Die Stromproduktion der Anlage werde laufend erfasst und ausgewertet, teilt die Stadt mit. Die Zahlen dazu hätte die Firma Equans. Eine Anfrage bei Equans blieb unbeantwortet. Gemäss der Stadt ist eine Auswertung über zwei bis drei Jahre geplant. Damit sollen Rückschlüsse auf die saisonale Stromproduktion gezogen und die langfristige Haltbarkeit der Panele überprüft werden. Auch mögliche Leistungseinbussen durch Verschmutzung oder die Beanspruchung im Alltag sollen dabei berücksichtigt werden.
Zwischen Innovation und Kostenfrage
Neben positiven Reaktionen aus der Bevölkerung gibt es auch kritische Stimmen, die vor allem die Wirtschaftlichkeit des Projekts hinterfragen. Das zeigt sich beispielsweise in den Kommentaren unter einem von der Stadt auf Instagram veröffentlichten Video zum Projekt.
Laut der Preisbeobachtungsstudie lag der Medianpreis für Dach-Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von zwei bis zehn Kilowatt-Peak im Jahr 2025 bei rund 2500 Franken pro Kilowatt-Peak, exklusive Mehrwertsteuer. Als Prototyp und bei kleinen Produktionsmengen sei das Produkt an der Grüze tendenziell teurer als eine klassische Dachanlage, erklärt die Stadt. Genaue Zahlen nennt sie dabei nicht. Gleichzeitig könnten Trottoirs und Parkflächen bei Unterhalt und Reinigung Vorteile bieten. Laut der Stadt hätten bereits andere Gemeinden Interesse an dem Projekt gezeigt.
Ein Blick in die Niederlande
Winterthur ist mit dieser Idee nicht allein. Auch in den Niederlanden wurde untersucht, ob sich Radwege zur Stromproduktion nutzen lassen. Im Juli 2021 eröffnete die Provinz Utrecht in Maartensdijk einen rund 350 Meter langen Solar-Radweg. Medienberichten zufolgen kostete das Pilotprojekt etwa 1,3 Millionen Euro. Bei der Eröffnung rechnete die Provinz mit einer jährlichen Stromproduktion von rund 137'000 Kilowattstunden.
Tatsächlich blieb die Anlage deutlich hinter den Erwartungen zurück: 2023 wurden lediglich rund 42'000 Kilowattstunden produziert. Im Jahr darauf sank die Produktion nochmals auf etwa die Hälfte.Ein Grund für die enttäuschenden Ergebnisse seien laut Medienberichten technische Probleme gewesen: Anfangs funktionierte ein grosser Teil der Module aufgrund eines Produktionsfehlers nicht. Später beeinträchtigte zudem die durch UV-Strahlung beschädigte Schutzschicht die Leistung der Anlage.
Im Juni 2026 zog die Provinz Konsequenzen. Nach einer mehrjährigen Testphase kam sie zum Schluss, dass die Technologie noch nicht ausreichend ausgereift sei, um sie grossflächig einzusetzen. Der Solar-Radweg in Maartensdijk soll deshalb durch einen herkömmlichen Radweg ersetzt werden.
Die Erfahrungen aus den Niederlanden lassen sich nicht eins zu eins auf Winterthur übertragen, da sich die Bauweise der Anlagen unterscheidet. Für das Solartrottoir in der Grüze wird deshalb entscheidend sein, wie zuverlässig die Module über mehrere Jahre Strom produzieren und ob sich die Investition wirtschaftlich rechtfertigen lässt. Erst dann wird sich zeigen, ob aus dem Solartrottoir mehr wird als ein spannender Versuch.