Lydia Fazliji habe sich auch beim Verein beworben, doch landete schliesslich bei «Nidino». «Sie waren schlicht schneller», erklärt sie. Zudem befürchtete sie, beim Verein länger auf eine Kinderzuteilung warten zu müssen, da die Tagesmütter dort bereits stärker etabliert seien.
Als Tagesmutter darf Lydia Fazliji bis zu sechs Kinder in ihrem Zuhause in Sennhof gleichzeitig betreuen. Seit März kümmert sie sich um fünf Kinder und kommt auf rund 260 Betreuungsstunden im Monat.
Bezahlt wird sie pro Kind und Stunde. Finanziell verdiene Lydia Fazliji als Tagesmutter zwar etwas weniger als früher in der Kita, doch da die eigenen Betreuungskosten und der Arbeitsweg entfallen, gleiche sich das aus. «Ich kann damit gut leben», sagt sie. Doch wäre sie alleinerziehend, hätte sie sich den Schritt ohne die Unterstützung ihres Mannes vermutlich nicht getraut.
Ein Blick auf die Tarife
Bei Nidino bezahlen privat finanzierte Eltern derzeit 15.50 Franken pro Stunde für Säuglinge und 13.50 Franken für Kleinkinder, Mahlzeiten inbegriffen. Rund 3.50 Franken behält das Start-up ein, der Rest geht an die Tagesfamilie. «Bei einem Betreuungstag von zehn Stunden liegen wir preislich vergleichbar mit einer Kita», erklärt Christian Meyer. Der grosse Vorteil sei, dass die Betreuung stundengenau abgerechnet werden könne. Wer sein Kind beispielsweise nur acht statt zehn Stunden betreuen lässt, bezahlt entsprechend weniger.
Der Privattarif beim Verein Tagesfamilien Winterthur Weinland liegt bei 11.60 Franken pro Stunde, bei einem Baby bei 12.80 Franken. Die Mahlzeiten werden extra abgerechnet. Aufgrund der Leistungsvereinbarungen mit 32 Gemeinden können Eltern Subventionen beantragen.
Auch Nidino bietet subventionierte Betreuungsplätze an. Familien können dafür von der Stadt einkommensabhängige Beiträge erhalten, sofern ihr steuerbares Einkommen, zuzüglich zehn Prozent des Vermögens, weniger als 105'745 Franken beträgt.
Mehr Freiheit als in der Kita
In ihrer neuen Rolle geniesst Lydia Fazliji vor allem die Flexibilität im Alltag. Während Abläufe in Kitas stark vorgegeben seien, kann sie als Tagesmutter spontan auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen: Wenn die Kinder früher Hunger haben, gibt es das Mittagessen eben schon eine Viertelstunde früher, wird noch vertieft gespielt, wartet das Essen etwas länger.
Für Lydia Fazliji habe sich der Schritt auf jeden Fall gelohnt: Aus der Suche nach einer Kita-Alternative wurde für sie ein neues Arbeitsmodell.