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| Input vom Verlag :-) Anfang der Woche haben wir gejammert, dass uns noch 200 neue Mitglieder für die Finanzierung des zweiten Jahres von WNTI fehlen. Seither hat sich in unserem Entenpark einiges getan! Entli geschafft? Nö, leider nicht. Wir brauchen noch 129 neue Mitglieder, um unser Ziel zu erreichen. Damit können wir unseren Journalismus nachhaltig finanzieren und weiterhin für dich schreiben, recherchieren und verschicken. Ein kleiner Griff in dein Portemonnaie, ein grosser Beitrag zum Winterthurer Journalismus. Unterstütze uns mit deinem Beitrag. Und fülle gemeinsam mit uns unser Bild mit Entli. |
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| | Einen warmen guten Morgen! Manchmal muss man sich selbst helfen. Das haben sich auch zwei Gruppen von Anwohnenden im Inneren Lind gesagt, als die Stadt ihnen mitteilte, dass sie ihr Quartier nicht ans Fernwärmenetz anschliessen wird. Und: Was meint der Datenschutzbeauftragte der Stadt zur Microsoft KI in der Stadtverwaltung? |
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| An diesen Strassen entsteht schon bald der zweite Wärmeverbund im Inneren Lind (Bild: Viktoria Held) |
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| Ein Quartier gründet gleich zwei Wärmeverbunde |
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| Die Stadt will das Innere Lind nicht an das Fernwärmenetz anschliessen. Deshalb nehmen gleich zwei Gruppen von Anwohner:innen die energetische Zukunft ihres Quartiers in die eigenen Hände und gründen zwei Wärmeverbunde. von Sebastian Galli |
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| 2023 teilte die Stadt den Bewohnenden des Inneren Linds mit, dass sie nicht plant, deren Quartier ans Fernwärmenetz anzuschliessen, da es sich aufgrund der kleinen «Energiedichte» nicht lohne. Konkret heisst das: Im Inneren Lind wohnen vergleichsweise wenig Leute auf viel Boden, was bedeutet, dass mehr Anschlüsse gebaut werden müssten, im Vergleich zu grösseren Überbauungen. Es stehe aber vielerorts Grundwasser zur Verfügung, das mit individuellen Grundwasserpumpen zum Wärmen von Liegenschaften verwendet werden könne. Das nahmen sich zwei Gruppen von Anwohnenden zu Herzen und gründeten eigene Wärmeverbunde. |
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| | «Dem Grundwasser werden quasi ein paar Grad abgezwackt.» Reto Enderli |
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«Nach langer Wartezeit eine Absage zu erhalten, war schon frustrierend», sagt Reto Enderli. Zusammen mit zwölf anderen Eigentümer:innen gründete er im letzten November die Genossenschaft Wärmeverbund Inneres Lind Mitte Anergie, kurz Wilma. Sie ist das Resultat einer Probebohrung und einer Machbarkeitsstudie. Im Oktober will die Genossenschaft die ersten Rohre verlegen. Dafür braucht es aber zuerst noch eine Bewilligung der Stadt. Denn die Leitungen, welche die Genossenschaft durch das Gebiet zwischen St. Georgenstrasse und Museumstrasse ziehen will, kreuzen mehrere öffentliche Strassen. Wenn alles nach Plan verläuft, werden Enderli und seine Genossenschafter:innen 2027 zum ersten Mal mit Wärme aus dem Grundwasser heizen.
Das Wasser kommt aus 35 Meter Tiefe, mit einer Temperatur von 12 Grad. «Dem Grundwasser werden quasi ein paar Grad abgezwackt», sagt Enderli. Diese Grade erwärmen ein Kältemittel, das bei geringer Temperatur bereits verdampft. Der Dampf wird dann verdichtet, womit die Temperatur so weit ansteigt, dass sie zum Heizen ausreicht. Dabei befindet sich das Grundwasser in einem geschlossenen Kreislauf, um Verschmutzung zu verhindern. Daher ist es im Inneren Lind auch nicht zulässig, eine Erdsonde zu bohren. Sie wäre eine andere, individuell umsetzbare Heizlösung. Bei der Bohrung durch das Grundwasser kann eine Kontaminierung nicht ausgeschlossen werden. |
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| | «Holz verfeuern, um zu heizen, ist aus dem vorletzten Jahrhundert.» Bruno Sägesser |
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Etwas weiter ist der zweite Wärmeverbund des Quartiers, an der Trollstrasse. Dieser wechselt bereits diesen Sommer zur Grundwasserwärme. Auch er kam zustande, weil die Stadt darauf verzichtete, das Quartier ans städtische Netz anzuschliessen. Laut Bruno Sägesser, dessen Liegenschaft auch Teil des Wärmeverbundes ist, habe die Stadt als Alternative eine Pelletheizung vorgeschlagen. Diese Technologie sei aber nicht mehr zeitgemäss. «Holz verfeuern, um zu heizen, ist aus dem vorletzten Jahrhundert», sagt Sägesser. Zudem sei es auch finanziell nicht ratsam, längerfristig sei ein Wärmeverbund die kostengünstigere Option. Trotz der erheblichen Investition. Neben Sägessers Liegenschaft sind noch 16 weitere an den Verbund angeschlossen. Statt einer Genossenschaft haben die beteiligten Eigentümer:innen eine einfache Gesellschaft gegründet. Diese würden sie aber wieder auflösen. Eine Nutzungs- und Verwaltungsordnung regelt das Verhältnis in Zukunft. Darin sei auch eine Grunddienstbarkeit enthalten. Heisst: Sollte ein Mitglied des Wärmebundes seine Liegenschaft verkaufen, kann sich die neue Eigentümer:in nicht aus dem Wärmeverbund zurückziehen. Obwohl die Stadt das Quartier nicht ans Winterthurer Wärmenetz anschliessen wollte, sagt sie auf Anfrage, sie begrüsse die Eigeninitiative der Anwohnenden. Der Aufbau eines Wärmeverbundes sei anspruchsvoll, leiste aber auch einen wichtigen Teil zu den Klimazielen Wintethurs. Deshalb unterstütze die Stadt auch Hauseigentümer:innen finanziell dabei, ihre Liegenschaften energetisch zu sanieren. Auch die Wärmeverbunde von Enderli und Sägesser erhielten von der Stadt und dem Kanton Fördergelder. Laut Enderli seien die konkreten Kosten für die Genossenschafter:innen noch nicht klar. Eine erste grobe Kostenschätzung veranschlagt etwa 100’000 Franken pro Liegenschaft. Circa ein Fünftel davon tragen die Stadt und der Kanton. |
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| | | | Rekordjahr für die Datenschutzstelle Winterthur Wie das DWS in einer Medienmitteilung schreibt, hat es 2025 so viele Fälle wie noch nie zuvor bearbeitet. Mit 263 Geschäften sei das ein Anstieg von 170 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber auch in Zukunft wird es einige Baustellen geben. Spezieller benennt das DSW hier die bevorstehende Einführung von Microsoft 365 in der Stadtverwaltung. Funktionen wie automatisches Standort-Sharing und Microsofts KI «Copilot», die in allen Anwendungen fest integriert ist, sowie der Einfluss von amerikanischen Gesetzen würden erhebliche Risiken für die Vertraulichkeit der Daten der Stadtverwaltung bieten. «Angesichts der vorhersehbaren Schwierigkeiten bei der Nutzung von M365 sollen Alternativen geprüft werden», sagt der Datenschutzbeauftragte Tobias Naef. |
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| | Weitere Kurz-NewsMorgen öffnet der nächste Rossmann an der Römerstrasse 234: Mit 16 Mitarbeiter:innen und einem Sortiment von etwa 15'000 Artikeln. Laut Medienmitteilung gibt es eine Spendenaktion zur Eröffnung, bei der die Umsätze einer Kasse direkt an die Lebensmittel-Rettungsorganisation Tischlein deck dich gespendet werden. Kund:innen erhalten in der ersten Woche 15 Prozent Rabatt auf das Sortiment. Die Drogeriekette beschäftigt europaweit 67'700 Mitarbeitende und betreibt 5'209 Filialen. (vh) Stadtgrün bietet Freiwilligenprogramm für Hobbygärtner:innen an: Ast- und Steinhaufen anlegen, Wildhecken pflanzen und schneiden – das können Freiwillige künftig in kleinen Gruppen unter Anleitung von Mitarbeitenden von Stadtgrün tun. Dadurch soll die Stadt Winterthur grüner, naturnaher und vielfältiger gestaltet werden. Bei einem Schnuppereinsatz können die Freiwilligen prüfen, ob die Arbeiten ihren Erwartungen entsprechen. Ein genauer Termin ist noch nicht bekannt. (vh) |
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| 12. Saison von lauschig: mit Judith Hermann, Julia Weber, Lukas Bärfuss u.v.m. Die Open-Air-Reihe lauschig startet bereits am 13. Mai 2026 in die neue Saison. Diesen Sommer erwarten dich wieder über 20 Lesungen, Spaziergänge und Spoken-Word-Performances in den schönsten Gärten und Parks von Winti. Freue dich auf Bestsellerautor:innen wie Judith Hermann, Gabriele von Arnim und Lukas Bärfuss. Auch Buchpreisträgerin Dorothee Elmiger tritt auf und gleich drei prominente Frauen präsentieren ihre Debüts: Katja Früh (Regisseurin), Graziella Contratto (Dirigentin) und Julia Engelmann (Schauspielerin). |
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| Warum das mit der Wärme schon immer eine Fernbeziehung war
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| 1985 entsteht das Winterthurer Fernwärmenetz. Dabei wird auch der obere Graben aufgerissen. (Bild: Wolfgang Sträuli, Winbib) |
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| Warum das mit der Wärme schon immer eine Fernbeziehung war Das erste Fernwärmenetz der Geschichte ist bedeutend älter, als man denken würde. Warmes Wasser aus Thermalquellen nutzt die Menschheit schon, seit sie baden kann. Es waren allerdings mittelalterliche Französ:innen in Okzitanien, die sich diese Wärme zum ersten Mal systematisch zunutze machten. Mit Holzrohren und Schwerkraft bugsierten die Bewohner:innen von Chaudes-Aigues das über 80 Grad heisse Thermalwasser in ihre Häuser. Bis zur Erfindung des modernen Fernwärmenetzes ging es dann nochmals knapp ein halbes Jahrtausend. Dieses entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Lockport, New York. Die erste Fernwärmeanlage, deren Hitze spezifisch aus der Kehrichtverbrennungsanlage stammte, entstand 1903 in Frederiksberg in Dänemark. |
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| Bevor Winterthur den Abfall verbrannte, türmte er sich zu Bergen. Wie hier am «Stinkberg» in Riet (Bild: Urheber unbekannt, Winbib) |
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| In der Schweiz deponierte man den Müll damals primär noch auf grossen Halden, wie zum Beispiel auf dem «Stinkberg» in Riet. Das änderte sich 1904 mit dem Bau der KVA Zürich. Bis die dort entstehende Wärme Zürcher Häuser heizte, dauerte es aber nochmals gut zwanzig Jahre. So entstand die erste Fernwärmeanlage der Schweiz vor knapp 100 Jahren an der Josefstrasse in Zürich. Also etwa ein halbes Jahrhundert, bevor in Winterthur zum ersten Mal jemand seine kalten Zehen so wärmte. Nachdem die Mülldeponien der Stadt voll waren, verwandelte die Kehrichtverbrennungsanlage 1965 zum ersten Mal Abfall in Hitze und Rauch. Doch auch in Winterthur dauerte es nochmals knapp zwanzig Jahre, bevor die Stadt die Anlage ausbaute und um ein Heizwerk erweiterte. Die erste Fernwärmeleitung der Stadt lief zum Kantonsspital. Heute wärmt die Hitze der KVA Winterthur laut der Stadt 1700 Liegenschaften in der Stadt. |
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| | Falls du jetzt denkst, du könntest dir deine nächste Heizrechnung sparen, indem du in deinem Garten ein Loch buddelst, muss ich dich leider enttäuschen. Das Grundwasser im Inneren Lindt liegt in einer Tiefe von etwa 35 Metern. Für eine Erdsonde musst du sogar mehr als doppelt so viel Erde schaufeln. Heiss hättest du beim Versuch wohl trotzdem. Übrigens: Vielleicht ist dir heute das Kürzel (vh) aufgefallen. «V» steht für Viktoria und «H» für Held. Sie schnuppert diese Woche bei uns auf der Redaktion mal etwas Journalismus-Luft. Bis bald, Sebastian von WNTI |
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