Wohin mit Plastikmüll? Diese Frage stellen sich Winterthurer:innen schon länger. Vergangenen Dezember gab es dazu gezwungenermassen nur eine wirkliche Antwort: in den Hauskehricht. Und was ist mit Leuten, die ihren Plastikmüll gerne recyceln würden? Sie mussten auf einen Flickenteppich verschiedener Anbieter wie Mr. Green oder Sammelsack zurückgreifen. Eine koordinierte Lösung für das Recycling gab es nicht. Die Stadt wollte aus Kostengründen keine Sammlung organisieren und lehnte es ab, dem Recyclinghof Maag eine Konzession als Sammelstelle zu erteilen, um die Verkehrsbelastung im Quartier nicht zu erhöhen (WNTI berichtete). Eine weitere Option wäre das Sammelsystem RecyBag der Branchenorganisation RecyPac gewesen, mit dem Plastikmüll und Getränkekartons bei Detailhändlern zurückgegeben werden können.
Petition beim Stadtrat
Dieser Umstand liess Marco Fritschi keine Ruhe. Der Jurist wollte wissen, wie die Stadt plane, dieser Situation beizukommen, und reichte dem Stadtrat Anfang des Jahres eine Petition ein. Aus der Antwort des Stadtrats geht hervor, dass die Verwaltung plant, RecyPac eine Konzession für das Recycling von Plastikmüll in Winterthur zu vergeben. Momentan liefen die Verhandlungen mit der Branchenorganisation, heisst es in der Antwort. Der Start sei für Herbst dieses Jahres geplant.
Keine Zwischenlösung
Andere Grossstädte wie Zürich, Bern oder Basel arbeiten beim Kunststoffrecycling bereits mit RecyPac zusammen. Eine solche Konzession wäre also keine Neuheit. Der Grund, dass Winterthur nun nachzieht, ist simpel – ab 1. Januar 2027 gelten neue Regelungen des Bundes, die Verkäufer:innen und Produzent:innen von Einwegverpackungen aus Kunststoff zu einer Rücknahme verpflichten oder die Rücknahme an eine Branchenorganisation wie RecyPac auslagern. Bis dahin wird es allerdings keine Übergangslösung geben. Diese mache laut Stadtrat aus «wirtschaftlicher, finanzieller und logistischer Sicht» keinen Sinn. Bereits 2021 hatte der Stadtrat nach einer Motion im Stadtparlament aus ökologischen und finanziellen Gründen die Einführung einer Kunststoffsammlung abgelehnt.
Was bedeutet die Einführung eines einheitlichen Recyclingsystems für Kunststoffabfälle für die städtischen Betriebe? Sie rechnen damit, dass neu jährlich rund 250 Tonnen Plastik- und Kunststoffmüll recycelt werden. Also etwa zwei Kilo Abfall pro Einwohner:in. Oder 1,25 Prozent der gesamten Kehrichtmenge der Stadt.