|
| |
| | … ruft Fredy Künzler durch das Sitzungszimmer. Und er meint damit niemand Geringeres als die CEOs der beiden grössten Schweizer Internetanbieter: Christoph Aeschlimann und André Krause. |
|
|
| Fredy Künzler in einem der vier Winterthurer «Point of Presence» (PoP). Über diesen Knotenpunkt erreichen 25’000 Kund:innen verschiedener Anbieter das Internet. (Bild: Nick Eichmann) |
|
| Als Angsthasen hat der Chef des Winterthurer Internetanbieters Init7 die CEOs von Swisscom und Sunrise auch in einem LinkedIn-Post bezeichnet. Denn beide Unternehmen, so Künzler, blockierten ohne eine Rechtsgrundlage Websites. Der Druck komme von westschweizer Staatsanwaltschaften, die das seit einigen Monaten von ihnen verlangten. Bereits vier Verfügungen hätten auch Künzlers Unternehmen erreicht, die letzte erst gestern. Der Winterthurer Internetanbieter weigert sich jedoch, die Seiten zu sperren. Wegen Missachtens einer behördlichen Anordnung hat ihm die Staatsanwaltschaft eine Busse von 6000 Franken aufgedrückt. Künzler ficht sowohl die Verfügungen als auch die Busse mit seinen Anwälten Sylvain Métille, Marie-Laure Percassi und Simon Schlauri an, die Verfahren sind derzeit an unterschiedlichen Gerichten hängig. Die Staatsanwaltschaften der Kantone Waadt und Wallis verlangen von den Anbietern eine sogenannte DNS-Sperre. DNS, oder das «Domain Name System», ist eine Art Telefonbuch des Internets. Vereinfacht erklärt: Geben wir in unserem Browser eine Adresse, etwa wnti.ch ein, schaut dieser bei einem «DNS-Resolver», also im Telefonbuch, nach und findet die zu wnti.ch gehörige Nummer, die IP-Adresse. Mit ihr kann er die Website auf dem Endgerät laden. Die Strafverfolgungsbehörden forderten nun von den Internetanbietern, dass sie diese Abfragen blockieren. In einem Fall ging es dabei um die Website der «Grondements des Terres», einer Gruppe von militanten Umweltaktivist:innen. Sie war zuletzt durch die Verwüstung der Büros einer Freiburger Offshore-Firma aufgefallen (Watson berichtete), zu der sie sich bekannt hatte. Laut Simon Schlauri kam es im Umfeld einer Veranstaltung der Organisation zu einem Brandanschlag. Die Website selbst beinhalte aber keine Aufrufe zu Gewalt. |
|
| | «Wir sehen anderswo, was passiert, wenn totalitäre Staaten die Telekommunikationsnetze steuern.» Fredy Künzler, CEO Init7 |
|
| | Solche «Netzsperren» sind im Gesetz nur an zwei Stellen verankert: Bei Kinderpornografie über einen Artikel im Fernmeldegesetz und bei Online-Casinos, für die das Volk 2018 das neue Geldspielgesetz beschlossen hat. Für die aktuellen Fälle verwenden die Staatsanwaltschaften hingegen den Beschlagnahme-Paragrafen aus der Strafprozessordnung. «Auf der Grundlage der Rechtsprechung und der Rechtslehre ist die Staatsanwaltschaft der Ansicht, dass sie von Schweizer Internetprovidern verlangen kann, die Umwandlung zwischen der URL einer ausländischen Website und ihrer IP-Adresse in den DNS-Servern der Provider zu sperren», schreibt die Medienstelle der Waadtländer Staatsanwaltschaft auf Anfrage des Fachmagazins «Inside IT». Die Beschlagnahme sei gedacht, um eine Tatwaffe oder Vermögenswerte sicherzustellen. «Aber sicher nicht für eine Netzsperre», sagt Künzlers Anwalt Simon Schlauri. Das Vorgehen schaffe gefährliche Präzedenzfälle. Gegenüber Init7 argumentierten die Staatsanwaltschaften bereits damit, dass andere Anbieter die Verfügungen ohne Murren umsetzten. Prekär ist für Schlauri auch die sofortige Vollstreckung einer solchen Anordnung. «Stellen Sie sich vor, ein Zeitungsartikel haut ein Unternehmen in die Pfanne, und der gewiefte Anwalt der Firma findet einen Grund, etwa Verleumdung, um das Medium anzuzeigen.» Plötzlich wäre die Website der Zeitung nicht mehr sichtbar, während die Journalisten noch herumrätselten, weshalb sie keine Aufrufe auf der Seite mehr erhielten. Zudem, so Fredy Künzler, sei eine DNS-Sperre schlichtweg unwirksam. «Es ist, als würde ich eine Seite aus einem Telefonbuch herausreissen.» Aber der Endkunde könne einfach ein anderes zur Hand nehmen. Umwege gäbe es viele, und das Smartphone des Schreibenden liefert sogleich den Beweis: Über das Mobilfunknetz der Swisscom ist die Seite vom Safari-Browser aus problemlos erreichbar, obwohl der Anbieter die Sperre umgesetzt hat ‒ offenbar wegen lokaler Geräteeinstellungen. |
|
|
| Über Safari ist die «gesperrte» Seite im Swisscom-Mobilfunknetz problemlos erreichbar. (Bild: Screenshot) |
|
| Für den SP-Stadtparlamentarier ist das Vorgehen der Waadtländer «schlicht und einfach politische Zensur». Und man nimmt ihm das, ungeachtet des politischen Anliegens, sogar ab. Seit 20 Jahren finanziert Künzler mit seinem Unternehmen immer wieder aufwendige Gerichtsverfahren ‒ laut eigener Aussage mit einer sechsstelligen Summe pro Jahr. Er stritt mit der Swisscom, als diese in den Nullerjahren kleinere Konkurrenten mit überhöhten Margen auspresste. Er zerrte den «Ex-Monopolisten» erneut vor Gericht, als es darum ging, die letzten Meter des Glasfasernetzes allen Anbietern zugänglich zu machen. Und auch dem Nachrichtendienst des Bundes verweigerte Künzler schon den Gehorsam, als dieser seine Internet-Überwachung ausweiten wollte. Und die Grossen? Sunrise schreibt auf Anfrage: «Wir gehen aufgrund der Schweizer Rechtsprechung davon aus, dass Verfügungen von Staatsanwaltschaften im genannten Zusammenhang rechtens sind.» Nach interner Prüfung setzte man diese um. Genau wie die Swisscom, wie es in einer Auskunft der Medienstelle heisst. Ob der Konzern die Rechtslage anders beurteile und weshalb er die Verfügungen nicht anfechte, beantwortete die Medienstelle nicht. |
|
| | Init7 ist der Internet Access Provider von WNTI und schaltet regelmässig Werbung bei WNTI. Redaktionelle Beiträge von WNTI entstehen im Einklang mit Punkt 4 unseres Redaktionsstatuts niemals aufgrund erbrachter oder bezogener Leistungen des Verlags. |
|
| | | |
|
| «Historismus» heisst der Architekturstil, der bewusst auf frühere Epochen zurückgreift. Eingang von Seite Badgasse. (Bild: Sammlung Winterthur) |
|
| Badgasse 6 soll an Genossenschaft gehen: Erst war ein Wellnesstempel geplant, dann strebte der Stadtrat eine gewerbliche Nutzung an. Nun will die Gesewo die ehemalige «Badewannenmoschee» im Baurecht übernehmen, wie aus einem Stadtratsbeschluss hervorgeht. Die Genossenschaft ist bereits Baurechtsnehmerin der Liegenschaften am Obertor 15 und 17a, die wie die Badgasse 6 zum ehemaligen Stapo-Areal gehören. Als Kaufpreis des Gebäudes schlägt der Stadtrat 5,6 Millionen Franken vor, der jährliche Baurechtszins beträgt 23’500 Franken. Stimmt das Stadtparlament der Abgabe zu, wird die Vergabe öffentlich ausgeschrieben.
Der Plan fürs Wissensquartier steht: Das gab die Stadt gestern in einer Medienmitteilung bekannt. Damit ist das Areal zwischen Technikum und Zeughauswiesen gemeint, auf dem bereits heute die ZHAW, die Kanti Büelrain und Berufsfachschulen zu Hause sind. Künftiges Kernstück wird der Naherholungsbereich entlang der Eulach sein. Der Masterplan «skizziert für das gesamte Gebiet eine langfristige Vision», wie es in der Mitteilung heisst.
Rieter beantragt Streichung der Dividende: Nach «ausserordentlichen Restrukturierungsaufwendungen» und der Akquise des Textilmaschinen-Herstellers Barmag schliesst Rieter sein Geschäftsjahr mit einem Verlust von 63,4 Millionen Franken. Das schreibt der Konzern in einer Medienmitteilung. Der Verwaltungsrat wird den Aktionär:innen an der GV deshalb beantragen, auf eine Dividende zu verzichten. Die Rieter Holding AG gehört zu 49 Prozent den beiden Grossaktionären Peter Spuhler und Martin Haefner.
Stadt fördert Frauen-Unihockey-WM: Im Mai 2027 soll die Weltmeisterschaft der U19-Frauen in Winterthur und Zürich stattfinden. Zur Unterstützung des Events hat der Stadtrat in seiner Sitzung letzte Woche beschlossen, 70’000 Franken beizusteuern. Insgesamt rechnet Swiss Unihockey mit Aufwendungen von 934’000 Franken. Die Stadt Zürich beteiligt sich mit 160’000, der Kanton mit 120’000 Franken.
Sulzer fährt Rekordgewinn ein: 295 Millionen Franken nach Steuern erwirtschaftete der Maschinenbauer im vergangenen Jahr, wie er im Jahresbericht schreibt. Entsprechend stellt der Verwaltungsrat eine Dividendenerhöhung von 4.25 auf 4.75 Franken in Aussicht. Mit einem Wachstum von 5,6 Prozent steigt der Jahresumsatz auf über 3,5 Milliarden Franken. Sulzer gehört heute zu knapp 49 Prozent einer Holding-Firma des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg.
|
|
| |
| zu «Wenn Bilder lügen» im Wintibrief #208 Stereotyp «Nette Junge und depperte Alte» Wieder mal das stereotype «nette Junge zeigen depperten Alten wie es funktioniert». Mag sein, dass dein Opa das KI-Bild nicht als solches erkannt hat, jedoch werden wohl immer noch zig mal mehr KI-generierte Inhalte von Jungen geteilt und sonstwie verwendet. Wenn ich sehe, wie unkritisch heute KI vertraut wird, und zwar von Jung und Alt, so habe ich schon ein ungutes Gefühl. Anstatt zu googeln (oder «duckduckgo-en») und dann aus den Resultaten die passenden herauszusuchen, fragt man ChatGPT. Und ChatGPT antwortet immer! In vielen Fällen mit einer komplett falschen Antwort, welche man sofort als falsch erkennt (oder erkennen sollte). Was dann? Andere KI oder traditionell Wikipedia etc.? Unkritischer Umgang mit KI ist wohl kaum ein Phänomen der älteren Generation! Charley Feer |
|
| |
| |
|
| Happy Birthday, altes Haus! |
|
| Mal als Wahrzeichen der industriellen Hochblüte von Winterthur gepriesen, mal als Monster oder Aktensilo beschimpft, mal voll vermietet, mal leerstehend, mal besetzt – der Wintower bzw. das ehemalige Sulzer-Hochhaus hat vieles schon erlebt. Schon bevor das als Bürogebäude für die Sulzer AG geplante Hochhaus überhaupt gebaut wurde, hatte es zu heftigen Auseinandersetzungen in der Bevölkerung geführt. |
|
|
|
| Wintower während der Besetzung am 28. Februar 2004. (Bild: Marc Dahinden / bildarchiv.winterthur.ch) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Nicht alle konnten sich vorstellen, wie sich ein solches Haus in das vertraute Bild der Heimat integrieren würde. Bei der offiziellen Einweihung im September 1966 war dann aber keinerlei Kritik mehr zu hören. Der Turm gehörte bereits zum Stadtbild, man hatte sich an ihn gewöhnt und sich mit seiner Existenz versöhnt. Nebst dem «Landboten» fand auch die Zeitung aus der grossen Nachbarstadt lobende Worte für das neue Wahrzeichen vom kleinen Winterthur. «Das Äussere dieses Hauses, das als neue Dominante ins Winterthurer Stadtbild eingegangen ist, gibt dem Anspruch des grossen Unternehmens auf Geltung und Beachtung unübersehbaren Ausdruck. Es ist aber zugleich auch Sinnbild jenes nüchternen und technischen Geistes, der in dieser Stadt waltet und die sauberen, klaren Linien liebt», berichtete die «Neue Zürcher Zeitung». Mit dem Niedergang des Industriesektors während der 1990er-Jahre ging es dann aber mit dem einst höchsten Gebäude der Schweiz bergab. Immer mehr Stellen in der Verwaltung von Sulzer fielen weg und die Büros blieben leer. Zudem war das Hochhaus in die Jahre gekommen und benötigte eine umfassende Sanierung, welche der Sulzer AG zu teuer war. Sie verkaufte das Haus 1998 an Bruno Stefaninis Wintower AG. Doch bevor die Sanierungsarbeiten in Angriff genommen wurden, stand das Gebäude ab 2002 ein paar Jahre leer und wurde im Februar 2004 für ein Wochenende von rund 300 Aktivist:innen gegen Luxussanierungen besetzt. Dieses Jahr wird das ehemalige Sulzer-Hochhaus, das seit 1998 Wintower heisst, 60 Jahre alt. Seit seiner 2009 abgeschlossenen Gesamtsanierung ist es wieder ausgelastet, erfreut sich einer guten Gesundheit und eines hellen Geistes in Form der alljährlichen Tannenbaumbeleuchtung während der Weihnachtszeit – eine Tradition aus der Blütezeit des Sulzer-Hochhauses, die über seine bewegte Geschichte hinaus erhalten geblieben ist. |
|
| | Unter der Rubrik «Geschichte vor Ort» schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren aus dem Geschichtennetzwerk Winterthur. Regula Geiser ist Historikerin und betreut das Archiv der Winterthurer Bibliotheken. |
|
| | Im Film «Die Hinterlassenschaften des Bruno Stefanini» wird nahegelegt, der Winterthurer Immobilienmogul habe es der Stadt immer übel genommen, dass sie Sulzer die Baubewilligung für ein Hochhaus erteilt habe, ihm selbst aber nicht. Ob das stimmt? Einerlei. Aber darüber, dass die Sulzer AG heute wieder 14 Etagen im «Wintower» mietet, hätte sich Stefanini schelmisch gefreut. Bis bald, Tizian |
|
| |
|
|
|
| |
|