| | «Und, wie häsches?» Bei so einer Frage brauche ich gefühlt eine ganze Hirnhälfte, um etwas Smalltalk-taugliches herauszubringen. Einem Stadtpräsidenten hingegen muss der lockere Spruch hier wie von selbst von der Lippe kommen. Wir haben die Kandidaten darauf getestet.
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| 671 Stimmen trennten Kaspar Bopp (SP, links) und Stefan Fritschi (FDP) im ersten Wahlgang voneinander. (Collage WNTI / Bild: Robyne Dubief) |
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| Das Apéro-Abenteuer ‒ mit Kaspar Bopp und Stefan Fritschi |
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| Wenn sich andere in den Feierabend verabschieden, geht der Job des Stadtpräsidenten erst richtig los. Wir haben die Kandidaten fürs Amt auf die Probe gestellt: Wie meistern Sie die Königsdisziplin des Stapi ‒ den Apéro? von Tizian Schöni |
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| Es ist Dezember ‒ Zeit, den Kulturpreis der Stadt zu verleihen. Gerade haben Sie als Stadtpräsident den Preis einer hervorragenden Bühnendarstellerin überreicht, eine Band spielte, Sie hielten ‒ wie Sie finden ‒ eine treffliche Laudatio. Nun schreiten Sie zum Apéro im Foyer des Stadthauses. Dieses Szenario haben wir den beiden Kandidaten fürs Präsidium vorgelegt, das wir am 10. Mai im zweiten Rutsch endgültig wählen werden. Denn eine Kernkompetenz blieb bisher ungeprüft: Wie schlagen sie sich am Apéro? Wenn du das Abenteuer von vorne liest und mitzählst, ob du eher zu A oder B tendierst, beantwortet sich am Schluss die Frage: Bist du Bopp- oder Fritschi-Typ? Am Buffet angekommen, bietet Ihnen die Bedienung sofort Weisswein an ‒ leider nicht vom Goldenberg, sondern aus Spanien. Die Alternative: ein lauwarmer Orangensaft. Was wählen Sie? Kandidat A: Ich nehme den Orangensaft – aber ich notiere mir trotzdem: Nächstes Jahr gibt es Goldenberg. Das gehört sich so. Kandidat B: Auch die Orangen für den Orangensaft werden nicht in den Gärten Winterthurs geerntet. Also verlange ich ein Glas Wasser. Hoffentlich Winterthurer Wasser. Das ist nämlich von hoher Qualität, ist für meine Gesundheit von Vorteil und beeinträchtigt mich bei den Small Talks am Apéro nicht. |
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| 15’843 Stimmen für Kaspar Bopp (rot), 15’172 für Stefan Fritschi (blau). Weil Vereinzelte 2754 Stimmen erhielten, erreichte keiner von beiden das absolute Mehr. (Grafik: WNTI) |
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| Sie drehen sich um, es steht eine Gruppe junger Künstler:innen vor Ihnen. Ein paar sind Ihnen schon bei der Verleihung aufgefallen, sie jubelten besonders laut. «Herr Stadtpräsident, im Wahlkampf war noch vom Ausbau der Kulturförderung die Rede gewesen. Bis heute haben wir davon noch nichts gesehen!» A: «Ihr habt recht, dass ich das gesagt habe – und ich stehe dazu. Mehr Verlässlichkeit, mehr mehrjährige Förderung: Kultur braucht Planungssicherheit. Wir sind dran – und ich brauche genau solche Stimmen dafür, nicht nur heute Abend.» B: «Ich schätze es sehr, dass ihr euch über die Preisträgerin freut. Wenn ihr ein Fördergesuch habt, könnt ihr uns das zustellen und wir prüfen es gerne.» Kaum konnten Sie der aufmüpfigen Gruppe die Luft aus den Segeln nehmen, werden Sie vom Eventfotografen zur Seite gezogen. «Herr Stadtpräsident, auf ein Foto mit dem Regierungspräsidenten!» Leider verschütten Sie in diesem Moment den Rest Ihres Getränks, genau über das Sakko. Wie reagieren Sie? A: Ich greife zum nächsten Serviettenstapel, schaue aufs Sakko und sage zu Martin Neukom: «Siehst du – Krisen managen liegt mir. Flecken auf dem Sakko weniger.» B: Kein Problem. Winterthurer Wasser gibt keine Flecken und erfrischt zugleich. |
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| | Der WNTI-Smartspider von Kaspar Bopp (SP) und Stefan Fritschi (FDP). (Grafik: WNTI) |
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| Gerade, als Martin Neukom sein Foto erhalten hat, nähert sich Ihnen beiden ein bekannter Winterthurer Maler ‒ leider ist er bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. «Martin! Dass du im Frühling all diese Portraits abgelehnt hast, hätte ich also nie von dir gedacht», beginnt er. Wen decken Sie: die Kunstfreiheit oder den Baudirektor? A: «Kunstfreiheit ist kein Verhandlungsgut – auch wenn das Ergebnis unbequem ist. Gerade dann nicht. Ich schütze die Freiheit der Kunst. Und ich glaube, Martin sieht das im Grunde auch so.» B: «Ich war erstaunt, dass dir, Martin, keines der Bildnisse zusagte. Ich bin regelmässig an Sitzungen in der Ahnengalerie, wo die Bilder hängen. Einige dieser Bilder werden beim Herunterlassen der Leinwand verdeckt. Wenn dir das Bildnis so nicht zusagt, kannst du ja dafür sorgen, dass es hinter der Leinwand platziert wird.» Jetzt tritt auch noch der scharfzüngige Stadtparlamentarier hinzu: «20’000 Franken aus der Steuerkasse für diesen Spass. Und in Winti ist es ja nicht besser: Wir geben immer noch 30’000 Franken für Bilder aus, die wir dann im Depot verschwinden lassen.» Reagieren Sie präsidial. A: «Da haben Sie recht: Kunst, die im Depot verschwindet, ist keine Kulturpolitik. Ich will Förderung, die ankommt – bei den Künstlerinnen, auf den Bühnen, in den Ateliers. Daran arbeite ich.» B: «Als Mitglied der städtischen Kunstkommission weiss ich, dass die meisten der Kunstankäufe prominent platziert werden. Für die Winterthurer Kunstschaffenden sind diese Ankäufe von grosser Bedeutung.» |
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| «Wer bringt mehr Gipfeli mit zur Stadtratssitzung?», war die Frage beim gemeinsamen Podium von Radio Stadtfilter und WNTI. (Bild: Nick Eichmann) |
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| Die Getränke machen sich bemerkbar. Als Sie die Tür zur Toilette aufstossen, sehen Sie den einen Herrn am Lavabo, dem das Gendern während Ihrer Rede offensichtlich missfiel. Bei jedem Glottisschlag war ein mürrisches Grummeln zu hören gewesen. A: Ich nicke freundlich. «Schöner Abend, nicht wahr?» – Manchmal ist das Schönste am Gendern, dass man danach trotzdem miteinander redet. B: Ich grüsse ihn und danke ihm für seine Anwesenheit, die ich sehr schätze. Es ist spät geworden, Sie denken an den Aufbruch. Nach tausend verlegenen Lächeln treten Sie an die frische Luft. Beschreiben Sie Ihren Heimweg. A: Zu Fuss, durch die Altstadt. Die Gassen sind noch belebt, irgendwo läuft Musik aus einem Fenster. Ich denke an die Preisgewinnerin – und daran, wie viel in dieser Stadt passiert, das kaum jemand sieht: in Ateliers, Proberäumen, kleinen Bühnen. Winterthur ist eine Kulturstadt. Aber das muss man sich auch leisten wollen – und dafür einstehen, nicht nur an Preisverleihungen. B: Bereichert durch die vielen Kontakte radle ich zufrieden nach Hause und schätze mich einmal mehr glücklich, in einer Stadt mit enorm vielfältiger Kultur wohnen und arbeiten zu dürfen. |
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| | A sind die Antworten von Kaspar Bopp (SP), B jene von Stefan Fritschi (FDP). Eine Übersicht aller Inhalte zu den Präsidiumswahlen findest du hier. |
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| | | Keine Gülle dieses Jahr: Bauer gibt EntwarnungEs habe «einige Reutlinger Gemüter erhitzt», schrieb ein Bauer in der letzten Ausgabe der Reutlinger Post. Er hatte im vergangenen Jahr auf seiner Parzelle am südwestlichen Rand des Dorfes Gülle ausbringen lassen. Leider wollte das Wetter damals nicht so wie geplant ‒ es blieb trocken. Und der liegengebliebene Dünger zog den Reutlinger:innen ordentlich in die Nase. Präventiv informierte er nun, dieses Jahr wüchsen Zuckerrüben, für die keine Gülle ausgebracht werden müsse. Und entlang der an das Feld angrenzenden Gärten habe er einen Wiesenstreifen als Pufferzone angelegt. |
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| | «Tailor & Trend» verabschiedet sich aus der Altstadt: 2017 hatte Ulla Singler ihr Fachgeschäft für Herrenmode in der Altstadt eröffnet. Nun hat die Ausstatterin den Mietvertrag an der Obergasse nicht mehr verlängert und macht in einem Atelier ausserhalb von Winterthur weiter, wie der «Landbote» berichtet. Zwei neue Verwaltungsrätinnen in der PAWI Group: Was haben Himbeeren im Offenverkauf und Sprüngli-Pralinés gemeinsam? Sie werden beide von der PAWI Group verpackt. Der Verpackungshersteller mit 370 Mitarbeitenden gehört Andreas Keller, der auch Verwaltungsratspräsident ist. Jetzt hat Keller seine Töchter Désirée Keller und Céline Küng mit in den Verwaltungsrat geholt, wie «punkt4.info» gestern mitteilte. |
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| | Auch die Kulturlobby fühlt den Kandidaten auf den Zahn
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| Kulturlobby fühlt den Kandidaten auf den Zahn Am 10. Mai wählt Winterthur einen neuen Stadtpräsidenten. Die Kulturlobby möchte mit kurzen Fragen herausfinden, wie die beiden Kandidierenden Stefan Fritschi und Kaspar Bopp dafür sorgen wollen, dass Winterthur auch noch in zehn Jahren eine Kulturstadt bleibt. Dazu drehte der Verein Kurzvideos mit Fragen wie «Wann hat dich Kultur zuletzt begeistert?» Die ersten beiden Videos sind bereits online. Nächste Woche folgt die zweite Runde. (vh) |
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| | Ist dir schon aufgefallen? Auf deinem Stimmrechtsausweis stehen ausser deiner Adresse auch Jahrgang, Geschlecht und eine sonderbare Nummer. Das muss so sein, steht alles im Gesetz, schreibt die Stadtkanzlei auf Anfrage. Jahrgang oder Geschlecht der eingegangenen Ausweise werden allerdings nicht statistisch erfasst. Wer in Winterthur wählen geht, bleibt also weiterhin ein Geheimnis. Bis mal jemand das Geld für eine teure Nachwahlbefragung in die Hand nimmt. Jetzt Couvert einwerfen! Tizian |
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