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Guten Morgen Winti!
«Puh, das ist viel Geld.» Das war mein erster Gedanke, als ich wieder einmal durch Wohnungsinserate gescrollt habe. Und damit bin ich wohl nicht allein. Gerade für junge Menschen wirkt der Traum von der ersten eigenen Wohnung oft wie ein Luxus. Wie soll man sich das leisten – mitten in der Ausbildung oder ohne festes Einkommen? Giada hatte keine Wahl. Noch vor ihrem 18. Geburtstag musste sie ausziehen und sah sich plötzlich mit einem Wohnungsmarkt konfrontiert, der wenig Platz für junge Menschen lässt.
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| Die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung ist für viele herausfordernd. (Bild: Marit Langschwager) |
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Jung, auf Wohnungssuche – und ohne Chance? |
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Für viele junge Menschen ist der Weg zur eigenen Wohnung alles andere als einfach. Wer in Winterthur eine bezahlbare Bleibe sucht, braucht Zeit und oft Unterstützung. von Marit Langschwager |
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In die eigenen vier Wände einzuziehen, markiert den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Für Giada wurde dieser Schritt jedoch zur Herausforderung. «Ich war noch nicht volljährig und habe nicht gearbeitet. Das hat vieles komplizierter gemacht», sagt die heute 20-Jährige. Sie war mitten in ihrer Ausbildung und dringend auf eine Wohnung angewiesen. Die Suche erwies sich als schwierig. «Ich habe mich auf vieles beworben, aber es hat fast nie geklappt.» Die Angebote lagen oft am Limit ihres Budgets. «Die WG-Zimmer waren zwischen 500 und 600 Franken. Das war schon viel für mich.» Für sie sei die Situation damals sehr belastend gewesen: «Man ist in solchen Momenten ziemlich auf sich allein gestellt.» Heute lebt Giada in einer WG in Oberwinterthur und besucht die Fachmittelschule. Erst mithilfe des Vereins Dachlade konnte sie letztlich ein bezahlbares Zimmer finden. |
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| «Grundsätzlich haben wir immer mehr Anfragen als Angebote – und das hat sich in den letzten Jahren noch verschärft.» Lisa Zurbuchen, Geschäftsleiterin Dachlade |
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Wer in Winterthur eine Wohnung sucht, braucht Geduld und Glück. Im Juni 2025 standen zwar 104 Wohnungen leer, 21 mehr als im Vorjahr. Doch die Lage bleibt angespannt. Die Zahlen zeigen eine leichte Entspannung, im Alltag kommt diese jedoch kaum an. Das bestätigt auch das städtische Wohnmonitoring: Winterthur zieht weiterhin viele Junge an, gleichzeitig wächst die Bevölkerung – und damit der Druck auf den Wohnungsmarkt. Eine repräsentative Umfrage von Comparis zeigt zudem, dass rund 65 Prozent der 18- bis 35-Jährigen die Wohnungsnot deutlich spüren. Mit einer neuen Wohnstrategie will die Stadt nun neuen Wohnraum schaffen und das Angebot an günstigen Wohnungen verbessern. Mehr als ein Dach über dem Kopf
Die Folgen der Wohnungsnot treffen vor allem jene, die ohnehin wenig Spielraum haben. Viele junge Menschen seien auf Unterstützung angewiesen, sagt Zurbuchen – etwa weil sie alleine in der Schweiz sind oder sich den freien Markt nicht leisten können. Für Geflüchtete sei die Situation oft noch prekärer: Sie fänden «sonst fast nirgends eine Unterkunft». Dabei gehe es um mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Eine stabile Wohnsituation sei gerade in der Ausbildung zentral für den Alltag junger Menschen. «Eine gute Wohnsituation ist entscheidend, damit man eine Ausbildung erfolgreich abschliessen kann», betont die 62-Jährige. Unsichere oder belastende Wohnverhältnisse könnten sich direkt auf Leistung und Zukunftschancen auswirken. |
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Lisa Zurbuchen arbeitet seit rund 20 Jahren beim Dachlade. (Bild: Dachlade) |
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Hinzu kommen strukturelle Hürden. Der Verein ist auf ein bestimmtes Preissegment angewiesen und sieht sich gleichzeitig mit Vorbehalten konfrontiert. Manche Vermieter:innen hätten nach wie vor Skepsis gegenüber jungen Menschen, berichtet Zurbuchen. Diese könne sie aus ihrer Erfahrung jedoch nicht bestätigen: «Probleme gibt es überall – das hat nichts mit dem Alter zu tun». Gleichzeitig werde es immer schwieriger, neue Wohnungen zu finden – häufig stehe man mit Dutzenden anderen Interessenten an. Neben der laufenden Suche nach Wohnungen prüft Dachlade auch Übergangslösungen. Auch befristete Objekte vor einer Sanierung oder einem Abriss könnten helfen. Langfristig brauche es ihrer Meinung nach jedoch ein Umdenken. «Junge Erwachsene sind eine eigene Gruppe, die in der Wohnpolitik zu wenig mitgedacht wird.»
Für Giada beginnt die Suche nun von vorne: Nach Abschluss ihrer Ausbildung muss sie das WG-Zimmer verlassen und innert kurzer Zeit eine neue Bleibe finden – ein Schritt, der kaum realistisch ist, wie Lisa Zurbuchen sagt. Denn bezahlbarer Wohnraum bleibt rar. Eigentlich würde sich Giada nun gerne eine Pause gönnen, doch die Wohnungssuche lässt ihr keinen Spielraum. «Das hängt alles zusammen: Ausbildung, Geld und Wohnung.» |
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Mehrere Hundert Personen nahmen an dem Umzug in Winterthur teil. Die Demonstration verlief mehrheitlich problemlos und friedlich. von Sebastian Galli |
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Auch die Häuservernetzung Winterthur war an der Demo präsent. Sie kämpft zurzeit um den Erhalt des besetzten Hauses «Gisi». (Bild: Sebastian Galli) |
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Am vergangenen Freitag war Tag der Arbeit. Um 10:30 Uhr versammelten sich die Demo-Teilnehmer:innen auf dem Neumarkt. Auch dieses Jahr fiel auf, dass der gewerkschaftliche Teil von Unia und SP bedeutend kleiner war als der revolutionäre Block. Die von der Polizei bewilligte Demo-Route war dieses Jahr ebenfalls wieder kleiner. Zum zweiten Mal in Folge führte sie nicht über die Technikumstrasse und den Hauptbahnhof, wie es in den Jahren zuvor der Fall war. Die Polizei nannte als Grund dafür die Verhältnismässigkeit. Das Grundrecht müsse respektiert werden, die Polizei könne aber auch gewisse Einschränkungen aussprechen. Der Demo-Umzug am 1. Mai stelle durch seine Grösse eine erhebliche Behinderung des öffentlichen sowie privaten Verkehrs dar. Zudem sei die Technikumstrasse eine wichtige Achse für die Rettungsdienste der Stadt. |
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Die Stimmung der etwa 500 Menschen auf dem Neumarkt war trotz der verkürzten Route gut. Nach einer Rede des antikapitalistischen Bündnisses setzte sich die Demonstration in Richtung Stadthausstrasse in Bewegung. Richtung Bahnhof hatte die Polizei die Strasse abgesperrt und stand mit Gitterwagen und Gummischrot bereit. Diese kamen aber nicht zum Einsatz. Wie die Polizei im Nachgang in einer Medienmitteilung schrieb, blieb die Demonstration friedlich. Auch Sachbeschädigungen gab es keine. |
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Die Demo verlief friedlich. Andernfalls wäre die Polizei vorbereitet gewesen. (Bild: Sebastian Galli) |
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Auf der Stadthausstrasse lief der Umzug Richtung Obergasse. Während aus den Lautsprechern des gewerkschaftlichen Teils eine Rede gegen die «Chaos-Initiative» der SVP erklang, skandierte der revolutionäre Teil des Umzugs lautstark Parolen und zündete Pyrotechnik. |
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«Siamo tutti antifascisti» und weitere Parolen hallten durch die Strassen. (Bild: Sebastian Galli) |
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An der Kreuzung zum Oberen Graben geschah dann etwas Unerwartetes. Während die Unia und SP bereits abgebogen waren, schallte aus den Lautsprechern des revolutionären Blocks eine Durchsage. «Wir ziehen weiter zur Gisi! Die Strassen gehören uns!» Sie würden die verkürzte Demo-Route nicht einfach so hinnehmen. Das besetzte Haus sei ein wichtiges Wahrzeichen im Kampf gegen die Aufwertung der Stadt. So spaltete sich die Demo in zwei Teile. Wie der Landbote schrieb, habe das 1. Mai-Komitee Verständnis für die Aktion. Die Polizei griff nicht ein, sperrte aber die betroffenen Strassen, bis die Demo vorbeigezogen war. |
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Der Demozug machte vor der «Gisi» halt. (Bild: Sebastian Galli) |
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Vor der «Gisi» hielt die Häuservernetzung eine Rede gegen die Wohnpolitik der Stadt, die SKKG – die Eigentümerin des besetzten Hauses – und auch die SP, da die Partei die Aufwertung des Campingplatzes Schützenweiher unterstützt. «Sie setzt sich so einmal mehr gegen die ein, die nichts haben», kam es aus den Lautsprechern. |
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Von der «Gisi» zieht die Demo weiter zur Technikumstrasse. (Bild: Sebastian Galli) |
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Der revolutionäre Teil der Demonstration traf auf die Mitglieder ebendieser Partei an der Kreuzung vor der alten Kaserne wieder, wo sich die beiden Demo-Züge vereinten. Dort kam es zur abschliessenden Aktion, bevor der Umzug dann in der Reithalle endete. Ein mit Karton verkleideter Einkaufswagen wurde in die Mitte geschoben. Er war im Stil einer Häuserfassade bemalt. «Hier könnt ihr jetzt alles hinsprayen, was an diesem System schlecht ist», erklang die Aufforderung aus den Lautsprechern. |
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Gross oder klein, revolutionär oder sozialdemokratisch, alle hatten etwas zu schreiben. (Bild: Sebastian Galli) |
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Diesem Aufruf folgten zahlreiche Demonstrierende aus beiden Gruppen. Mit Filzstiften und Spraydosen füllten sie die Kartonwand. Nachdem der Wagen so positioniert worden war, dass er nicht unter den Leitungen für die Busse stand, kam nochmals eine Ansage. «Achtung, jetzt chlöpfts schnell». Danach wurde die Lunte gezündet. Es knallte dreimal und der Karton begann zu brennen. Aus den Flammen erschien ein roter Stern. Danach ging die Demo weiter zu den Reithallen, wo sie mit einer Hüpfburg und Bratwurst endete. |
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«Die kapitalistische Ordnung muss zerstört werden, damit es eine bessere Zukunft geben kann.» (Bild: Sebastian Galli) |
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| | Der FCW muss nun liefern
Dank des Siegs von Servette am Sonntag gegen GC bleibt dem FC Winterthur der Abstieg an diesem Wochenende vorerst erspart. Um den Klassenerhalt zu sichern, müssen die Winterthurer nun jedoch die nächsten drei Spiele gewinnen. Am Samstag beendete der FC Winterthur zwar seine Niederlagenserie, doch das 2:2 gegen den FC Zürich ist im Abstiegskampf nur ein Teilerfolg. Trotz mehrerer Chancen reichte es lediglich zu einem Unentschieden. |
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| | Weitere Kurz-NewsÜber 500 Gramm Kokain sichergestellt: Die Stadtpolizei hat am Donnerstag einen 70-jährigen Mann festgenommen und dabei über 500 Gramm Kokain sichergestellt. Der Mann wurde im Rahmen von Ermittlungen kontrolliert. Bei der Durchsuchung fanden die Einsatzkräfte die Drogen, woraufhin der Mann verhaftet wurde. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eingeleitet. Die weiteren Abklärungen zum Fall dauern an.
Das «Bluemä Hüsli» muss schliessen: Der Hofladen «Bluemä Hüsli» in Wiesendangen muss aufgeben, wie der Landbote schreibt. Grund seien strengere gesetzliche Vorgaben, die den Betrieb zunehmend erschwert haben. Für die Betreiber würde sich der Aufwand nicht mehr lohnen. Der Selbstbedienungsladen bot regionale Produkte direkt ab Hof an und war bei der Kundschaft beliebt. Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen hätten sich so verändert, dass ein wirtschaftlicher Betrieb kaum mehr möglich sei. Wann der Hofladen endgültig schliesst, ist noch offen.
Gastrobetrieb ohne Bewilligung geschlossen: Am Samstagabend hat die Stadtpolizei einen Gastrobetrieb geschlossen. Bei einer Kontrolle kurz vor 21 Uhr stellten die Einsatzkräfte fest, dass kein gültiges Patent nach kantonalem Gastgewerbegesetz vorlag. Der Betrieb wurde daraufhin geschlossen. Der 26-jährige Betreiber wurde nun angezeigt. |
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Krise im Ersten Weltkrieg prägt Stadtentwicklung
 | Krise im Ersten Weltkrieg prägt Stadtentwicklung
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war Wohnungsnot in Winterthur immer wieder ein Thema. Besonders stark zeigte sie sich während und nach dem Ersten Weltkrieg, als der private Wohnungsbau wegen steigender Preise und unsicherer Zukunft stark zurückging. Die Stadt reagierte zunächst, indem sie Vorschriften lockerte, um mehr Dachwohnungen zu ermöglichen. Da dies nicht ausreichte, wurden während des Krieges zusätzliche Notunterkünfte eingerichtet – etwa in der Kaserne, in einer ehemaligen Druckerei oder im Mädchenschulhaus am Kirchplatz. 1918 kamen weitere Notwohnungen in Form von Holzbaracken am Oberen Deutweg und im Vogelsang hinzu, die teils noch lange genutzt wurden. Erst in den 1930er-Jahren entspannte sich die Lage. Dies lag zum einen daran, dass zwischen 1924 und 1932 rund 800 neue Wohnungen gebaut wurden, zum anderen aber auch an der Weltwirtschaftskrise, durch die Arbeitsplätze verloren gingen und die Nachfrage nach Wohnraum sank. |
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| Notwohnungen im Kirchplatzschulhaus im Jahr 1917. (Bild: bildarchiv.winterthur.ch) |
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Noch ist nichts verloren. Manchmal braucht es wohl auch eine Portion Glück… Hoffentlich landet diese Woche auch bei dir ein kleines Stück davon. Herzlichst Marit |
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