Matti – Lehre, Schule, Sport: Wie gehst du mit dieser Dreifachbelastung um?
Vor der Lehre war ich am Talent Campus Winterthur. Da habe ich zwölfmal pro Woche trainiert, jetzt ist es noch die Hälfte, wenn meine Woche optimal läuft. Meist sind es drei Trainings pro Woche, dafür an vielen Wochenenden Wettkämpfe oder Meisterschaftsspiele. Insofern bin ich das gewohnt. Die Lehre belastet mehr den Kopf: Ich sitze viel und schaue den ganzen Tag in einen Bildschirm – ich mach’ ja keinen Marathon im Büro. Da ist der Sport auch ein guter Ausgleich.
Und wie bringst du das zeitlich aneinander vorbei?
Momentan mache ich ein Basislehrjahr im Berufsbildungszentrum in Altstetten. Da muss ich von 8.30 Uhr bis 16 Uhr vor Ort sein, da in dieser Zeit die Inputs stattfinden. Man kann aber auch bereits früher kommen. Ich bin jeweils um Punkt 7 Uhr dort, damit ich mein Training am Nachmittag oder frühen Abend machen kann. Am Morgen ginge das zeitlich nicht.
Um welche Zeit stehst du denn auf?
Meist um zehn vor sechs. Eine Stunde später, wenn ich in die Berufsschule gehe, da habe ich knapp 30 Minuten Weg. Ich nehme mir am Morgen eher wenig Zeit und esse im Zug, um länger schlafen zu können. Als Leistungssportler sollte ich ja mindestens acht Stunden Schlaf pro Tag haben. Zu Hause bin ich wieder um 22 Uhr. Manchmal auch später.
Da bleibt nicht mehr viel vom Tag übrig: Wie führst du da noch ein Sozialleben?
Ich bin in eine Generation geboren, die viel am Handy macht. Ich sehe meine Freunde meist nicht physisch, aber wir haben viel Kontakt. Wir schreiben und telefonieren oft. Und im Training, in der Schule oder bei der Arbeit gibt es ja auch einen Austausch untereinander.
Wieso hast du dich für diesen Weg der Sportlehre entschieden?
Ich habe mich auf eine normale Lehre beworben. Dass ich nebenbei noch so oft trainieren kann, geht nur, weil mein Lehrbetrieb, die SMG Group und die BBW kulant waren.
Inwiefern?
Beim Bewerbungsgespräch haben sie mir gesagt, dass ich beim Sport kürzer treten müsste. Schlussendlich konnte ich aber für die Schultage an der BBW eine Sportdispens bekommen, sodass ich etwas mehr trainieren kann. Solange meine Noten stimmen.
Du trainierst trotzdem immer noch sechs Mal die Woche. Wieso hast du dich nicht auf eine Sportlehre beworben?
Das Leben ist kein Ponyhof. Mit Badminton kann ich mir mein Leben in der Schweiz nicht verdienen – auch wenn ich der beste Spieler in der Schweiz werden würde. Mein Bruder spielt Nati A und bei uns im Club haben wir einen mehrfachen Schweizermeister. Beide können nicht davon leben. Auf internationalem Level hätte ich ohnehin keine Chance. Die Asiaten «verummed» uns Europäer regelrecht. Deshalb setze ich lieber auf eine sichere Karte und lerne einen guten Job. Badminton kann ich auch nebenbei spielen.
Zusammengefasst: Dir war von Beginn an klar, dass du nie vom Sport leben wirst und das Training neben der Lehre eine Mehrbelastung sein würde. Wieso hast du dich trotzdem für diesen Weg entschieden?
Ich mache das schon mein Leben lang. Jetzt, wo ich nur noch halb so oft trainiere, bin ich abends oft hibbelig. Und es ist auch einfach geil. Ich liebe die Bubble: den Verein, meine Trainer, das Spiel. Ich will nicht sagen, dass mich «nur» eine Lehre gelangweilt hätte – aber etwas Sportliches nebenher reizte mich.
Auch die Turniere?
Klar. Auch wenn sie manchmal an einem blöden Ort sind, wie Genf zum Beispiel.
Aber Genf ist doch schön?
Schon, aber ich verstehe die Leute halt nicht und die Anfahrt ist lang. Wenn ich samstags um 8 Uhr spielen muss, dann muss ich bereits am Freitag am frühen Abend losfahren.
Du spielst auch internationale Turniere.
Ja, da ist das noch ein grösseres Problem. Anders als in der Schweiz, wo die Turniere eigentlich immer am Wochenende sind, starten sie im Ausland oftmals bereits am Donnerstag. Heisst, ich muss bereits am Mittwoch anreisen. Das bedeutet, dass ich ein bis zwei Tage Schule verpasse. Aber solange die Noten stimmen, geht das für meinen Lehrbetrieb und Stefan in Ordnung.
Von welchem Notenschnitt reden wir da?
Wir haben nichts Konkretes festgelegt. Aber mein persönlicher Anspruch ist eine 5. Ich nehme Dinge schnell auf. So kann ich das meiste direkt im Unterricht fertig machen und muss nicht viel lernen. Den Rest mache ich dann im Zug. Auf Fahrten ins Ausland habe ich auch immer meinen Laptop dabei. Mein nächstes Turnier ist in Luxemburg, die Fahrt geht sieben Stunden – da kann ich fünf Stunden schlafen und zwei Stunden etwas erledigen.