|
| | Psst! Reden ist Silber, schweigen ist fatal. Vor allem dann, wenn Fehler passiert sind. Aber das scheint der Stadtrat anders zu sehen. Zumindest im Fall des im Oktober abrupt gestoppten IT-Teilprojekts. |
|
|
| |
| «Keine weiteren Auskünfte», heisst es aus dem Superblock. (Bild: Tizian Schöni) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Das grosse Schweigen um ein gescheitertes IT-Projekt |
|
| Vor einem halben Jahr beendete die Stadt ein IT-Projekt abrupt. Keine Zahlen, keine Namen, keine Gründe. Aber Verluste in Millionenhöhe. Wie konnte es dazu kommen? Wer ist verantwortlich? All diese Fragen hätte WNTI gerne geklärt. Doch ein Informationsgesuch dieser Redaktion liess die Stadt bis heute unbeantwortet. von Tizian Schöni |
|
| Das Projekt «WinRP» sollte ursprünglich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Bisher waren für die Bereiche Finanzen und Personal getrennte Softwares im Einsatz. Die Lösung für den Bereich Finanzen stammte aus den 90er-Jahren und wurde seither immer wieder mit Eigenentwicklungen ergänzt und mit anderen Systemen verbunden. Es entstand ein Flickenteppich, den die Verwaltung bald ablösen wollte. Im Bereich Personal war ein Ersatz noch dringender. Mittelfristig werde sie durch den Anbieter SAP nicht mehr unterstützt. Sie müsse «zwingend in den nächsten Jahren» abgelöst werden. So ist es im Stadtratsbeschluss zur Ausschreibung des Auftrags vom November 2021 zu lesen. |
|
|
| … fragte sich eine Leser:in und hinterliess uns vergangenen Freitag dieses Post-it. (Bild: WNTI) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Ein halbes Jahr später war ein Anbieter für beide Bereiche gefunden. Die OBT AG ist Vertriebspartner des ERP-Systems Abacus in der Schweiz und hatte die Software schon in mehreren Verwaltungen eingeführt. Zum Beispiel für den Kanton Thurgau, der seit drei Jahren Personaladministration, Zeiterfassung und Löhne für seine 4000 Angestellten mit Abacus abwickelt. Inklusive der externen Projektleitung und den Leistungen der verwaltungsinternen Informatikdienste (IDW) sprach der Stadtrat 7,1 Millionen Franken als gebundene Ausgaben. Am 6. September 2022 fand der Kick-off für das Projekt statt. 1,3 Millionen zusätzlich ‒ kurz vor AbbruchDanach war es ‒ zumindest nach aussen ‒ lange ruhig um «WinRP». Bis im Juli 2025, also rund ein halbes Jahr nach dem geplanten Go-Live für die Software, ein Stadtratsbeschluss über dringlich gebundene Ausgaben von 1,3 Millionen Franken auftauchte. Dass dieses Geld für das Teilprojekt Personal gesprochen wurde, geht aus der Rechnung 2025 hervor. Doch eine Begründung für diese massiven, zusätzlichen Kosten wurde aus dem öffentlichen Teil des Stadtratsbeschlusses entfernt. Aus ihm lässt sich nur herauslesen, dass die Mehrkosten «in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Projektverzögerung, die ausserhalb des Einflussbereichs der Stadt liegt» zusammenhängen würden. Insbesondere sei zu erwarten, dass jede weitere Verzögerung mit «erheblich höheren Zusatzkosten verbunden wäre». Drei Monate später gab die Stadt bekannt, das Teilprojekt Personal einstellen zu müssen. WNTI und weitere Medien berichteten. Doch es blieben viele Fragen offen. Was ist der finanzielle Schaden? Die Rechnungen der vergangenen Jahre geben dazu nur vage Informationen. Erst 2025 wurde das Teilprojekt Personal überhaupt separat in der Investitionsrechnung ausgewiesen. Der Gesamtkredit von 7,1 Millionen Franken ist zu 93 Prozent ausgeschöpft. Wer ist verantwortlich? Dazu äusserte sich der verantwortliche Stadtrat Michael Künzle (Mitte) bisher nur einmal am Rande einer Medienkonferenz: «Der Dienstleister hat aus unserer Sicht nicht das geleistet, was versprochen war.» Oder hat die Stadt verlangt, was die OBT AG nicht leisten konnte? Auch der Dienstleister gibt sich bedeckt. Die Firma hat einen externen Berater für die Medienkommunikation angestellt. Bisher waren über diesen nur Hintergrundgespräche möglich ‒ was dort mitgeteilt wurde, darf in diesem Text nicht verwendet werden. Weshalb musste das Projekt verspätet und trotz einer Zusatzfinanzierung abgebrochen werden? Auf Anfrage bei der Stadt hiess es dazu Anfang November: «Die Stadt Winterthur strebt eine partnerschaftliche Rückabwicklung mit der Softwareanbieterin an. Sie gibt zurzeit zur Einstellung des Teilprojekts keine weiteren Auskünfte.» |
|
|
| Ein einziges der angefragten Dokumente veröffentlichte die Stadt. Im Projektauftrag wurden sämtliche Namen geschwärzt. (Bild: WNTI) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Dabei ist grundsätzlich öffentlich, was die Verwaltung tut. So sieht es das Öffentlichkeitsprinzip des Kantons Zürich vor. Diese Redaktion stellte daraufhin ein Informationsgesuch und verlangte die Herausgabe von relevanten Dokumenten zum Geschäft, insbesondere den nicht öffentlichen Stadtratsbeschluss zum Projektabbruch, E-Mails und Protokolle von Sitzungen zwischen der OBT AG und der Stadtverwaltung. Drei Monate warten auf eine BeurteilungKeines dieser Dokumente hat WNTI bis heute erhalten. Erstinstanzlich wurde das Gesuch innert der gesetzlichen Frist von 30 Tagen behandelt und vom zuständigen Departement fast vollständig abgewiesen. Deshalb stellte WNTI ein Gesuch um Neubeurteilung beim gesamten Stadtrat. Auf diese Neubeurteilung wartet diese Redaktion nun wiederum seit drei Monaten. Immerhin ging aus der erstinstanzlichen Verfügung der Ansatz einer Begründung hervor, weshalb sich die Stadt bedeckt gibt: «Eine frühzeitige Bekanntgabe von Informationen zum Projekt WinRP könnte die wirtschaftlichen Interessen der Stadt beeinträchtigen, indem sie deren Verhandlungsposition schwächt oder Risiken für mögliche Rückforderungsansprüche erhöht.» Bereitet sich die Verwaltung jetzt also auf einen ‒ steuerfinanzierten ‒ Rechtsstreit mit der OBT AG vor? Interessiert hätte das die Stimmbevölkerung sicherlich bereits vor den Wahlen. |
|
| | | | Ab 23. April in den Kiwi Kinos: «Michael» bringt den «King of Pop» auf die Leinwand. Michael Jackson wird in diesem Film von seinem Neffen Jaafar Jackson gespielt. Produziert von Graham King, dem Produzenten von «Bohemian Rhapsody». |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
| Kann mit 16 Jahren Exekutiverfahrung auftrumpfen: Nicolas Galladé. (Bild: Kiino Schoch) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Zürcher Regierungsrat: Wer geht, wer bleibt, wer will? |
|
| Im Zürcher Regierungsrat gibt es 2027 diverse Änderungen. Vier Winterthurer:innen bringen sich für die Wahlen in Stellung. von Simon Jacoby |
|
| Drei Winterthurer:innen sind aktuell im Regierungsrat vertreten. Aber nur Natalie Rickli (SVP) und Martin Neukom (Grüne) wollen bleiben. Die 49-jährige Gesundheitsdirektorin ist eine profilierte Figur der Zürcher Politik. Sie holte bei den letzten Wahlen das zweitbeste Resultat. Und der 39-jährige Baudirektor hat offiziell bestätigt, dass er 2027 erneut antreten will. Er betont, dass seine Mission in Sachen Klimaschutz und Energiewende noch lange nicht erledigt sei. Jacqueline Fehr (SP) hingegen tritt nach 12 Jahren ab. Sie begründet ihren Rückzug mit dem Wunsch, mit 64 Jahren nochmals etwas Neues beginnen zu wollen. Fehr prägte den Kanton seit 2015 massgeblich und hinterlässt für die SP eine grosse Lücke. In ihre Bresche könnte wieder ein Winterthurer füllen. Nicolas Galladé (SP) ist ein echtes politisches Urgestein und sitzt bereits seit 16 Jahren im Stadtrat. Als langjähriger Sozialvorsteher verfügt der 50-Jährige über die nötige Exekutiverfahrung, die vielen anderen Kandidierenden fehlt. Erst kürzlich wurde er mit einem guten Resultat in seinem Amt bestätigt, doch nun strebt er den Sprung in den Regierungsrat an. Seine Partei wird im Juli zwei Kandidat:innen nominieren. Stadtparlamentarierin Nora Ernst hingegen könnte für die GLP einen ersten Sitz im Regierungsrat zu sichern. Die Umweltwissenschafterin (39) und kantonale Co-Präsidentin der Grünliberalen übernimmt damit die schwierige Aufgabe, ihre Partei in die Exekutive zu führen, nachdem bekanntere Gesichter wie Ständerätin Tiana Moser abgesagt hatten. Sie setzt auf Nachhaltigkeit und Innovation, muss sich aber gegen den hohen Bekanntheitsgrad der etablierten Regierungsrät:innen durchsetzen. |
|
| | | | Kindergarten Emil-Klöti kriegt neue HeizungMehrmals schon sei die 26 Jahre alte Gasheizung im Kindergarten in Töss ausgefallen, zuletzt im November. Nun hat der Stadtrat 550’000 Franken als gebundene Ausgaben gesprochen, um die energetische Sanierung am Kindergarten Emil-Klöti und drei weiteren Schulstandorten (Stadel, Reutlingen und Breite) zu planen. So geht es aus dem Protokollauszug der Stadtratssitzung von letzter Woche hervor. Ursprünglich hätte die Planung erst 2027 starten sollen, mit dem Heizungsausfall sei der Ersatz «äusserst dringlich» geworden. Diesen Herbst soll die Projektierung starten, der Baustart sei 2029 geplant. |
|
| | Drei Finalisten für KMU-Max: Die Kaffeerösterei Küng, der Campingausstatter Selzam AG oder das Restaurant Obergass werden sich in diesem Jahr den Preis des KMU-Verbands Winterthur holen. Als drei von sieben Unternehmen wurden sie über ein öffentliches Online-Voting ausgewählt. Am 20. Mai küren geladene Gäste die Sieger-Firma im Casinotheater. Gestern noch nominiert, heute gewonnen: Im Wintibrief vom Donnerstag porträtierten wir Judith Maag, die den familieneigenen Recyclingbetrieb seit zehn Jahren führt. Gestern wurde bekannt, dass die Maag Recycling AG den This-Priis gewinnt. Der vom Kanton verliehene Preis würdigt Unternehmen, die sich besonders in der Arbeitsintegration engagieren. Die Firma wurde aus 90 nominierten Betrieben ausgewählt. HC Rychenberg im Superfinal: Erstmals in der Vereinsgeschichte kämpft der Unihockey-Club im Superfinal um den Schweizermeister-Titel. Am Mittwochabend gewann er gegen den 13-fachen Rekordmeister Wiler-Ersigen im Penaltyschiessen und schloss die Serie mit 4:1 ab. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Die Stadttaube über Konsum-Konzepte im Stadtpark
Kolumne von der Stadttaube |
|
| Grüne Wiese für Konsum-Konzepte |
|
| Der Stadtgarten sieht anders aus. Ich sitze auf einer der Gitterstangen, die das grüne Wohnzimmer von Winterthur einzäunen. Seit jeher beobachte ich Menschen, die an warmen Tagen hierher pilgern, um zu lesen, zu verweilen und einfach da zu sein. Was hinter dem Zaun entsteht, bricht mit dieser Tradition. Absichtlich. In einer liegengelassenen Ausgabe des Tages-Anzeigers – äxgüsi, des Landboten – lese ich über das neue Stadtgarten-Konzept. Was ich auf den knittrigen Seiten der Zeitung von gestern sehe, sträubt mir alle Federn. Stadtrat Stefan Fritschi zeichnet darin ein Bild von Innovation, Nachhaltigkeit – und Konsum. Die Sägemehl-Arena und die Grünfläche zwischen Merkurplatz und Barockhäuschen sollen neu als «Kulturfläche» dienen. Diese steht an 165 Tagen im Jahr zur Miete. Wer dort Kultur machen darf, liegt im Ermessen einer Bewilligungsinstanz. Hauptsache, es klingt gut und wirft Ertrag ab. Sicher ist, so Fritschi, «Der Stadtgarten ist kein Ort für Halli-Galli-Parties.» |
|
|
| Im Herbst 2026 soll der Stadtgarten fertig saniert sein. (Visualisierung: Tom Schmid / Stadt Winterthur) |
|
| Dazu gesellt sich auf der Schulhaus-Seite beim Baumplatz eine «Buvette mit vorgelagertem Strassencafé». Diese sorgt, so steht es im Nutzungskonzept, für ein «charmantes Gastroangebot» mit «regionaler Verankerung». Wer das bestellt hat, bleibt genauso offen wie die Frage, was Stefan Fritschi unter Halli-Galli versteht. Auf den Zwanzigtausend Quadratmetern des Stadtgartens war Verweilen nie das Ergebnis einer finanziellen Transaktion. Es war stets ein Ort, an dem man einfach sein konnte: ohne Eintrittspreis, ohne Konsumzwang, ohne regionale Alpenkräutertees für acht Franken fünfzig. Aber das scheint nicht weiter akzeptabel zu sein. Ist es denn menschenmöglich, ein paar Quadratmeter Rasenfläche für einmal nicht zu monetarisieren? Scheinbar nicht. Mit der Kulturfläche zum Mieten auf der einen und der Buvette mit Gastroangebot auf der anderen Seite fällt eine der letzten kommerzfreien Bastionen Winterthurs. Das ist Halli-Galli. |
|
| | Ob gurrend auf den Vordächern, im Brunnen vor dem Stadthaus badend oder Bretzel-Brösmeli-pickend am Bahnhof: Die Stadttaube ist überall dort, wo du bist. Und schnappt Schnipsel aus dem Stadtgemurmel auf. Hier teilt unsere Federfreundin ihre Gedanken dazu. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | | So, jetzt aber genug von mir! Ab nächster Woche sind Gioia und Marit zurück aus den Ferien und ich kann mich wieder zurücklehnen. Ein schönes Wochenende! Tizian |
|
| |
|
|
|
| |
|