Sie haben uns für das Interview ins Stadthaus eingeladen. Warum?
Von 2005 bis 2015 waren wir mit einem kleinen Teil der Verwaltung im Semper Stadthaus und ich habe noch heute eine grosse emotionale Bindung. Während der Proben des Musikkollegiums am Abend öffnete ich jeweils meine Türen. Somit bekam ich alles mit und konnte zuhören. Es ist ein wunderschönes Stadthaus, auch wenn es im Winter zu kalt und im Sommer zu heiss ist (lacht). Dieser Sandstein lässt alles durch.
Was waren Ihre grössten Erfolge als Stapi?
Wir haben vor der Bekanntgabe meines Rücktritts eine Liste erstellt mit den Entwicklungen, die in dieser Zeit gelaufen sind. Das waren etwa vier bis fünf Seiten. Aber was mich wirklich gefreut hat, war die Gründung des House of Winterthur. Wir konnten die Standortförderung mit dem Tourismus zusammenlegen. Vorher hatten wir kein Geld vom Kanton dafür erhalten. Dazu kamen die Fachstelle für «Smart City und Nachhaltigkeit», die Fachstelle «Diversity und Behindertenrechte» und das städtische Museumskonzept. In diesen 14 Jahren ist wirklich viel gelaufen.
Welchen Moment werden Sie nie vergessen?
Die Stadtrechtsfeier 2014. Ich habe vom Bahnhofsdach zu den Leuten gesprochen. Auf diesem Dach zu stehen, wo sonst niemand hinkommt, war ein Highlight. Ueli Maurer überbrachte das Grusswort des Bundesrates und sprach mehr als eine halbe Stunde ohne Skript, aber trotzdem mit einer Logik und Struktur. Das hat mich sehr beeindruckt.
Sie waren als bürgerlicher Stadtpräsident im Stadtrat oft in der Minderheit. Wie ist das, wenn man weiss: Man verliert sowieso?
Ja, das war mitunter ein Grund, warum ich jetzt gesagt habe: «Jetzt ist fertig.» So oft in der Minderheit zu sein, ist nicht lustig und braucht enorm viel Energie. Aber ich bin ein Demokrat. Und wenn Winterthur die Mehrheit bei Links-Grün sieht, dann müssen die Winterthurer:innen damit umgehen, dass beispielsweise in der ganzen Stadt nur noch Tempo 30 herrscht und der Autoverkehr zurückgedrängt wird. Auch zur Fahne am Semper darf man Fragen stellen.
Gab es einen Moment, an dem Sie gedacht haben: «Das überlebt meine Karriere nicht»?
Ja, das gab es. Beim Theater Winterthur. Die Sanierung kostete 40 Millionen Franken und wir fragten uns, ob man auch Wohnungen oder ein Hotel dazu bauen könnte. Das führte zu einem Sturm der Entrüstung. Die Leute hatten Angst, das Theater zu verlieren. Es gab eine Petition mit über 6000 Unterschriften. Weil gerade Wahlen waren, bekam ich die Quittung und musste in den zweiten Wahlgang. Aber es hat dann doch noch geklappt.