|
| | … Auf geht’s in die neue Woche!
Die Sonne scheint, die Cafés sind voll und der Sommer ist in der Winti angekommen. Gleichzeitig gibt es Themen, die sich weniger offensichtlich zeigen. Hinter den Kulissen von Politik und Suchthilfe wird über eine Entwicklung diskutiert, die viele Städte beschäftigt – darunter zunehmend auch Winterthur. |
|
|
| |
| Sucht kann sich ganz unterschiedlich zeigen. (Bild: Marit Langschwager) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Kokain und Crack gewinnen an Bedeutung – «Es gibt keine Wunderlösung» |
|
| Was in Zürich seit Monaten für politische Debatten sorgt, beschäftigt zunehmend auch die Winterthurer Anlaufstelle DAS: Die Drogenszene verändert sich. von Marit Langschwager |
|
| Im Schatten der Bäume sitzen mehrere Menschen auf Bänken vor der Anlaufstelle DAS in der Zeughausstrasse. Eine Gruppe unterhält sich angeregt, irgendwo klackern Spielkarten auf einen Tisch. Vor dem Eingang bleiben immer wieder Besucher:innen stehen, begrüssen sich, tauschen ein paar Worte aus. «Hoi, wie gaht's?», ruft ein Mann einer blonden Frau zu, die gerade das Gelände betritt. Sie lächelt kurz und geht weiter. Wer hier vorbeikommt, würde kaum vermuten, dass sich hinter vielen Begegnungen komplexe Lebensgeschichten verbergen. Doch hinter dieser Normalität beobachten die Mitarbeitenden der Anlaufstelle seit einiger Zeit eine Veränderung: «Die Bedeutung von Kokain ist definitiv gestiegen», sagt der Leiter Dominik Schwarzer. Die Beobachtung decke sich mit Entwicklungen in der ganzen Schweiz und darüber hinaus. |
|
| | «Die alltägliche Kommunikation ist definitiv schwieriger und unruhiger geworden.» Dominik Schwarzer, Leiter Anlaufstelle DAS |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Vor allem Crack würde die Arbeit der Suchthilfe verändern. Die Substanz werde vermehrt mit einer Pfeife konsumiert: «Die Wirkung von Crack ist relativ kurz. Man hat viel schneller das Verlangen zum Konsumieren», sagt Schwarzer. Die Folgen seien im Alltag deutlich spürbar: «Die alltägliche Kommunikation ist definitiv schwieriger und unruhiger geworden, weil der Suchtdruck bei den Betroffenen relativ hoch ist.» Die Anlaufstelle stehe im regelmässigen Austausch mit Suchthilfeeinrichtungen in der ganzen Schweiz. Auch andere Städte registrieren ähnliche Veränderungen. «Da hat man schon gemerkt, dass sich die Situation in den letzten zwei Jahren ziemlich zugespitzt hat», sagt Schwarzer.
Auch der Stadtrat beschreibt in der Antwort zu einer schriftlichen Anfrage aus dem Parlament, dass sich die Lage verändert hat. Dabei verweist die Stadt auf gesundheitliche und soziale Folgen des Crack-Konsums und prüft, wie die Suchthilfe auf künftige Entwicklungen reagieren soll. Nach Einschätzung von Polizei, Prävention und Suchthilfe konzentriert sich der Drogenkonsum vor allem auf das Umfeld der Anlaufstelle sowie auf die Bereiche Merkurplatz und Stadtgarten. Wie viele Menschen in Winterthur tatsächlich Crack konsumieren, weiss die Stadt allerdings nicht. Erfasst werden lediglich Personen, die Angebote der DAS oder der integrierten Suchthilfe nutzen – etwa im Heroin- oder Methadonprogramm. Eine Gesamtzahl der Konsumierenden werde nicht erfasst. |
|
|
| Dominik Schwarzer kennt die Besucher:innen der Anlaufstelle häufig sehr gut. (Bild: Marit Langschwager) |
|
| Die Wahrnehmung im öffentlichen Raum fällt dennoch unterschiedlich aus. Eine Winterthurerin, die regelmässig mit ihrem Mann am Gebiet rund um die Anlaufstelle vorbeifährt, hat den Eindruck, dass sich die Situation in den vergangenen Monaten verändert hat. Sie beobachte häufiger Polizeikontrollen und habe das Gefühl, dass sich mehr Personen ausserhalb des Areals aufhielten als früher. Die Beobachtungen sind subjektiv und erlauben keine Aussagen über das tatsächliche Ausmass der Entwicklung. Sie zeigen jedoch, dass die Situation von Anwohner:innen und Passant:innen aufmerksam verfolgt wird. Doch Schwarzer warnt vor direkten Vergleichen mit anderen Städten. «Man kann Winterthur nicht mit Zürich oder Genf vergleichen. Das Grundproblem vom Kokain besteht in jeder Stadt. Aber innerhalb davon gibt es doch sehr unterschiedliche Problemstellungen.» Während grössere Städte mit anderen Dimensionen und einer stärkeren Konzentration der Szene konfrontiert seien, zeigten sich die Herausforderungen in Winterthur anders. |
|
|
| Der Innenbereich der Anlaufstelle DAS. (Bild: Anlaufstelle DAS) |
|
| Laut Schwarzer besuchen täglich durchschnittlich rund 110 Personen die Anlaufstelle. Über das Jahr hinweg werden mehrere Hundert Menschen aus Winterthur und den Bezirksgemeinden begleitet. Dabei gehe es längst nicht nur um Drogenkonsum. Viele Betroffene würden gleichzeitig mit psychischen Erkrankungen kämpfen, sozialer Ausgrenzung, Einsamkeit oder Wohnungsproblemen. Gleichzeitig setzt die Einrichtung auf klare Zuständigkeiten, so Schwarzer. Die längerfristige Betreuung richtet sich an Personen aus Winterthur und den Bezirksgemeinden. Menschen aus anderen Regionen würden zwar Hilfe in Notsituationen erhalten oder eine medizinische Erstversorgung, werden aber grundsätzlich nicht dauerhaft betreut.
Damit berührt die Diskussion eine Frage, die derzeit den ganzen Kanton beschäftigt: Wer trägt künftig welche Verantwortung in der Suchthilfe? Im Austausch mit der Stadt Zürich werde unter anderem diskutiert, wie die Versorgung von Menschen mit Suchterkrankungen langfristig organisiert werden soll. Winterthurs Sozialvorsteher Nicolas Galladé spricht dabei die Bedeutung einer kantonal abgestimmten Lösung an. |
|
| Dabei verweist Galladé auf die dezentrale Drogenhilfe, die in den 1990er-Jahren aufgebaut wurde. Damals entstanden im ganzen Kanton Angebote, um eine Konzentration der Szene an einzelnen Orten zu verhindern. Dieses Modell sei eine Erfolgsgeschichte gewesen. Mit dem Aufkommen neuer Suchtformen werde jedoch erneut sichtbar, dass die bestehenden Strukturen überprüft werden müssten. Aus Sicht des Sozialvorstehers müssen Gemeinden und Kanton gemeinsam klären, welche Angebote langfristig notwendig sind, um eine dezentrale Versorgung sicherzustellen. Winterthur sei bereit, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen.
Der Austausch läuft bereits. Nach Angaben Galladés steht Winterthur sowohl auf operativer als auch auf politischer Ebene in engem Kontakt mit der Stadt Zürich. Diskutiert wird die Entwicklung nicht nur bilateral, sondern auch in kantonalen Gremien wie der Sozialkonferenz. Wie Winterthur künftig reagieren soll, ist noch offen. Der Stadtrat prüft derzeit verschiedene Optionen zur Weiterentwicklung der Suchthilfe. Dazu gehört ausdrücklich auch die Frage, ob zusätzliche Angebote wie ein Konsumraum oder andere Formen der Schadensminderung sinnvoll wären. Ein Entscheid steht noch aus. |
|
| | «Der Konsum findet statt, solange Substanzen verfügbar sind.» Dominik Schwarzer, Leiter Anlaufstelle DAS |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Auch die Fachstellen verfolgen diese Diskussion aufmerksam. «Es gibt keine Wunderlösung. Sonst hätten wir nicht europaweit das Problem», sagt Schwarzer. «Man muss sich alle Optionen offenhalten und viele Möglichkeiten prüfen.» Dazu gehören auch neue Modelle, die in anderen Städten getestet werden. So sollen unter anderem in Genf Schwerstabhängige Kokain unter ärztlicher Aufsicht erhalten. Grundsätzlich hält Schwarzer kontrollierte Angebote für prüfenswert. «Der Konsum findet statt, solange Substanzen verfügbar sind. Wenn wir das wieder in gewisse geregelte Bahnen oder zumindest in den kontrollierten Konsum hineinbringen, ist das sicher eine zielführende Massnahme.» Einig sind sich Stadt und Suchthilfe darin, dass Kokain und Crack an Bedeutung gewinnen. Wie die bestehenden Angebote auf diese Entwicklung reagieren sollen, ist derzeit Gegenstand politischer und fachlicher Diskussionen. Vor dem Gebäude leert jemand seinen Kaffeebecher, eine Frau verabschiedet sich von einem Mitarbeiter, die Tür öffnet sich erneut. Wer hier nur kurz vorbeigeht, wird wenig Auffälliges bemerken. Doch genau hinter dieser Alltäglichkeit stehen die Fragen, mit denen sich Suchthilfe, Behörden und Politik derzeit auseinandersetzen. |
|
| | | | Stadtrat wehrt sich gegen Streichung zentraler Verkehrsprojekte
Der Winterthurer Stadtrat kritisiert die bundesrätliche Planung «Verkehr ’45» scharf. Darin fehlen laut Stadtrat drei zentrale Infrastrukturvorhaben für die Stadt: der sechsspurige Ausbau der A1 im Raum Töss, die neue Bahnhaltestelle Grüze Nord sowie der Ausbau des Bahnhofs Oberwinterthur. Die Stadt spricht von einer «fatalen Fehleinschätzung» und will sich mit dem Kanton Zürich für die Wiederaufnahme der Projekte einsetzen. Ganz überraschend kommt der Entscheid jedoch nicht: Ein ETH-Gutachten stufte die Winterthurer Projekte im Oktober letzten Jahres als wenig prioritär ein. Auch WNTI berichtete. Die Vorlage befindet sich nun in der Vernehmlassung. |
|
| | Älteste Sommerbühne der Schweiz soll zum Kulturort werden
Die Stadt Winterthur will die Bühne im Stadtgarten ab 2027 wieder für kulturelle Veranstaltungen öffnen. Geplant ist ein dreijähriger Pilotbetrieb mit Konzerten, Theater, Tanz und Lesungen unter der Leitung des Musikverbands Winterthur. Für die Wiederbelebung der Anlage beantragt der Stadtrat einen Nachtragskredit. Nach der Pilotphase soll über die langfristige Nutzung entschieden werden. (Bild: Tom Schmid Visualisierungen) |
|
| | Weitere Kurz-NewsRund 250 Tänzer:innen aus Winterthur und Umgebung auf der Bühne: Das Ballett- und Tanzstudio Elvira Müller hat am vergangenen Wochenende mit seiner Produktion «Die Schöne und das Biest» rund 2000 Zuschauer:innen ins Theater Winterthur gelockt. An den drei Aufführungen standen mehr als 250 Tänzerinnen und Tänzer unterschiedlichen Alters auf der Bühne und präsentierten Choreografien in verschiedenen Tanzstilen. Praxistipps für den Museumsbesuch mit dem Grosi: Um einen achtsamen Umgang mit älteren Menschen geht es an einem Workshop des Kulturvermittlungsvereins Kuverum. Gemeinsam mit Senior:innen besuchen Interessierte am 23. Juni ab 13 Uhr das Gewerbemuseum und finden heraus, was es braucht, damit ältere Menschen den Besuch geniessen können. Ein zweiter Teil findet am Abend im Wohn- und Pflegezentrum Tertianum in Wülflingen statt. Um Anmeldung wird gebeten. (tz)
Töss-Stafette wegen Hitze abgesagt: Die Stadt Winterthur hat die für den 23. Juni geplante 43. Töss-Stafette abgesagt. Grund dafür ist die aktuelle Hitzewelle und die damit verbundene Hitze-Warnung der Stufe 3. Gemäss den Empfehlungen des Bundes sollen körperliche Aktivitäten im Freien unter diesen Bedingungen möglichst vermieden werden.
Friedhof Rosenberg rüstet sich gegen Rehe: Der Stadtrat hat 100'000 Franken bewilligt, um den Friedhof Rosenberg besser vor Rehen zu schützen. Geplant sind automatische Tore und Anpassungen an der Einfriedung, um die letzten offenen Zugänge zu schliessen. Die Massnahmen sollen bis Mitte September umgesetzt werden. Bereits Anfang 2025 hatte die Stadt mehrere Rehe aus dem Friedhof in den angrenzenden Lindbergwald getrieben. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
| Fresh! Open Air vom 2. bis 11. Juli auf der Wartstrasse Akustische Musik bei Abendsonne. Klein, fein und persönlich. Die Musiker:innen brauchen nur einen Schritt vorwärts zu machen und schon stehen sie mitten im Publikum. Näher geht's nicht. Der Sonnenuntergang ist spektakulär, du sitzt mitten auf der Strasse, unter grossen Bäumen oder auf der Wiese nebenan – erinnert an Ferien in Italien. Sommerdrinks und Knabbereien von Lina's Bar und Max & Fabi Imbiss. 100 Prozent solar, motorlos, barrierefrei. Pay What You Can, 50 Prozent der Ticketeinnahmen gehen an die Acts. |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Der Merkurplatz als wiederkehrender Diskussionsort
 |
Der Merkurplatz als wiederkehrender Diskussionsort Die Diskussion um den Merkurplatz reicht weit zurück. In den 2000er-Jahren entwickelte sich der Bereich rund um den Musikpavillon und den Stadtgarten zu einem Treffpunkt für Menschen mit Suchterkrankungen und andere Randgruppen. Die Stadt reagierte 2008 mit dem Projekt «Merkur», das sozialarbeiterische und polizeiliche Massnahmen mit einer gezielten Belebung des Platzes verband. Dazu wurden Marktfahrer und Betreiber von Imbissständen eingeladen, ihre Angebote auf dem Platz einzurichten. Was ursprünglich als vorübergehende Lösung gedacht war, prägt den Merkurplatz bis heute. Die zusätzliche Nutzung sollte dazu beitragen, den Platz stärker zu beleben und unterschiedliche Nutzergruppen zusammenzubringen. Parallel dazu beschäftigte sich die Stadt während Jahren mit verschiedenen Ideen zur Neugestaltung des Stadtgartens und des Merkurplatzes. Mehrere Projekte wurden geprüft, jedoch nie umgesetzt. Auch finanzielle Gründe spielten dabei eine Rolle. Immer wieder rückte der Platz in den Fokus der Öffentlichkeit. 2016 berichteten lokale Medien erneut über eine Gruppierung rund um den Pavillon. Die Stadt hielt damals fest, dass keine vergleichbare Situation wie zu Zeiten der Drogenszene bestehe. 2020 wurde der Platz mit einem sogenannten «Urban Forest» neu gestaltet. Zusätzliche Sitzgelegenheiten, Bäume, bessere Beleuchtung sowie kulturelle Angebote und Take-away-Stände sollten die Aufenthaltsqualität erhöhen und den Platz beleben. Der Merkurplatz ist damit seit Jahren nicht nur ein wichtiger öffentlicher Raum, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Winterthur versucht, soziale, sicherheitspolitische und städtebauliche Fragen im öffentlichen Raum miteinander zu verbinden. |
|
|
| Der Merkurplatz im Jahr 1996. (Bild: win.bib) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | Ob im Schatten der Bäume, am Wasser oder auf dem Balkon: Ich wünsche dir einen guten Start in diese hitzige Woche – zumindest, was die Temperaturen betrifft – und den einen oder anderen schattigen Ort, um kurz innezuhalten und unseren Wintibrief zu lesen. Herzlichst Marit |
|
| |
|
|
|
| |
|