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Guten Morgen Was für ein Wochenende! Eine Bundesrätin war da, in der KVA hat es gebrannt. Und ein wichtiger Sesseltanz ist entschieden. Stefan Fritschi gewann im zweiten Wahlgang, womit das Stadtpräsidium in bürgerlicher Hand bleibt.
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| Der abtretende Präsident Michael Künzle (Mitte) gratuliert seinem Nachfolger. (Bild: WNTI) |
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Stefan Fritschi ist der 23. Stadtpräsident |
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684 Stimmen machten den Unterschied. Stefan Fritschi konnte im zweiten Wahlgang in allen Stadtkreisen zulegen und kehrte das Resultat vom März um. Winterthur hat damit erstmals seit 2002 wieder einen FDP-Stadtpräsidenten. von Tizian Schöni |
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Der Mann am Laptop erschrickt, gerade ist ein Champagnerkorken in seinem Schoss gelandet. Er wirft von seinem Platz aus einen bösen Blick auf die Runde im Skillspark. Doch er bleibt bei den Gästen unbemerkt: Die Parteimitglieder der FDP, aber auch der anderen Parteien des bürgerlichen Wahlkampfbündnisses «Team 4 Winti» befinden sich am Sonntagnachmittag im Freudentaumel. Sie feiern den Mann der Stunde: Stefan Fritschi, der nach 16 Jahren im Stadtrat den Sprung ins Präsidium geschafft hat. Schon im ersten Wahlgang zeigte sich, dass es knapp werden würde. Mit nur 671 Stimmen hatte Kaspar Bopp (SP) im März noch vor seinem Kontrahenten der FDP gelegen. Keiner der beiden Kandidaten konnte mehr als die Hälfte aller Stimmen auf sich vereinen, weil sich rund acht Prozent der Stimmberechtigten für Drittkandidaten entschieden hatten. So kam es zum zweiten Wahlgang. |
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In diesem hat sich nun der Wind gedreht: Am Sonntag entschied sich eine ebenso dünne Mehrheit für Stefan Fritschi. Von knapp 32’000 abgegebenen Stimmen gingen rund 16’000 an den FDPler aus Mattenbach. Stimmen an Dritte gab es kaum mehr. Im Vergleich zum ersten Wahlgang konnte Fritschi in allen Wahlkreisen Stimmen zulegen, besonders stark mobilisierte der Liberale noch einmal in den traditionell bürgerlichen Kreisen Wülflingen, Oberwinterthur und Seen. Den Ausschlag gegeben haben laut Stefan Fritschi aber nicht die Parteistimmen: «Es gab ganz viele Leute, die nicht FDP und vielleicht auch nicht bürgerlich wählen. Die aber meinen: Stefan Fritschi ist der richtige Mann fürs Stadtpräsidium.» Eine Einschätzung, die von verschiedenen Seiten zu hören ist: Ohne bedeutende Abstimmungen zum selben Termin habe die Linke weniger gut mobilisieren können. «Es ist auf beide Seiten fairer und neutraler, wenn keine Abstimmungsthemen dazukommen», sagt Fritschi dazu. |
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| Im zweiten Wahlgang verlor der SP-Kandidat den Wahlkreis Töss an Fritschi. Ausserdem holte Kaspar Bopp in Veltheim und der Altstadt weniger Stimmen als noch im ersten Wahlgang. (Grafik: WNTI) |
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Für Kaspar Bopp und die SP als stärkste Kraft in Winterthur ist die Wahl des FDP-Mannes eine bittere Pille. Zumal die Partei bereits zum fünften Mal eine Präsidiumswahl gegen die Bürgerlichen verliert. Von den zehn grössten Städten der Schweiz haben nur drei ein bürgerliches Präsidium. Nebst Winterthur wurde in Basel-Stadt 2024 Conradin Cramer als Regierungspräsident gewählt. Er ist Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei, einer FDP-Schwester. Und in Lugano regiert seit 2021 der Lega-Bürgermeister Michele Foletti. |
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| «Ich bin enttäuscht und empfinde es als verpasste Chance ‒ die Stadt hätte moderner, innovativer und feministischer werden können.» Franziska Tschirky, Co-Präsidentin SP Winterthur |
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Zurück in Winterthur: Dort musste Bopp einen besonders empfindlichen Verlust im Kreis Altstadt hinnehmen. Hatte er im ersten Wahlgang noch 4800 Stimmen auf sich vereinen können, waren es nun noch knapp 4400. «Dieses Resultat kann ich mir überhaupt nicht erklären», sagt Franziska Tschirky, Co-Präsidentin der Winterthurer SP. Und auch für Kaspar Bopp ist es zu früh für eine Analyse. Er wünsche Stefan Fritschi eine «gute Hand» im Stadtrat, das ja ein Kollegialgremium sei und bleibe. Eine Analyse, die auch FDP-Präsident Raphael Tobler im Skillspark teilt: «Heute ist ein freudiger Tag, morgen wird es anstrengend: Wir haben noch immer eine linke Mehrheit im Stadtrat.» |
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| Die Villa am Römerholz wird seit Samstag wieder vom Publikum in Beschlag genommen. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Die Meisterwerke sind zurück am Römerholz |
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Berühmte Gemälde, interessiertes Publikum, viel Prominenz und leidenschaftliche Gastronomie – all das ist am Samstag in die Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz zurückgekehrt. von Gioia Jöhri |
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Am frühen Morgen ist es noch idyllisch ruhig am Römerholz. Doch das ändert sich bald: Das Museumspersonal sucht nach Kleiderbügeln für die Garderobe, die noch nicht geliefert wurden und die ersten Fotograf:innen treffen ein. Ein wenig später herrscht im neuen Museumscafé des Winterthurer Gault-Millau-Gastronomen Alex Bindig bereits rege Betriebsamkeit. «Wir sind schon am 1. Mai sehr gut gestartet. Wir hatten keinen einzigen Platz mehr frei», erzählt der Spitzenkoch lachend während der Begrüssung zweier Gäste. Auch jetzt ist die Terrasse mit Blick über Winterthur bis auf den letzten Platz besetzt. Von allen Seiten gibt es Komplimente für die Neugestaltung des Museumscafés. Ab dem 13. Mai wird das Römerholz am Abend zusätzlich zu einem Fine-Dining-Restaurant mit ähnlichem Konzept wie Bindigs ehemaliges Trübli-Restaurant am Neumarkt. |
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| Spitzenkoch Alex Bindig freut sich über die vielen Menschen in seinem neuen Museumscafé. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Kurz vor elf Uhr strömen die Menschen unaufhaltsam in die wiedereröffnete Sammlung. Bei vielen folgt darauf eine kleine Enttäuschung, weil aufgrund feuerpolizeilicher Auflagen bei weitem nicht alle im grossen Galeriesaal Platz finden. So stehen manche im Gang, um doch noch einen Blick auf Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider zu erhaschen. Auch sechs der sieben Mitglieder des Winterthurer Stadtrats sind gekommen, ebenso Regierungsrätin Jacqueline Fehr und Mitglieder der Reinhart-Familie. Nach einer kurzen musikalischen Einleitung begrüsst Sammlungsleiterin Kerstin Richter alle Anwesenden und ist sehr erfreut, dass sie nach langen Monaten wieder Publikum in der Sammlung begrüssen darf. Anschliessend folgt Stadtpräsident Michael Künzle, der Oskar Reinhart und seine Vision der öffentlichen Zugänglichkeit seiner Sammlung würdigt. Diese Tradition werde nun mit der Wiedereröffnung weitergeführt. Künzle betont die Wichtigkeit der Museumsstadt Winterthur: «Auch wenn diese Sammlung der Eidgenossenschaft gehört, sie steht noch immer in Winterthur», sagt er lachend und blickt dabei zur Bundesrätin. Elisabeth Baume-Schneider kontert darauf in ihrer Rede: «Heute ist ein Freudentag für Winterthur, das ist sicher, aber auch für die ganze Gesellschaft». Sie betont ebenfalls den «bleibenden Auftrag» von Oskar Reinhart, die «raumfüllende» Freude der Wiedereröffnung und die grosse internationale Bedeutsamkeit der Sammlung. 25 Meisterwerke wurden während der Sanierung in die Courtauld Gallery in London ausgeliehen und verzeichneten mit gut 100'000 Besucher:innen einen grossen Erfolg. |
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| Sechs der sieben Stadträt:innen waren anwesend. In der Bildmitte Katrin Cometta und Kaspar Bopp. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Oskar Reinhart lebte von 1924 bis zu seinem Tod 1965 in der Villa «Am Römerholz», die bereits zu seinen Lebzeiten seine grosse Sammlung beherbergte und der Öffentlichkeit punktuell zugänglich war. Sein Vater Theodor Reinhart leitete das Handelshaus Gebrüder Volkart, in das die Familie durch die Heirat mit Lilly Volkart eingestiegen war. Oskar Reinhart zog sich mit 39 Jahren aus dem Familienunternehmen zurück und widmete sich fortan nur noch der Kunst. 1940 schenkte er der Stadt Winterthur seine Werke von Schweizer, deutschen und österreichischen Künstlern. Sie sind heute im Kunstmuseum Winterthur / Reinhart am Stadtgarten zu sehen. Den übrigen Teil seiner Sammlung inklusive der Villa am Römerholz vermachte er nach seinem Tod der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Seit 1970 sind die Villa und die Sammlung mit Fokus auf französischen Impressionismus für die Öffentlichkeit zugänglich. Nach der Sanierung präsentieren sich die Ausstellungsräume in der Villa und der angebauten Galerie mit neuen Wandfarben und mit modernisierter Beleuchtungstechnik. Die Kunstwerke wurden neu angeordnet und der Garten der Villa in seinen ursprünglichen Zustand zurückverwandelt. Dem bunt gemischten, zuweilen auch französisch- oder englischsprechenden Publikum scheint es zu gefallen. Ein älteres Ehepaar aus Winterthur, beide auch regelmässige Besuchende des Musikkollegiums, sind begeistert von den neuen, hellen Farben. «Es ist einfach ein Glücksmoment heute und wunderbar, dass ich das mit meinen 85 Jahren hier erleben kann», sagt die ältere Dame freudestrahlend. |
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| Neue Farben, neues Licht, altes Meisterwerk: Claude Monets «Seine bei Eisgang», 1880/81. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Nach der offiziellen Eröffnung zerstreuen sich die Menschen, schauen sich die Gemälde von Monet, Renoir, Manet, Courbet, Daumier, Picasso oder Van Gogh in sanierter Kulisse an oder geniessen im Garten der Villa den kleinen Apéro. Zum Anwesen gehören auch die historische Park- und Badeanlage Oskar Reinharts. Diese wurden erst kürzlich von Reinharts Erben an die Eidgenossenschaft übergeben. Noch sind sie nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, aber man darf gespannt sein auf die Zukunft. |
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| «Pssst, schon gehört…?» In den verstecktesten Ecken Winterthurs tut sich was: Mit den «Besenkammerspielen» erobert das Kellertheater vom 29. bis 31. Mai Räume, in denen sonst kein Theater stattfindet. Das Besondere: Ort und Stück bleiben bis zum Aufführungstag geheim. Nur so viel sei verraten: Diesmal wird’s kriminell... Neugierig geworden? Dann raus aus der Komfortzone und raus ins Theater! |
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| | 15’600 Besucher:innen am Tanzfest«Erneute Rekordzahlen» durften die Organisator:innen des Tanzfests am Sonntag bekanntgeben. Rund 12’000 Zuschauer:innen und 3200 Kursteilnehmende lockten das Programm und das schöne Wetter ans Festival. Auch schweizweit verzeichnete der Grossanlass einen Rekord: Rund 10’000 Personen mehr als 2025 hätten eine der Veranstaltungen besucht. |
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| | Brand in der Kehrichtverwertungsanlage
Am Samstagnachmittag ist es in der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in der Grüze zu einem Brand gekommen. Ausgelöst wurde er durch «Selbstzündung» des Abfalls im Lagerbunker, wie die Stadt am Sonntag mitteilte. Brände im Bunker kommen immer wieder vor, zuletzt brach ein Mottbrand im Mai vor einem Jahr aus. Die Löscharbeiten sind laut Schutz und Rettung Winterthur «sehr personalintensiv». Zwar habe das Feuer am Samstag unter Kontrolle gebracht werden können, der Einsatz war am Sonntag aber immer noch im Gang. Die KVA ist am Montag für die Kehrichtanlieferung geschlossen. (Bild: zvg) |
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| | Weitere Kurz-NewsErstes Nest der Asiatischen Hornisse auf Stadtgebiet: Der Honigbienen-Fresser hat sich im Lindquartier niedergelassen ‒ und wurde von dort bereits wieder getilgt. Das schreibt die Stadt in einer Medienmitteilung vom Freitag. Der gebietsfremde Schädling vermehrt sich schnell und jagt einheimische Insektenarten. Vom Bund gibt es eine zentrale Melde- und Informationsplattform. Zwei Feiern in der Lokstadt: Am 29. Mai veranstaltet das Stadtlokt Kollektiv eine nachbarschaftliche Tavolata auf dem Dialogplatz (WNTI berichtete), und am 4. Juli findet das Dialogplatzfest mit den beiden Bands PewPew und Immer Wieder Wirsing statt. Das schreiben die Veranstalter in einem Newsletter. Gratis Sonnencreme am Graben und im Geisi: Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf zeigt sich spendabel. Er finanziert zwei Spender, an denen Winterthurer:innen kostenlos Sonnencreme beziehen können. Dies teilte die Stadt am Freitag mit. Zur Verfügung gestellt werden die Geräte von der Krebsliga. FDP neu mit Co-Fraktionspräsidium: Im Stadtparlament übernehmen künftig Dani Romay und Cristina Mancuso Cabello die Führung. Das gab die Partei am Sonntagabend bekannt. Zuvor hatte Romana Heuberger die Fraktion geführt, sie wurde im März in den Stadtrat gewählt. |
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Einer Bundesrätin über den Weg gelaufen
 | Elisabeth Baume-Schneider, Bundesrätin |
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| Frau Bundesrätin Baume-Schneider vor einem Bild von Vincent van Gogh. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Frau Baume-Schneider, welches ist Ihr Lieblingsbild in der Sammlung? Das ist eine schwierige Frage (lacht). Vincent van Gogh mag ich sehr gerne – als Maler, aber auch als Persönlichkeit. Spannend finde ich bei ihm zum Beispiel auch die zahlreichen Briefe, die er an seinen Bruder geschrieben hat. Sind Sie das erste Mal hier in der Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz? Ja, ich bin zum ersten Mal da, aber es wird ganz sicher nicht das letzte Mal sein! Was ist Ihr Eindruck von der Sammlung? Ich würde einfach sagen ‹Wow›. Ich bin beeindruckt davon, wie viele wichtige Künstler:innen hier vertreten sind. Von Bruegel bis Picasso, das ist wirklich einmalig. Vorhin durfte ich vor einem Monet-Gemälde meine Eröffnungsrede halten. Eine wunderbare Sache. Die Ausstellung wirkt natürlich auch deshalb so reichhaltig, weil anlässlich der Wiedereröffnung rund 80 Prozent der Werke der Sammlung tatsächlich gezeigt werden. Normalerweise schlummern ja viele Schätze im Lager. Sind Sie das erste Mal in Winterthur? Ich war schon viele Male da, zuletzt an der Bundesratssitzung Extra-Muros 2023 und am Geburtstag von Viktor Giacobbo. Winterthur gefällt mir sehr gut, auch wegen seiner pulsierenden Kulturszene. Ich werde schauen, dass ich die Stadt schon bald wieder besuchen kann. |
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Ja, das Stadtpräsidium bleibt bürgerlich. Modisch hat sich in der Rolle aber ziemlich was getan: Statt oranger Krawatte und Van Dyke-Bart sind jetzt Khaki-Hose und weisse Turnschuhe angesagt. Das «steal-his-look» von WNTI folgt! Einen lässen Start in die Woche, Tizian |
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