieren. «Häufig wollten die Frauen nicht zwingend zurück. Sie waren ins soziale Leben in Winterthur gut eingebunden und schätzten die Vorteile einer grossen Stadt», erklärt Ivo. Sein Bruder Sendi war bei der Rückkehr der Eltern erst zwölf Jahre alt und ging deshalb mit den Eltern mit. «Es war schon seltsam, von der Stadt ins Bergdorf zu ziehen», sagt er rückblickend. Schweizerdeutsch hat er trotzdem nie verlernt. «Früher konntest du auf der Piazza Schweizerdeutsch sprechen und einer hat immer geantwortet», erinnert er sich lachend. Und einige Jahre kam jeweils der FC Töss auf Besuch: «Diese Grümpelturniere waren legendär», erinnert sich Sendi. |
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| Sendi mit seinen Eltern vor ihrem Haus im Weiler La Costa. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Obwohl viele Lamonesi in ihre Heimat zurückgezogen sind, stehen heute mindestens 40 Prozent der Liegenschaften im Dorf leer. «Das verdiente Geld aus der Schweiz wurde in Lamon in neue Häuser investiert, in denen heute oft aber niemand mehr wohnt», erklärt Ivo. Denn die Kinder der Rückkehrer:innen blieben häufig lieber in der Schweiz. «Die zweite Generation hat zwar noch einen starken Bezug zu Lamon. Immerhin haben wir alle praktisch jede Ferienwoche in Lamon verbracht», sagt Ivo. Die dritte Generation jedoch spreche nicht mehr zwingend Italienisch und engagiere sich auch nicht mehr im Verein: «Fast alle unserer noch circa 30 Mitglieder sind über 70 Jahre alt», sagt Ivo. Der Verein «Bellunesi nel Mondo» hat deshalb immer mehr Schwierigkeiten seine Anlässe wie gewohnt durchzuführen und verzichtet deshalb seit einem Jahr auf die traditionelle Teilnahme an der Tössemer Dorfet. |
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| Die Bellunesi waren stolz, der erste ausländische Verein an der Tössemer Dorfet zu sein. Hier ein Bild aus den 1990er Jahren. (Bild: Sammlung Winterthur) |
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| Typische Häuser in Lamon haben lange Balkone und sind mit viel Holz gebaut. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Lamon wäre heute nicht der gleiche Ort ohne die Rückkehrer:innen aus Winterthur und anderen Orten in der Schweiz. Nicht nur wegen der auffallend vielen renovierten Häuser, die heute oft nur noch als Feriendomizil genutzt werden. Neben der Kirche steht ein Denkmal für die Ausgewanderten. In der Metzgerei gibt es Cervelats, weil die Rückkehrer:innen diesen so sehr vermissen. Und in mancher Bar oder am Kiosk kommt man mit Schweizerdeutsch durch, weil viele die Sprache noch verstehen. Obwohl die Zeiten in der Schweiz nicht immer einfach waren, erinnern sich Luigina, Antonio, Giovanni und Armida heute gerne zurück. «Alle wichtigen Erinnerungen haben mit Winterthur zu tun», sagt Luigina. «Mein Herz ist dort geblieben». |
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| Sommer beginnt vor der Haustüre Ob entspannte Stunden im Garten oder eine erfrischende Abkühlung im Pool: die LANDI begleitet Sie durch den Sommer. Entdecken Sie das vielseitige Sortiment mit Pools und Wasserspielen, Grillzubehör, Gartenartikeln und erfrischenden Farmer-Getränken. Seit Jahrzehnten ist die LANDI eine verlässliche Partnerin in der Region. Mit den Standorten Winterthur-Töss, Neftenbach und Räterschen sind sie ganz in Ihrer Nähe – persönlich, kompetent und mit allem, was den Sommer noch schöner macht. Kommen Sie vorbei und erleben Sie die LANDI! |
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| | | | Kompotoi bietet festinstalliertes Kompost-WC anWir kennen Kompotoi von Festivals, Lagern oder Grossanlässen. Nun hat die Winterthurer Firma das Kompotoi Piazza vorgestellt, das festinstalliert für Parks, Dorfplätze oder Freizeitanlagen gedacht ist. Im Produktvideo erklärt Mitgründer Jojo -Casanova-Linder, dass das Kompost-WC ohne Strom- und Wasseranschluss auskomme und komplett barrierefrei sei. Das Kompotoi Piazza kann innerhalb eines Tages installiert werden. Kompotoi existiert seit 2012 und konnte bereits 1400 mobile Trockentoiletten verkaufen oder vermieten. |
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| | Gutachten stuft Stadtbus-Streik als «rechtswidrig» ein: Der Stadtrat gab nach den Busfahrer:innen-Streiks ein Rechtsgutachten in Auftrag, um die Situation juristisch einschätzen zu können, wie der Landbote schreibt. Dieses kommt nun zum Schluss, dass der Streik «rechtswidrig» gewesen sei, da es vorher noch andere Massnahmen zur Ausschöpfung gegeben hätte (Ultima-Ratio-Prinzip). Die Gewerkschaft VPOD widerspricht dieser Darstellung. Illegaler Edelmetallankauf: Die Stadtpolizei hat am Dienstag in Oberwinterthur einen Mann festgenommen, der mutmasslich illegal Edelmetall an Haustüren kaufte. Er ging dabei von Tür zu Tür und fragte nach Edelmetall und Antiquitäten, worauf sich mehrere Personen bei der Stadtpolizei meldeten. Die Polizei kontrollierte den Mann und stellte fest, dass er gegen Sorgfalts- und Dokumentationspflicht verstossen hatte, nicht über erforderliche Bewilligungen verfügte und keine geeichte Waage nutzte. Der Mann wurde angezeigt. Leichtathletik-Nachwuchs qualifiziert sich für Nachwuchs-EM und -WM: Milan Stadler und Tim Homberger von der Leichtathletikvereinigung Winterthur (LVW) schaffen den Sprung aufs internationale Parkett. Der 400-Meter-Läufer Milan Stadler darf an die WM in Eugene, während der Kugelstosser Tim Homberger an die U18-Europameisterschaften in Italien reisen kann. |
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| Über den Weg gelaufen
 | Pam, aus dem Gutschick-Quartier |
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| Ich habe dich in einem der Steibi-Brunnen getroffen. Bist du oft hier am Baden? Im Sommer ist es 50/50: hier in der Steibi oder im Geisi und vielleicht ganz selten noch im Wolfi. Warum glaubst du ist das Brunnenbaden so ein Ding in Winti? Ich denke es hat mit dem kulturellen Aspekt der Stadt zu tun. Winterthur ist eine Kulturstadt und lässt deshalb Raum für Ideen oder einfach mal machen. Wenn du Königin wärst von Winterthur, was wäre dein erster Erlass? Politisch würde ich mich für mehr bezahlbaren Wohnraum aussprechen. Und dann hätte ich gern einen vierten Steibi-Brunnen, vielleicht grad vor dem Kafi-Fenster oben. Dann kämen alle besser aneinander vorbei. |
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| | | Eine Reise nach Lamon lohnt sich übrigens auch, wenn dir die Winterthurer Spuren dort egal sind. Der Ort hat sich nämlich in jüngster Zeit als Geheimtipp für Wander- und Mountainbike-Fans profiliert. Bis bald und hebs guet, Gioia |
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