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| | Guten Morgen Winti Der heutige Brief von mir an dich steht ganz im Zeichen der Künste. Du denkst jetzt vielleicht an Gemälde oder schöne Musik. Ich denke an die Kunst, sich zu entscheiden – oder an die Kunst, Nöten kreativen Ausdruck zu geben. Die Kunst, das Leben zu akzeptieren. Welche Kunst fällt dir noch ein?
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| 25 Winterthurer:innen verteilen 400’000 Franken an Kulturschaffende (Bild: Robyne Dubief) |
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| Kulturkomitee – wie ein zufällig ausgewähltes Gremium Winterthurer Kultur fördert |
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| Das Kulturkomitee der SKKG tagt zum fünften Mal. Das Laiengremium verfügt über knapp 400’000 Franken, mit denen es verschiedene Kulturprojekte in der Stadt fördern kann. Wie kommen 25 Fremde zu einem Konsens? Ein Blick hinter die Kulissen. von Sebastian Galli |
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| 200 aus dem Einwohnerregister ausgeloste Winterthurer:innen fanden im Oktober einen roten Umschlag in ihrem Briefkasten. In ihm: Eine Einladung, 400‘000 Franken der SKKG für Kultur auszugeben. 25 folgten ihr und sitzen nun, Anfang November, in der Villa Streuli in einem Halbkreis. Auf die Frage, wer schon mal vom Kulturkomitee gehört hat, heben zwei die Hand. «Das sind mehr als letztes Jahr», sagt Noemi Scheurer lachend. Zusammen mit Mia Odermatt leitet sie das Komitee bereits zum fünften Mal. Ihre Aufgabe in den nächsten fünf Monaten wird es sein, diese zufällig zusammengestellte Gruppe auf ihrem Weg zu einem gemeinsamen Förderziel zu begleiten. |
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| Noemi Scheurer und Mia Odermatt leiten das Kulturkomitee bereits zum fünften Mal. (Bild: Robyne Dubief) |
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| In der Regel entscheiden Stiftungen anhand eines durch Urkunden oder Stiftungsrät:innen definierten Kriterienkatalogs, welche Form von Kunst oder Kultur sie fördern wollen. Das Ziel des Kulturkomitees hingegen sei es, dass auch Leute, die nicht in der Kulturbranche tätig sind, über das kulturelle Angebot mitbestimmen können, sagt Noemi. «Es ist unsere Überzeugung, dass Kultur in Winterthur von den Menschen mitgestaltet werden muss, die hier leben», fügt Mia an. Zum Beispiel von Menschen wie Peter Oehy. |
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| | «Ich finde es gut, wenn solche Stiftungen etwas an die Menschen zurückgeben» Peter Oehy, pensionierter Maschinenbauingenieur |
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| Mit dem 71-jährigen Seemer hat das Los gut getroffen. Kunst hat ihn schon sein ganzes Leben begleitet. Sein Vater war Maler und Holzschnitzer. Selbst singt Peter im Chor und seit der Pensionierung hat er die Steinmetzerei für sich entdeckt. Er geht oft ins Theater und zu Konzerten. Als Mitglied des Kunstvereins sei er auch oft in Museen anzutreffen. Zusammen mit seinen 24 Kolleg:innen ist es nun seine Aufgabe, 400’000 Franken zu verteilen – diese Summe stellt die SKKG dem Kulturkomitee zur Verfügung. «Ich finde es gut, wenn solche Stiftungen etwas an die Menschen zurückgeben», sagt Peter. Reiche wie Bruno Stefanini hätten das Geld ja schliesslich auch irgendwoher. Es sei also nur richtig, wenn ein Teil davon wieder in die Gesellschaft zurückfliesse. «Und die Kultur ist dafür der richtige Ort», sagt der pensionierte Maschinenbauingenieur. Kultur sei für ihn etwas Vergängliches. «Sie bringt den Kopf an einen anderen Ort. Danach denke ich noch ein paar Mal daran, danach ist es weg.» Solche Projekte möchte er mit dem Kulturkomitee fördern. Wichtiger sei allerdings, dass die Projekte, die Geld erhielten, ein breites Spektrum der Öffentlichkeit abdecken würden – unabhängig von Alter oder Bildung. «Es muss für alle etwas dabei sein», sagt Peter. |
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| Peter, pensionierter Maschinenbauingenieur und Chorsänger. (Bild: Robyne Dubief) |
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| Bei 132 eingereichten Projekten sollte sich Peters Wunsch definitiv umsetzen lassen. Schlussendlich werden 38 davon eine Förderung erhalten. Zuerst muss das Komitee aber eine Vorauswahl treffen. Am zweiten Treffen im «Osttor» an der St. Gallerstrasse setzen sich die Mitglieder des Komitees vertieft damit auseinander, nach welchen Kriterien sie Geld sprechen möchten. Am Ende des Tages steht ein gemeinsamer «Förderkompass», der die kollektiven Werte des Komitees widerspiegeln soll. Wie dieser aussieht, liegt in den Händen der Komiteemitglieder. Mia und Noemi leiten den Prozess lediglich an. Der Kompass soll die Mitglieder in ihren Entscheidungen leiten. Allerdings nur knapp zur Hälfte. Bei der Bewertung der Projekte soll der Kompass im Entscheid zu 57 Prozent gewichtet werden, die persönlichen Präferenzen zu 43 Prozent. Diese spezifische Verteilung steht am Ende einer intensiven Debatte des Plenums. Annika Attinger beispielsweise hätte komplett auf die persönlichen Präferenzen verzichtet. |
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| | «Kultur muss für mich immer Teilhabe fördern» Annika Attinger, Pflegefachfrau am Kinderspital Zürich |
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| Die 26-jährige Pflegefachfrau lebt seit vier Jahren in Winterthur. Kulturell ist sie in den bildenden Künsten zu Hause. Malerei, Grafiken, Illustrationen. Während Corona hat sie ein «Papeterie-Label» gegründet. Durch ihre Arbeit am Kinderspital kommt sie jeden Tag mit den verschiedensten Kulturen in Berührung. Deshalb legt sie bei der Beurteilung der Projekte grossen Wert auf Inklusion. «Kultur muss für mich immer Teilhabe fördern», sagt Annika. Vielleicht ist es ihr auch deshalb schwergefallen, sich an die Gewichtung des Förderkompasses zu halten. «Etwas ironisch, wenn man bedenkt, dass ich mich dafür eingesetzt habe, dass die eigene Meinung keine Rolle spielen sollte», so Annika. «Bei 50/50-Entscheidungen habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen», gibt sie zu. Dass Mia und Noemi den Prozess nur geführt statt gelenkt haben, habe sie geschätzt, meint Annika. Beim Erarbeiten und Gewichten des Förderkompasses hätte sie sich allerdings etwas mehr Führung gewünscht. Es sei eine intensive Zeit gewesen. «Aber ich habe mich immer gefreut, wenn das Komitee wieder tagt», sagt Annika. «Denn wo sonst kommt man mit so vielen verschiedenen Menschen zusammen und arbeitet an einem gemeinsamen Ziel?» |
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| Annika, Pflegefachfrau und Hobbyillustratorin. (Bild: Robyne Dubief) |
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| Nach dem zweiten Treffen folgt eine mehrmonatige Pause, in der die Mitglieder des Komitees die eingereichten Projekte online sichten und bewerten. Anfang März trifft sich das Komitee wieder – diesmal in den Räumlichkeiten der SKKG im Sulzer-Hochhaus. 80 Projekte kommen an diesem Abend in die Vorauswahl, die restlichen fallen weg. Insgesamt seien 1,7 Millionen Franken beantragt worden, sagt Mia. Also gut viermal so viel Geld, wie das Komitee vergeben kann. In drei Gruppen aufgeteilt evaluiert das Komitee nun die verbliebenen Gesuche nochmals. Die Bandbreite ist gross: Von Kunstinstallationen über Tanzaufführungen bis zu Podcastproduktionen. Nicht alle stossen auf gleich viel Gefallen. Für Mele Mehmedovic eigentlich immer aus demselben Grund. |
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| | «Wer verschickt schon rote Couverts?» Mele Mehmedovic, Informatiker |
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| Der 37-jährige Informatiker sagt über sich selbst, sein kulturelles Engagement halte sich in Grenzen. Er hat nie gemalt oder musiziert. In der Mittelschule hatte er im Musikunterricht statt einer Note ein «Besucht». Vor der Geburt seines Sohnes war er aber oft auf Konzerten und seine grosse Leidenschaft ist Stand-up-Comedy. Auch wenn es um Filme geht, ist er ein «Narr». Als er den roten Brief erhielt, habe er zuerst gedacht, es sei Werbung. «Denn wer verschickt schon farbige Couverts?». Er habe sich dann aber aus Neugier angemeldet. Bereut habe er es nicht. «Hier mitzumachen war eine tolle Erfahrung und hat mir einen Einblick in ein mir unbekanntes Feld gegeben.» Bei der Auswahl der Projekte sei es ihm wichtig gewesen, dass sie eine Bereicherung für die Allgemeinheit seien. Er sei in Winterthur aufgewachsen und dennoch gebe es so viele Facetten, die er bisher nicht kenne, weil er nicht in deren Kreisen verkehre. «Projekte, die solche Nischen sichtbar machen, will ich fördern», sagt Mele. Er sei von der Vielfalt der eingereichten Projekte überrascht gewesen. Es habe aber auch solche darunter, bei denen es sich offensichtlich mehr um Selbstverwirklichung handele. |
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| Mele, Informatiker und Stand-up-Connaisseur. (Bild: Robyne Dubief) |
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| Nach dem Treffen im Sulzer-Hochhaus bekommt jedes Mitglied des Komitees nochmals etwa 26 Projekte zugewiesen und bewertet diese online. Dann kommt in diesem menschengetragenen Prozess ganz viel Mathematik zum Zug. Mit der sogenannten «Method of Equal Shares» wollen Mia und Noemi sicherstellen, dass auch Minderheitsmeinungen im Entscheidungsprozess ihren Platz finden. Ein komplexer Algorithmus, der von Josh Yang, einem Postdoc an der ETH entwickelt wurde, misst den individuellen Entscheidungen der Komiteemitglieder ein gewisses Gewicht zu, berechnet aus der Stärke der Präferenz sowie dem beantragten Geldbetrag. Auf dieser Grundlage wird für jedes eingereichte Projekt eine Gesamtsumme berechnet. Ist diese hoch genug, wird es automatisch angenommen. Anhand dieses Algorithmus werden bereits 22 Projekte mit einer Gesamtsumme von knapp 160’000 Franken definitiv gefördert. Über den Rest des Betrags entscheidet das Komitee am Entscheidungstag im Campo Neuhegi. Am vergangenen Samstag fanden sich die Mitglieder des Kulturkomitees zur definitiven Entscheidung im künftigen SKKG-Hauptsitz ein. In einem intensiven Prozess deliberieren sie in drei Gruppen über die verbliebenen 58 Projekte. Jede Gruppe hat noch ein Budget von knapp 74’000 Franken zu vergeben. Einige Stunden später sind alle Entscheidungen getroffen. Zu den 22 algorithmisch ausgewählten Projekten gesellen sich 16 weitere. Dann bekommt jedes Projekt einen «Götti» oder eine «Gotte», die eine Gratulationsbotschaft an die Einreichenden verfasst. Am 6. Mai trifft sich das Komitee mit den Initiat:innen der geförderten Projekte. Danach ist es Zeit für den Abschlussapéro des mehrmonatigen Prozesses. Seine Auswirkungen wird Winterthur aber noch eine Weile spüren. Denn von stiller Tanzdarbietung über Street-Art an einem alten Schornstein wird es in der Stadt bald viel neue Kultur zu entdecken geben. |
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| | | | Schüler:innen gestalten Albträume in Träume um 
Bis zum 7. April sind in verschiedenen Schaufenstern der Steinberggasse Kunstwerke aus Abfall zu sehen (Bild: Maria Wyler). Dabei handelt es sich um das Projekt Albtraumwelten, welches das Institut inArtes gemeinsam mit dem Schulhaus Gutschick realisierte. Es steht für die Transformation von Albträumen in Träume für die Zukunft. Dazu stellten sich die jungen Winterthurer:innen Themen wie Leistungsdruck und Zukunftsängsten – der Abfall symbolisiert, was zu viel ist. Ziel des Projektes sei es, dass junge Menschen lernen, Kreativität als Strategie im Umgang mit Herausforderungen zu nutzen, schreibt Andrea Grieder von inArtes. Zudem wolle man die Gesellschaft sensibilisieren und das Bewusstsein für psychische Gesundheit von jungen Menschen stärken. Die Werke sind an folgenden Standorten ausgestellt: |
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| | Schulbusse rollen weiter wie bisher: Im Rahmen von zwei Submissionsverfahren hat der Stadtrat die Aufträge für Schulbus- und Taxitransporte für Winterthurer Schüler:innen erneut an die beiden bisherigen Anbieter vergeben. Wie die Stadt mitteilt, bleibt der Schulbus bei EUROBUS Welti-Furrer. Taxitransporte zwischen Wohnort und Schule übernimmt weiterhin Taxi Schönenberger. Insgesamt seien vier Offerten eingegangen. Mann im Gästesektor angegriffen: Laut Medienmitteilung der Stadtpolizei wurde am Sonntag während des Meisterschaftsspiels zwischen dem FC Winterthur und dem FC Basel auf der Schützi ein 25-jähriger angegriffen und verletzt. Zum Angriff sei es während der zweiten Halbzeit im Gästesektor gekommen. Der Mann musste ins Spital gebracht werden, die Polizei ermittelt. Lernen und gügelen im Technorama: Ja, das geht beides zusammen. «Spätschicht» nennt sich der Anlass, an dem das Technorama auch zum Bar- und Clubbetrieb wird. Am 26. März ab 17 Uhr gehts los. Wer mit einem Drink in der Hand die neue Elektroshow schauen will, sichert sich das Ticket im Voraus. (tz) |
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| KUKKA Marken-Launch Am 28. März 2026 feiert die Kleidermarke KUKKA im Wintichind den Launch ihrer ersten Kinderkleider-Kollektion «Together we grow». Freu dich auf Kaffee, Weggli, ein Kreativ-Atelier für Kinder, 15 Prozent Launch-Rabatt, ein Glücksrad, ein Gewinnspiel und mehr. KUKKA ist ein Schweizer Slow-Fashion-Label aus Winterthur, gegründet von zwei kreativen Frauen mit dem Wunsch nach langlebiger, bequemer und fair produzierter Kinderkleidung. Made to grow. Made to care. |
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| Florian flicht flotte Verse |
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| Neue Schläuche für Winterthur |
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Viele Köche verderben den Brei, So mahnt uns bekanntlich die Weisheit. Gegen diese ergreife Partei, Wer liebt demokratische Freiheit
Drum machten wir zur Urne uns auf, Verliehen unserem Willen den Ausdruck, Den er braucht im politischen Lauf Sonst droht unsren Sitten der Abbruch.
Wir wählten den Stadtrat noch ohne Präsident, und fanden für Schulen die Pflege; Schliesslich braucht es ein Stadtparlament Für Winterthurs kommende Wege.
Wie es Winti in Zukunft ergeht, Darüber entschieden die Vielen. Welcher Wind in den Strassen bald weht? Auf Wandel, auf Stillstand nun zielen?
Wer nun denkt: "Gar zu gross dieses Wort, Es ändert sich höchstens ganz wenig!" Gegen diesen der Konter sofort: Doch besser als Gleiches auf ewig!
Ändert nicht das Aroma sich auch - man frage die Önolog:innen - Giesst man Wein in den neueren Schlauch? Wer nichts tut, der wird nichts gewinnen! |
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| | Florian Gosteli: studierte Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich und arbeitet heute als Kantonsschullehrer. Die vielen Stunden der Textanalyse haben ihn dabei nicht der Lust beraubt, sich nebenbei selbst als Verslischmied zu versuchen. |
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| | Mit diesen News aus der Stadt entlasse ich dich in den Tag. Ich übe mich jetzt in der Kunst, die getane Arbeit stehenzulassen und als gut genug zu befinden. Bis ganz bald, deine Maria |
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