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Guete Morge Winti :)
Gestern früh war es ruhiger auf den Strassen Winterthurs als sonst. Ausser vor dem Busdepot. Rufen, Trillerpfeifen und blockierte Busse. Die Fahrer:inen von Stadtbus standen von 4.30 bis 8.30 Uhr im Streik. Wie es nun weitergeht, erfährst du weiter unten.
Gestern war auch deine letzte Chance, dein Wahlcouvert per Post zu senden. Ab heute musst du direkt beim Superblock vorbei oder dich bis zum Wochenende gedulden, um die Zettel persönlich in die Urne zu werfen. Falls du sie noch nicht ausgefüllt hast, habe ich dir weiter unten eine leicht gemeine Auslegeordnung der verschiedenen Wahlwerbungen zusammengestellt.
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Ein sarkastischer Blick auf die Winterthurer Wahlwerbung |
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Je näher der Abstimmungstermin, desto mehr Werbung wird dir in deinen Feed gespült. Das zeigte kürzlich eine Studie der ETH. Und: Je öfter ein Post angezeigt wird, der eine Initiative befürwortet, desto eher wird diese angenommen. |
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Zwar sagt die Studie nichts darüber aus, ob dieser Zusammenhang auch bei Wahlen besteht, doch klar ist: Die Winterthurer Parteien haben in diesem Wahlkampf einiges an Werbematerial produziert. Hochglanz ist dabei allerdings oft nur das Papier der Flyer – hier kommt ein sarkastischer Blick auf die Wahlwerbung der Winterthurer Parteien. Von links nach rechts. |
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AL Die Alternative Linke kommt mit der grafisch hübschesten Werbung daher. Die pinken Linken schiessen dabei sogar über das Ziel hinaus – die kleine Broschüre hat die Aura eines Ausstellungs-Flyers, den man nach dem Besuch in einem hippen Museum mitnimmt, bevor man ihn zu Hause auf einen Tisch legt und nie mehr anschaut. Das «Wo ist der linksalternative Stereotyp?» im Schwimmbad «Wolfi» zeigt die wohl zahmste Besetzungsfantasie aller Zeiten. Bleibt nur noch abzuwarten, ob die AL auch an der Urne baden geht. |
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| Könnte schlimmer sein. Immerhin wird der Boden gewischt. (Bild: WNTI) |
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SP Die Wahlbroschüre der SP ist optisch zwar ansprechend, versprüht allerdings den Charme eines Versicherungsprospekts. Rot, schwarz, weiss – alles schön einheitlich und normiert. Auch die Fotos der Kandidierenden. Gegenüber dem Vorwurf, die SP sei zu einer Partei der Akademiker:innen verkommen, wirkt ihre Broschüre wie eine Kapitulationserklärung. Immerhin passt der didaktische Ton zur hohen Anzahl an Lehrpersonen auf der Liste. Ein Detail – aber als Partei, die sich für Kultur und Arbeitsbedingungen starkmacht, wäre es keine Schande gewesen, statt einer KI eine lokale Illustrator:in für diese Grafik zu engagieren. |
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Grüne Statt einer Broschüre setzten die Grünen auf eine «Wahlzeitung». Also ein einziges, aber immerhin doppelseitig bedrucktes A3-Papier. Aber nicht nur im Umfang, sondern auch im Niveau der Texte gleicht es einer Schüler:innezeitung. Damit haben die Grünen etwas mit WNTI gemeinsam – dieser Vorwurf wurde auch schon gegen diese Redaktion erhoben. Trockene, aneinandergereihte Ellipsen lösen szenische Beschreibungen summender Bienen ab. Dass die Kehrseite nicht als Poster fungiert, ist eine verpasste Chance – nicht alles muss direkt in der Recyclingstation landen. Wiederverwertet haben die Grünen allerdings das Set ihres Fotoshootings: Auf der Rückseite prangt eigentlich das gleiche Foto wie auf der Vorderseite. Auch bei den gestellten Sujets bleibt die Partei ihren ökologischen Wurzeln treu, denn hölzern sind beide. |
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GLP Der Prospekt der Grünliberalen lässt vermuten, dass sich unter dem grünen Lack halt doch ein liberaler Kern verbirgt. Wie die FDP setzt die Partei auf einen aufklappbaren Flyer, übertrifft ihre hellblauen Kamerad:innen aber noch im Umfang: Statt drei gibt es ganze vier Seiten – und das, obwohl die FDP dreimal so viele Kandidat:innen stellt. Very Business sind auch bei der GLP die Fotos der Kandidierenden. Unter allen prangen deren Social-Media-Logos – vor allem LinkedIn. Blöd nur, kann man ein Papier nicht anklicken. |
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EVP Während die SP und die GLP auf viel Text setzten, sprintet die EVP in die andere Richtung. Positionen? Forderungen? Egal. Gesichter auf Hochglanzpapier! Immerhin zeigt die EVP potenziellen Wähler:innen gleich selbst, wie sie eine andere Partei wählen können. Auf Instagram erhoffen sich die Christ:innen göttliche Hilfe und setzen auf KI-Jesus. Der scheint sich die Anleitung der Partei zu Herzen genommen zu haben – denn er schielt auch auf alle anderen Parteien als die EVP. |
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| “Politik? Sicher nicht, ich bin Christ!” — Zitat aus dem EVP-Wahlvideo. (Bild: Screenshot) |
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Die Mitte Ausser, dass die Mitte ihre Kandidierenden als «unsere Crew» bezeichnet und mit diesem Versuch der «Jugendsprache» ihr eigenes Nachwuchsproblem gleich selbst offenlegt, ist der Flyer der Partei soweit unspektakulär. Spannender ist hier ein Blick auf ihr Instagram-Profil. Statt auf KI-Jesus setzt man hier voll und ganz auf Andreas Geering. Denn dieser scheint die komplette Social-Media Strategie zu sein. |
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| Da könnte man ja gleich ein Poster drucken. (Bild: Screenshot) |
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FDP Die Freisinnigen wollen, dass du wirklich, aber auch so wirklich wirklich weisst, dass sie ganz viele Leute mit Jackett auf ihrer Liste haben – und gewinnen dabei den Preis für das unübersichtlichste Wahlplakat des Jahres. Quartierladen, Marktstand und KMU – diese Arbeitsplätze seien das Rückgrat des Wohlstands, schreibt die FDP in ihrem Prospekt. Welch gewichtige Worte, welch bodenständige Werte! In Winterthur gibt es demnach scheinbar keine KMU für Animation. Denn auf Instagram setzt der Freisinn lieber auf KI-Slop statt lokales Kunsthandwerk und lässt sich ihre Wahlanleitungsvideos rasch generieren – und vergisst dabei, dass Social Media im Hochformat funktioniert. |
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SVP Die Wahlwerbung der SVP ist wenig, wenn nicht verlässlich, kommt sie doch seit Jahren immer gleich daher. Nicht wirklich hübsch, nicht wirklich übersichtlich, aber mit grosser Schrift, roten Kreuzen und grünen Haken, sodass auch schon vor der Lektüre klar ist, wie man am besten wählt. Selbstverständlich fehlt auch der überspitzte Appell an die ältere Generation nicht. Denn wusstest du, dass du bald dein Grosi nicht mehr besuchen darfst? Und der Staat daran Schuld ist? |
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| Ganz schön schockierend, wenn es denn stimmen würde. (Bild: WNTI) |
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Zusammen mit der FDP und der Mitte macht sich die SVP gerne für Sicherheit, Recht und Ordnung stark. Mit dieser Tradition scheinen die bürgerlichen Parteien nun brechen zu wollen. Zumindest im digitalen Raum, denn dort begehen sie ein veritables Verbrechen gegen die Sinne. KI‑generierte Bilder, die so alt daherkommen, dass sie beinahe schon retro sind, und ein Hashtag, der nur von jemandem stammen kann, der die Jugend mit erwachsen sein wollen verbracht hat. Auf «hippe», «coole» und definitiv nicht gezwungene Art und Weise werben die Parteien für mehr Respekt im öffentlichen Raum. |
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| Cringe: Kennsch? (Bild: Screenshot) |
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| Busfahrer:innen gehen in die Verhandlung Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) sprach am Dienstagmorgen direkt mit den Streikenden ‒ bis es zu einer Beleidigung kam. (Bild: Nick Eichmann)
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| Gestern streikten die Fahrer:innen von Stadtbus von 4.30 bis 8.30 Uhr. Die Stimmung beim Busdepot war aufgeladen: Jemand aus der Menge bezeichnete Stadtrat und Vorsteher der technischen Betriebe Stefan Fritschi unter anderem als «Sauhund». Trotzdem kam es um sieben Uhr zu Gesprächen zwischen ihm und den Streikenden. Laut einem Sprecher der Gewerkschaft VPOD, die zum Streik aufgerufen hatte, habe sich Fritschi bereiterklärt, sachlich und substanziell über die Forderungen der Busfahrer:innen zu diskutieren. Die Verhandlungen sind auf den Donnerstag angesetzt. Laut VPOD solle bis Mittwoch ein Resultat vorliegen. Käme es allerdings zu keiner Einigung, sei ein weiterer Streik geplant. Dieser würde allerdings den ganzen Tag dauern und unangekündigt stattfinden. |
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| | Referendum gegen Aufforstung kommt zustande SVP-Parlamentarier Jan Ehrbar (4.v.l.) und Pächter Stefan Märki (2.v.l.) überreichten die 1372 Unterschriften zur Prüfung der Stadtkanzlei. (Bild: Tizian Schöni)
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| Gestern Nachmittag fuhren zwei Traktoren vor dem Superblock auf. In der Heckschaufel: Produkte von Stefan Märkis Hof. Zwiebeln, Kartoffeln, Randen oder Rapsöl, die auf Land angebaut werden, das die Stadt dem Bauern in zwei Jahren voraussichtlich nicht mehr neu verpachtet. Wegen der bevorstehenden Sanierung der nahegelegenen ARA (WNTI berichtete zuletzt im Parlamentsbrief) muss wertvoller Wald gerodet werden. Diesen will die Stadt auf ihrem nahegelegenen Pachtland wieder aufforsten. Für alle Parteien ausser der Mitte und der SVP war der Kompromiss gelungen, letztere unterstützte nun eine neu gegründete IG Fruchtfolgeflächen beim Ergreifen des Referendums. 1372 Unterschriften seien zusammengekommen, sagte SVP-Parlamentarier Jan Ehrbar bei der Übergabe an die Stadtkanzlei. Auch er bestätigte, das Referendum richte sich nicht gegen die ARA-Sanierung selbst: «Eine Verzögerung des Projekts wäre nicht in unserem Sinn.» (tz) |
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| | Swica hat neuen CEO: Wie punkt4info schreibt, ist Rolf Bruder der neue Geschäftsführer der Swica Gesundheitsorganisation. Antreten wird er die Stelle ab November. Davor leitete er den Konzernbereich Finanzen bei der CSS-Gruppe. Rekorderöffnung für Geheimgang 188: Wie der Escape-Room beim Lagerplatz in einer Mitteilung schreibt, erfreut sich der neue Raum «Das Erinnerungsarchiv» grosser Beliebtheit. Seit seiner Eröffnung vor knapp einem Monat besuchten ihn bereits 429 Leute. Das stellt einen neuen Besucherrekord dar. Ein Punkt für Winti: Die FCW-Fanseele blutet schon seit Längerem und rot-weisse Herzen gleichen in dieser Saison einem Nadelkissen. Trotzdem: komplett kapituliert hat Winti im Abstiegskampf noch nicht. Mit einem mutigen und kampfbetonten Auftritt erstreiten sich Rahmens Mannen gegen Servette einen Punkt. Roman Buess bringt Winterthur früh in der zweiten Hälfte in Führung. Kryeziu zieht in der 63. Minute aber die Notbremse und sieht rot. Im darauffolgenden Abnutzungskampf schiesst Servette in der 79. doch noch den Ausgleich. Ein kleiner Funke Hoffnung flammte trotzdem auf. Nun gilt es, diesen als Initialzündung für die Aufholjagd zu nutzen. |
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Was ist deine Meinung zum Streik?
 | Was ist deine Meinung zum Streik? Uns interessiert deine Meinung: Wie hast du die vier Stunden ohne Bus erlebt? Und wie stehst du zum Streik? Schreibe uns und lies morgen, was Winti zum Streik der Busfahrer:innen zu sagen hat. |
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Zum Glück bin ich kein Busfahrer. Das ist keine Aussage zu den Arbeitsbedingungen – um 5 Uhr aufzustehen, um zum Busdepot zu gehen, hat mir einfach gezeigt, dass mir um diese Uhrzeit kein Fahrzeug anvertraut werden sollte. Ich bin dann noch zu nichts zu gebrauchen. Bis bald, Sebastian von WNTI |
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