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| | Guete Morge Winterthur In Neuhegi erinnert der neubenannte «Villaggio-Weg» bald an die zahlreichen migrantischen Arbeitskräfte, die dem Ruf der Industriestadt Winterthur gefolgt sind. In der Barackensiedlung «Villaggio» lebten ab 1946 Sulzer-Mitarbeiter aus ganz Europa.
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| Im Freizeitraum in einer der Villaggio-Baracken im Jahr 1963 (Bild: Sammlung Winterthur) |
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| «Villaggio-Weg» macht Migrationsgeschichte sichtbar |
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| Sulzer, Rieter, SLM und Co. ohne ausländische Arbeitskräfte? Unvorstellbar, denn jemand musste die Arbeiten machen, für die sich keine Schweizer:innen finden liessen. In Neuhegi taufen die Stadt und das Interkulturelle Forum Winterthur nun den «Villaggio-Weg» – und erinnern an einstige Wohnbaracken für Arbeitskräfte aus ganz Europa. |
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| Zu viert in einem Zimmer, auf dem Gang kleine Waschmöglichkeiten, die Verhältnisse sauber, aber sehr eng und ohne Kontakt zur Schweizer Bevölkerung: so wohnten ab 1946 bis zu 400 Männer in Baracken neben der Sulzerhalle 710 im heutigen Neuhegi. Die Baracken erhielten den Übernamen «Villaggio», italienisch für Dorf. Duschen gab es nicht, dafür eine kleine Bar, eine selbstgebaute Boccia-Bahn und einen beliebten italienischen Fussballclub für Sulzer-Arbeiter. Auch Rieter baute sogenannte «Wohnbaracken», beispielsweise an der Eichliackerstrasse. Wer dort oder im Villaggio wohnte, musste nach neun Monaten meist wieder ausreisen. So wollte es das damalige Aufenthalts- und Niederlassungsgesetz. Die Männer sahen ihre Familien in dieser Zeit nicht und kehrten doch jedes Jahr wieder zurück. |
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| Das Villaggio kurz vor dem Abriss. Im Hintergrund die Halle 710, die auch heute noch steht. (Bild: Sammlung Winterthur) |
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Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Winterthurer Industrie ihre Blüte. Sulzer, Rieter und SLM suchten händeringend nach Arbeitskräften, die sie bald im Ausland fanden: In den 1960er Jahren arbeiteten bereits 4600 sogenannte «Gast- oder Fremdarbeiter» bei Sulzer. Viele von ihnen kamen aus Italien, aber nicht nur: «Es ist Fakt, dass bereits sehr früh auch Migrant:innen aus anderen Ländern gekommen sind», sagt Monika Imhof, Projektverantwortliche für die Benennung des «Villaggio-Weges». Imhof beschäftigt sich beruflich seit langem mit Migrationsprojekten in der Region. Dabei setzt sie sich immer wieder mit migrantischen Vereinen, wie beispielsweise dem ‹Comitato Cittadino italiano di Winterthur›: «Dies brachte die Idee auf, den Beitrag der Italiener:innen in unserer Stadt zu würdigen», erzählt sie. Gemeinsam mit dem Winterthurer Historiker Miguel Garcia, der Stadt Winterthur und dem Interkulturellen Forum Winterthur (IFW) sei daraus ein Projekt zur Würdigung aller Migrant:innen entstanden. Am 7. Mai wird Bauvorsteherin Christa Meier die Wegschilder enthüllen, gleichzeitig sind verschiedene Redner:innen angekündigt, darunter Stadtpräsident Mike Künzle. |
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| Projektleiterin Monika Imhof am Ort, wo die Baracken einst standen. (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Sulzer habe sich die Baracken-Siedlung «schöngeredet», sagt Monika Imhof. In der unternehmensinternen Zeitung schreibt Sulzer 1960, das Villaggio sei ein «südländisches Idyll, in dem der italienische Mitarbeiter seine nationale Eigenart pflegen kann». Die räumliche und soziale Trennung der ausländischen Arbeitskräfte von der Schweizer Bevölkerung passte in die damalige Zeit. Integrieren sollten sie sich nicht. Die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft wollte damals flexible Arbeitskräfte, die man jederzeit wieder loswerden konnte. |
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| | «Ich habe nicht gerne dort gewohnt.» Marcello Maffucci, Zeitzeuge und ehemaliger Bewohner |
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| Da immer mehr Arbeiter:innen nach Winterthur kamen, wurde es im Villaggio enger. 1961 besuchte der italienische Arbeitsminister Fiorentino Sullo die Siedlung und war über die Zustände nicht erfreut. Zudem beschwerten sich die Bewohner, dass die Miete für ein Bett viel zu teuer sei. Die Baracken wurden noch bis Mitte der 1960er Jahren als Unterkünfte benutzt, danach vermietete man sie bis 2008 an verschiedene migrantische Vereine für Vereinsaktivitäten. «Sobald der Familiennachzug möglich wurde, suchten sich die Familien eigene Wohnungen», erklärt Monika Imhof. 2008 liess die Stadt die Baracken abreissen, da der Eulachpark den Platz beanspruchte. Heute erinnert am Ort nichts mehr an die migrantischen Arbeiter:innen. Das ändert sich nächste Woche mit der Umbenennung eines Weges hinter der Halle 710. «Es ist ein Glück, dass dieser Weg bis jetzt namenlos war. Das macht es um einiges einfacher und niemand muss mühsam seine Adresse wechseln», sagt Monika Imhof lachend. |
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| Bald heisst dieser Weg offiziell «Villaggio-Weg». (Bild: Gioia Jöhri) |
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| Es freue sie sehr, dass die Stadt das Projekt unterstützt und fördert, sagt Projektleiterin Monika Imhof. Denn: «Winterthur ist eine Migrationsstadt. Es ist wichtig, dass wir auch als Migrationsstadt handeln und alle mit einbeziehen, die hier wohnen und arbeiten. Das ist für mich die Grundlage der direkten Demokratie». Das Projekt «Winternational. Stimmen der Migration; einst und jetzt» wird finanziell sowohl von der Stadt als auch vom Bund unterstützt. Und auch die Stiftung Geilinger beteiligt sich finanziell. Die Anfrage bei Sulzer sei noch hängig. |
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| Neue Ausstellung im Museum Schaffen Der Braumeister, der Mälzer, aber auch der Wagenmeister, die Chefbuchhalterin, der Schreiner, die Spetterin und viele mehr: Menschen in über 80 verschiedenen Berufen haben die Geschichte der Brauerei Haldengut zwischen 1843 und 2002 geprägt. Nun tauchen sie wieder auf zusammen mit einem Schatz von Kulturgütern, Maschinen und Werkzeugen: Ab 8. Mai in der neuen Ausstellung «Erinnerungstank Haldengut – Wir zapfen Geschichte» im Museum Schaffen. |
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| | | Kritik an Kirchenkauf und Hülfsgesellschafts-PräsidentDie Hülfsgesellschaft kaufte 2019 die Eglise française, um auf einem grossen Areal neben ihrem Seniorenzentrum Wiesengrund 67 neue Wohnungen erstellen zu können. Die Kirche darf nun aber nach einem Rekurs des Heimatschutzes nicht abgerissen werden, wie der Landbote schreibt. Dies zwingt zur Redimensionierung des Projektes. Und im Stiftungsrat der Hülfsgesellschaft wird die anonyme Kritik am Präsidenten lauter. |
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| Designgut fällt 2026 aus und zieht 2027 umDie Designgut-Messe für nachhaltige Labels findet 2026 nicht statt, wie der Landbote schreibt. Zudem zieht die Messe nach 16 Jahren im Casinotheater 2027 an verschiedene Standorte am Lagerplatz um. Dies habe mehrere Gründe: feuerpolizeiliche Auflagen, weniger Besuchende seit Corona und ein verstärkter Fokus auf Kreislaufwirtschaft. Die finanzielle Zukunft der Designgut 2027 ist noch nicht gesichert, es läuft ein Crowdfunding. |
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| | Brand an der Burgstrasse
Brand an der Burgstrasse: Gestern Mittag wurden Einsatzkräfte der Notrufzentrale Schutz und Rettung Zürich zu einem Wohnungsbrand in Wülflingen gerufen. Zwei Personen mussten mit Verdacht auf Rauchvergiftungen ins Spital gebracht werden. In zwei Wohnungen entstand ein Sachschaden von mutmasslich über 100’000 Franken, schreibt die Kantonspolizei Zürich. Die Brandursache ist derzeit unklar und wird ermittelt. Die Burgstrasse war am Mittwoch zeitweise nur eingeschränkt befahrbar. (Bild: Kantonspolizei Zürich) |
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| | Stadt Winterthur strebt Unicef-Label «kinderfreundliche Gemeinde» an: Gemeinsam mit Unicef wurde evaluiert, was es in Winterthur dafür noch braucht. Eine Erkenntnis ist, dass Kinder und Jugendliche selbst mitreden sollen. Nach den Frühlingsferien werden deshalb zehn Prozent der Winterthurer Kinder und Jugendlichen in Schulen und Jugendtreffs nach ihrer Perspektive befragt. Die Stadt entnimmt dafür 73’000 Franken aus dem Kinder- und Jugendfonds, weitere 37’000 Franken versprachen Stiftungen und der Kanton Zürich, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Coucou-Kalender im neuen Kleid: Heute geht die neue Website des Coucou online und damit auch eine neue optimierte Version ihres Kulturkalenders. Dies soll mehr Inklusion, verbesserte Navigation mit dem Smartphone und besseres Teilen auf Social Media ermöglichen. Zudem habe die Website den heute geltenden technischen und gestalterischen Anforderungen nicht mehr standhalten können. |
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| | | Geister auf der Mörsburg
 | Geister auf der Mörsburg «Die ich rief, die Geister / Werd’ ich nun nicht los», verzweifelt der Zauberlehrling in Goethes Gedicht. Ein bisschen wie Geister sehen die Skulpturen des Winterthurer Bildhauers Klemens Pasoldt aus, und er stellt sie passenderweise auf der Mörsburg bei Stadel auf. Am 1. Mai startet die Ausstellung. Wer mit deren Titel, «Geister, die ich rief» also nicht den Kapitalismus meint, schwingt sich aufs Velo und fährt aus der Stadt hinaus nach Stadel, um sich die riesenhaften Holzskulpturen anzuschauen. Die Vernissage dauert von 14 bis 17 Uhr, der Eintritt ist gratis. (tz) |
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| «Grosser Wächter» vor der Mörsburg. (Bild: zvg) |
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| | Über «echte» Geister auf der Mörsburg habe ich bereits einmal geschrieben. Nun sind immerhin Holz-Geister für alle sichtbar im Schlossgarten eingezogen. Alle anderen bleiben wohl auch weiterhin unsichtbar👻. Bis bald und hebs guet, Gioia |
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