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| | Guten Morgen «Zum Maag gehen» ist in Winterthur ein stehender Begriff fürs Recyceln. Dabei müsste es eigentlich «zur Maag gehen» heissen. Denn seit zehn Jahren ist im Recyclingunternehmen eine Frau am Drücker ‒ Judith Maag. Anlässlich des Jubiläums hat unsere Autorin Corinne Päper mit ihr gesprochen.
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| Vor zehn Jahren übernahm Judith Maag den Familienbetrieb. (Bild: Christopher Kurz) |
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| Frischer Wind auf dem Schrottplatz |
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| Als Judith Maag das stagnierende Recyclingunternehmen Maag Recycling AG vor zehn Jahren in vierter Generation übernahm, war sie mit Krisen, Personalabgängen und globalen Marktumbrüchen konfrontiert. Warum sie trotzdem blieb und das Geschäftsmodell neu erfand. von Corinne Päper |
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| «Zehn Jahre lang war kaum in das Unternehmen investiert worden», erinnert sich Judith Maag. «Es fehlte vor allem an neuen Ideen. Die damalige Geschäftsführung hat eher verwaltet als agiert.» Maag ist gerade einmal 29 Jahre alt, als sie den elterlichen Betrieb die Maag Recycling AG 2016 von einem externen Management übernimmt. Dass der frische Wind, den sie mit sich bringt, nicht überall gut ankommt, zeigt sich kurz nach ihrem Antritt. Es kommt zum personellen Knall: «Der Werkstattchef, der Platzchef und eine wichtige Mitarbeiterin im Innendienst kündigten gleichzeitig», sagt Maag. Damit verliert sie innerhalb weniger Wochen zentrale Stützen. Es droht ein Knowhow-Verlust und der Betrieb gerät ins Wanken. «Ich überlegte, meinen Vater anzurufen und ihm zu sagen, dass ich es nicht schaffe», sagt Maag. Stattdessen analysierte sie gemeinsam mit ihrem Stellvertreter die Lage: Wer kann intern Verantwortung übernehmen? Wer ist bereit für den nächsten Karriere-Schritt? Maag führt Gespräche und verteilt Rollen. «So konnten wir die wichtigsten Positionen intern besetzen und mussten nur noch zwei Personen extern rekrutieren.» |
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| | «Ich überlegte, meinen Vater anzurufen und ihm zu sagen, dass ich es nicht schaffe.» Judith Maag, Geschäftsführerin Maag Recycling AG |
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| Kaum ist diese Krise bewältigt, folgt schon die nächste. «Darauf war ich nicht vorbereitet», erzählt Maag. Etwa auf den plötzlichen Importstopp für Plastik, den China 2018 verhängte und der die Frage aufwirft, wohin Kunststoff überhaupt noch exportiert werden kann. Ausserdem erschweren massive Preisschwankungen von Rohstoffen wie Blei, Zink, Stahl und Aluminium am Weltmarkt die betriebswirtschaftliche Planung. Ein Beispiel? «Textilien», sagt Maag. «Früher konnten Organisationen, die Kleider sammeln, sortieren und verwerten, genügend bezahlen, um die notwendige Infrastruktur zu finanzieren.» Das habe sich geändert: «Die Qualität der Kleidung ist massiv gesunken. Wir konsumieren viel zu viel Minderwertiges.» Anders als bei Glas oder Elektrogeräten gebe es bei Textilien keine vorgezogene Entsorgungsgebühr, um das Recycling zu finanzieren. «Der Aufwand für Sammlung und Logistik stand in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag. Unsere Einnahmen lagen zuletzt praktisch bei null.» Eine Quersubvention sei nicht möglich. Seit Januar 2026 koste die Abgabe von Textilien deshalb 50 Rappen pro Kilogramm bei einem Mindestbetrag von drei Franken. |
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| Vom Altkarton bis zur Glühbirne: An Spitzentagen entsorgen hier über 2500 Personen ihre Wertstoffe. (Bild: Christopher Kurz) |
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| Rund die Hälfte der wiedergewonnenen Rohstoffe exportiert die Maag Recycling AG ins Ausland. Abnehmer sind Stahlwerke, Alu- und Bleihütten oder Papier- und Kartonfabriken. Branchen, die in der Schweiz kaum mehr vertreten sind. Ein eher überraschender Absatzmarkt ist Indien. «Dort können wir viel Messing verkaufen ‒ allerdings über einen Händler, da uns die Marktkenntnis fehlt», sagt Maag. Recycling ist längst nicht mehr das einzige Standbein des Betriebs: Hinzu kommen Wohnungsräumungen, das Bewirtschaften von öffentlichen Sammelstellen und Beratungsmandate: «Wir unterstützen immer mehr Firmen bei der Kreislaufwirtschaft und helfen ihnen, Abfälle zu vermeiden und Reststoffe wiederzuverwerten», sagt Maag. Für die Recyclingbranche sei das ein Geschäft mit Zukunft, erfordere aber ein Umdenken: «Wir müssen unser Wissen nutzen, um die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten und uns vom Image des Schrotthändlers lösen.» |
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| Die Maag Recycling AG beschäftigt heute 80 Mitarbeitende. (Bild: Christopher Kurz) |
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| Gewachsen ist das Unternehmen durch neue Geschäftsfelder und durch die Übernahme lokaler Betriebe, zuletzt eines Papier-Recyclingunternehmens, eines Autoverwerters und eines Transportunternehmens. Ein Erfolgsrezept, das sich auch in der wachsenden Belegschaft spiegelt, die zwischen 2016 und 2026 von 50 auf 80 anstieg. «Viele davon arbeiten jedoch Teilzeit», sagt Maag. Sie wertzuschätzen sei ihr wichtig: «Bis vor Kurzem habe ich alle Mitarbeitergespräche selbst geführt.» Auch sozial engagiert sich das Unternehmen und beschäftigt in der Elektronikabteilung mehrere Menschen mit Beeinträchtigungen. Dafür wurde Maag Recycling dieses Jahr für den This-Priis nominiert – eine Auszeichnung für Arbeitgebende, die Menschen mit physischen oder psychischen Einschränkungen berufliche Chancen bieten. Mit dem Wachstum der Stadt Winterthur steigt der Druck auf freie Flächen. Das betrifft auch den Recyclingbetrieb. «Maag droht mit Wegzug», titelte kürzlich ein lokales Medium. «Das haben wir so nie gesagt», entgegnet Maag und lacht. «Wir halten an unserem Standort fest – auch weil es in Winterthur kein anderes geeignetes Industriegebiet mit Bahnanschluss gibt.» Klar sei aber: «Wenn wir weiterwachsen, braucht es bauliche Anpassungen.» |
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Begegnungsschmiede für mehr Miteinander: Denksch mit? Das beste Rezept gegen Weltschmerz: zusammenkommen, gestalten, Vielfalt feiern. Info-Anlass: Samstag, 25. April, 14.00 bis 15.00 Uhr. Danach Kaffee und Kuchen. |
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| | | | Stadt mietet Räume für drei Sek-Klassen auf Vitus-ArealBeim Sek-Schulhaus Rosenau in Töss steht eine Gesamtsanierung an, zudem sei es bereits heute überbelegt. Dies schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Deshalb mietet die Verwaltung auf dem der Schule nahe gelegenen Vitus-Areal Zimmer für drei Sekundarklassen und weitere Räume an. Damit würden sowohl wachsende Schüler:innenzahlen aufgefangen als auch der Betrieb während der Sanierung sichergestellt. Um die Räume zu Klassenzimmern umzubauen, beantragt der Stadtrat einmalig 200’000 Franken. Die Miete beträgt 190’000 Franken, der Vertrag ist für fünf Jahre abgeschlossen. |
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| | ZVV spart mit neuer Schrift zehntausende Franken
«Brown Narrow» heisst die neue Schrift, die seit kurzem auch auf den Displays von Stadtbus gezeigt wird. Die Bildschirme in Bussen und an Haltestellen werden zentral vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) bespielt. Die Rechte an der bisherigen Schrift, die über 20 Jahre verwendet wurde, seien in die USA weiterverkauft worden. Hätte sie der ZVV weiter nutzen wollen, hätte das Zusatzkosten von «mehreren zehntausend Franken» bedeutet, wie der «Tages-Anzeiger» vermeldete. (Bild: zvg) |
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| | Nach Fluchtversuch geschnappt: Am Dienstagnachmittag konnte die Polizei einen 38-Jährigen nach versuchter Flucht am Bahnhof Seen festnehmen. Der Mann trug 40 Gramm Kokain und über 1000 Franken Bargeld bei sich, wie es in einer Mitteilung der Stadtpolizei heisst. VIWO feiert Zehnjähriges: Integration durch Wohnen ‒ das ist das Ziel des Vereins, der 2015 von der katholischen Kirche in Wülflingen gegründet wurde. Seit da vermittelt er jährlich rund 30 Wohnungen an geflüchtete Menschen. «Eine eigene Wohnung schafft Stabilität. Zusammen mit Arbeit und Sprache bildet sie die Grundlage für Integration», sagte VIWO-Präsidentin Zita Haselbach an einem Anlass im Rahmen des Jubiläums. |
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| Sessel degradiert Quartier zum «Ghetto»
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| Für die Stadtmelder:in, die dieses Bild geschossen hat, reichte ein Wort zur Beschreibung: «Ghetto». (Bild: Stadtmelder) |
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| Das Ghetto geniessen Für die Stadtmelder:in, die dieses Bild geschossen hat, reichte ein Wort zur Beschreibung: «Ghetto». Und die Verwaltung antwortete: «Wir holen das Material heute ab.» Das ist voreilig von beiden. Was, wenn die Besitzer:in des Sessels die städtische Altersstrategie durchgeblättert hat? Darin las sie, dass altersgerechte Sitzgelegenheiten (mit Rücken- und Seitenlehnen) im öffentlichen Raum fehlen. Sie entschloss sich zu handeln ‒ und stellte ein passendes Sitzmöbel zur Verfügung. Noch dazu auf Privatgrund! Und mit Blick auf die blühende Forsythie, inmitten von Osterglocken und Löwenzahn. |
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| | | Wer weiss. Vielleicht liege ich auch falsch und beim Sessel handelt es sich tatsächlich um Sperrmüll. Judith Maag wüsste es ‒ oder Adi Walz vom «Trittbrett-Talk», dem Müllmannen-Podcast der Stadt. Hineinhören lohnt sich! Bis bald, Tizian |
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