Nach dem Essen putze ich gerne meine Federn. Ich sitze auf einer Mauer zwischen Kunsthaus und Schulhaus. Die Kinder spielen im Kies: «Piff, Paff, Puff, und du bisch duss!» kreischen sie. Ein Spiel, das die Stadt inzwischen perfektioniert hat: Verdrängung statt Vielfalt.
Piff. Paff. Puff.
Und wieder ist ein Lädeli duss.
Was passiert? Die Lädeli-Kultur wird aufgefressen von Grosskonzernen und Investoren, die jede Stadt gleich aussehen lassen. Hauptsache der Umsatz pro Quadratmeter stimmt.
Ich sehe sie vor dem Cinnamood Schlange stehen. Instagram hat entschieden, dass hier zuckersüsser Genuss stattfindet. Bis in drei Monaten ein neuer Trend auftaucht und eine austauschbare Ladenfläche zurücklässt.
Piff. Paff. Puff.
Und wieder ist ein Lädeli duss.
Zum alten Herrn Müller in der Marktgasse hat sich keine 200 Meter, wo bis anhin der Depot war, Frau Müller gesellt. Das Paar lebt nun seit einer Weile dort und es scheint ihnen gut zu gehen. Immerhin verkaufen sie Vogelfutter.
Längst wurde ihnen verziehen, dass sie den armen Franz Carl Weber geschlachtet und ausgenommen haben. War da was? Wo über 65 Jahre lang Holzspielsachen verkauft wurden, gibt’s heute Dinge, die nach drei Wochen kaputt sind. Billig genug, um sie ohne Gewissen zu ersetzen.
Apropos: Im ehemaligen «Franzki» (Cher Ami hab ihn seelig) ist nun ein Tally Weijl eingemietet. Immerhin ein Schweizer Unternehmen. Und immerhin sind sie der traditionellen Ladenfläche treu geblieben: Der Modeausstatter verkauft Kleidung an Frauen, die auch Kindern passen könnte.
Mein Federkleid ist inzwischen makellos. Ein paar der Müller-Körner liegen schwer im Magen. Ich entledige mich ihnen auf der Stadthausstrasse. Das, was zurückbleibt, sieht dem Zuckerguss auf einer Zimtschnecke schampar ähnlich.