Im Büro der Kurzfilmtage an der Turnerstrasse 1 laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren, die Konzentration im Raum ist spürbar: Bald geht es los. Überall hängen Plakate, Programmübersichten und Zeitpläne an den Wänden. Mittendrin steht John Canciani, der künstlerische Leiter der Kurzfilmtage Winterthur.
Mit seinen rund 1,90 Metern wirkt er beinahe klein neben der Wand mit der Programmtafel, die er und sein Team in den kommenden Tagen mit Leben füllen werden. Für Canciani ist es eine intensive Zeit, «aber auch eine, die sich jedes Jahr aufs Neue lohnt», sagt er.
Treffpunkt für Filmschaffende und Filmliebhaber
Seit 30 Jahren gehören die Kurzfilmtage fest zum kulturellen Leben der Stadt. Was einst aus der Initiative engagierter Filmfans entstand, ist heute ein internationaler Treffpunkt für Filmschaffende, Branchenleute und ein Publikum, das gerne neue Perspektiven entdeckt, erklärt Canciani. Auch ehrenamtliches Engagement spiele dabei eine wichtige Rolle.
Seit 2009 ist John Canciani im Verein aktiv. «Ich war schon immer ein Filmfan», sagt er. Über die «Slam Movie Night» kam er zu den Jugendfilmtagen und schliesslich zu den Kurzfilmtagen. Zunächst kümmerte er sich um die Gästebetreuung und das Jugendprogramm, bald arbeitete er auch am Programm des internationalen Wettbewerbs mit.
Seit 2013 trägt Canciani die künstlerische Verantwortung für das Festival. «Ich bin aktiv in der Auswahl der Wettbewerbe und kuratiere bei den anderen Programmen mit», so der Leiter.
Neben den Wettbewerben ohne thematischen Schwerpunkt setzt das Festival mit kuratierten Programmen gezielte Akzente. Dazu gehören Reihen zu bestimmten Ländern und Regionen, thematische Schwerpunkte und Programme über einzelne Filmschaffende.
«Die Arbeit beginnt lange vor dem eigentlichen Festival», erklärt Canciani. Bereits ab Januar besucht er mit seinem Team andere Festivals, knüpft neue Kontakte und sichtet neue Filme. Aus den Begegnungen und Diskussionen entstehe nach und nach das Programm für den Herbst.
Ein Fenster in andere Lebenswelten
Das Festival soll nicht nur Geschichten zeigen, die dem europäischen Publikum bereits vertraut sind. «Wir wollen Stimmen aus der ganzen Welt zeigen, wie auch eine Alternative zu den gängigen medialen Bildern», erklärt der künstlerische Leiter. «Filme aus unterschiedlichen Regionen eröffnen Einblicke in Lebensumstände und Sichtweisen, die im Alltag oft wenig Platz erhalten», so Canciani.
Genau darin liege die Stärke des Kurzfilms: Er könne vertraute Themen aus einer ungewohnten Perspektive erzählen und das Publikum mit anderen kulturellen Erfahrungen konfrontieren. Das Festival verstehe sich deshalb als Fenster in andere Lebenswelten.
Der Wettbewerb
Rund 5000 Kurzfilme werden jährlich eingereicht. Für den internationalen Wettbewerb kommen Kurzfilme mit einer maximalen Laufzeit von 30 Minuten infrage, für den Schweizer Wettbewerb sind es bis zu 40 Minuten, erklärt Canciani. Die Filme dürfen höchstens zwei Jahre alt sein. Canciani erläutert, dass Weltpremieren bei Schweizer Produktionen keine Pflicht sind, die meisten Filme im Schweizer Wettbewerb aber dennoch Weltpremieren sind.
Auch im internationalen Wettbewerb zeigt das Festival neue Arbeiten, darunter Welt- und internationale Premieren. Neben dem Wettbewerb ergänzen kuratierte Reihen das Angebot. Insgesamt werden dieses Jahr an sechs Tagen mehr als 200 Filme gezeigt. Ein besonderes Augenmerk liegt dieses Jahr auf dem iranischen Kino.