Wie viel Zukunft steckt in Winterthurs Altstadt?
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#67 | 06.08.2025 | Online lesen | Unterstützen

WNTI Wintibrief

Marit Langschwager

Ciao, es ist Mitte der Woche!

Die einen verreisen für ein paar Wochen, andere scheinen gar nicht mehr zurückzukommen: In der Winterthurer Altstadt erinnern viele leere Läden an Geschäftsferien ohne Rückflugdatum. Wo früher Schaufenster zum Stöbern einluden, prägen heute blickdichte Folien und verlassene Verkaufsflächen das Bild. Der Einkaufsbummel durch die Innenstadt wirkt zunehmend farblos. Die Altstadt verliert nach und nach ihre Gesichter.

Der ehemalige «Best Smile»-Store steht seit Ende Januar leer. (Bild: Marit Langschwager)

Nun bestätigt eine Analyse der Immobilienberatungsfirma CBRE diesen Eindruck: Immer mehr Geschäfte stehen seit Anfang 2025 leer. Am Untertor stehen rund 5,6 Prozent aller Ladenlokale leer, in der Marktgasse sind es 4,8 Prozent. Das gibt eine durchschnittliche Leerstandsquote von 5,1 Prozent. Im Vergleich mit anderen Schweizer Städten liegt Winterthur beim Anteil leerer Ladenlokale weit vorn. Nur St. Gallen verzeichnet mit 5,7 Prozent einen noch höheren Leerstand.

In den letzten Monaten haben mehrere Geschäfte in der Winterthurer Altstadt geschlossen – darunter auch Butlers und das Traditionshaus Ecla. Laut Muriel Sager von der Untertor-Vereinigung standen zuletzt vier Ladenflächen leer. Drei davon seien inzwischen wieder vermietet. «Es ist schön zu sehen, dass die Flächen wieder belebt werden», sagt Sager. Gleichzeitig arbeite die Gassenorganisation an Ideen, um weitere Leerstände zu füllen. Neben Pop-up-Stores sollen auch langfristige Projekte geprüft werden.

«Die Altstadt Winterthur besteht aus mehreren Gassen. Und es gibt viele Läden, die sich seit Jahren halten.»

Bea Linder, Geschäftsführerin City-Vereinigung Junge Altstadt

Die City-Vereinigung Junge Altstadt beobachtet die Entwicklungen rund um den Leerstand bereits seit längerem. Geschäftsführerin Bea Linder weist jedoch darauf hin, dass sich die aktuelle Studie nur auf einen Teilbereich bezieht – konkret auf das Untertor und die Marktgasse. «Die Altstadt Winterthur besteht aus mehreren Gassen. Und es gibt viele Läden, die sich seit Jahren halten», sagt sie.

Viele Läden stehen in der Innenstadt derzeit leer. (Bild: Marit Langschwager)

Auch Nina Cavigelli vom Amt für Stadtentwicklung betont, dass der Leerstand nicht flächendeckend sei, sondern stark von der jeweiligen Lage abhänge. Die Stadt stehe in engem Austausch mit der City-Vereinigung, um mögliche Lösungen zu erarbeiten. Dabei setze man auf flexible Nutzungskonzepte wie Pop-up-Stores oder Ladenlokale, die als Abholstationen für Online-Bestellungen dienen können.

Cavigelli ist überzeugt: «Die Winterthurer Altstadt wird auch in Zukunft ein attraktiver Ort sein. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sie sich zukünftig verstärkt in Richtung Begegnungs-, Kultur- und Eventort entwickeln könnte.»

Die Firma CBRE hat zudem die Mietpreise untersucht. So ist laut ihrem Bericht das Untertor mit bis zu 183 Franken pro Quadratmeter im Monat am teuersten. An der Marktgasse liegen die Höchstpreise bei 125 Franken pro Quadratmeter. Doch auch in anderen Schweizer Städten kämpfen Leute mit den Mietpreisen. An der Freien Strasse in Basel kostet die Miete zum Vergleich pro Quadratmeter und Monat 242 Franken.

Shopping in der Innenstadt. (Bild: Marit Langschwager)

Bea Linder betont jedoch, dass nicht allein die hohen Mieten für den Leerstand verantwortlich seien. Auch der Online-Handel und die Erwartungen der Mieter:innen spielten eine Rolle. «Es braucht heute mehr Mut, etwas Neues auszuprobieren. Man muss sich genau überlegen, wie man die Kundschaft erreicht», sagt sie. Dennoch erhält die Vereinigung weiterhin zahlreiche Anfragen von Unternehmen, die Interesse an einem Standort in der Innenstadt haben.

Um bestehende Leerstände besser zu nutzen, braucht es laut Linder einen City-Manager. Ein Pilotprojekt in Luzern habe bereits gezeigt, dass mit einer solchen Stelle neue Nutzungskonzepte entwickelt und gezielt umgesetzt werden könnten. Die Idee liege bereits auf dem Tisch – nun sei es an der Stadt, sie aufzugreifen und in Bewegung zu bringen.

Rubrik: Was lauft?
  • Vermisstes 13-jähriges Mädchen wieder angetroffen: Die Kantonspolizei Zürich suchte seit Donnerstagnachmittag nach einem 13-jährigen Mädchen. Die Jugendliche hatte ihren Aufenthaltsort in Heiden (AR) verlassen und wurde seither vermisst, wie die Polizei am Sonntag schrieb. Am Montagmittag konnte die Polizei Entwarnung geben: Das Mädchen wurde wohlbehalten

    in Winterthur gefunden.


  • FCW mehrere Wochen ohne Loïc Lüthi: Der FC Winterthur muss weiterhin mehrere Wochen auf Loïc Lüthi verzichten. Wie der Verein mitteilte, leidet der 21-jährige Innenverteidiger an einer Entzündung am Oberschenkelknochen, die er sich zu Beginn der intensiven Vorbereitung zugezogen hat. In der vergangenen Saison stand das Eigengewächs in 26 von 38 Meisterschaftsspielen in der Startelf.


  • Weiachstrasse wird für ein Wochenende gesperrt: Die Weiachstrasse in Neftenbach wird am kommenden Wochenende vollständig gesperrt, wie die Gemeinde mitteilt. Zwischen dem Kreisel Tössallmend und der Allmendstrasse bleibt die Strecke von Freitag, 8. August 2025, 19 Uhr, bis Montag, 11. August 2025, 4 Uhr unpassierbar. Grund für die Sperrung sind umfassende Bauarbeiten: Der Strassenbelag wird erneuert, und Schachtabdeckungen werden ersetzt. Auch der öffentliche Verkehr soll von der Sperrung betroffen sein.

Rubrik: Winti weiss

Als ein Stück Stadtgeschichte einfach verschwand

Zur Altstadt in Winterthur gehören natürlich die historischen Bauten und Brunnen. Sie prägen das Stadtbild und sind das Herz der Innenstadt. Doch wusstest du, dass vor rund 150 Jahren das letzte Stadttor einfach verschwand? Im Oktober 1871 wurde der letzte Stadttorbogen Winterthurs, der Obere Bogen, abgerissen und zwar still und ohne grosses Aufsehen.

Bereits ein Jahr zuvor hatte die Gemeinde den Abriss beschlossen, vor allem aus praktischen Gründen: Der Durchgang galt als eng, dunkel und veraltet. Im städtischen Bericht wurde der Abriss nur kurz erwähnt. Wichtiger war die Frage, wohin die Turmuhr mit Glocke kam – sie ging an die junge katholische Kirchgemeinde. Auch der Nebenbau wurde wenig später abgetragen.

Die Stadtbefestigung stammte ursprünglich aus der Zeit um 1200. Mit dem Wachstum der Stadt verloren die Tore ihre Schutzfunktion, bekamen aber neue Rollen: Der Obere Bogen wurde zur Handwerkerstube, erhielt im 16. Jahrhundert eine Uhr und später sogar Ladenlokale. Um 1800 wurde der Stadtgraben zugeschüttet und zur Promenade umgestaltet.

Trotz früherer Pläne zum Erhalt der Tore wegen ihres «städtischen Charakters» änderte sich die Meinung rasch: 1864 wurde der Abriss des Obertors erlaubt, 1867 folgte das Untertor – es galt als das schlichteste der vier Tore. 1870 stimmte eine Gemeindeversammlung im neuen Stadthaus dem Abriss der beiden letzten Tore zu. Der Obere Bogen verschwand schliesslich, weil der neue Besitzer der Stadtkanzlei auf bessere Investitionsmöglichkeiten hoffte.

Der Obere Bogen in Richtung Marktgasse im Jahr 1860. (Bild: winbib)

Rubrik: Wärmstens empfohlen

Chibi‑Con 2025 – Shopping mal anders!

Wer sagt, Einkaufen müsse immer gleich aussehen? Die Chibi‑Con zeigt, wie kreativ, bunt und überraschend Shopping sein kann. Zwischen Anime, Manga und Cosplay verwandelt sich der Teuchelweiherplatz in eine ganz eigene Einkaufswelt: Statt Mainstream gibt es hier handgemachte Einzelstücke, originelle Fanartikel und jede Menge Entdeckungen abseits der klassischen Ladenzeile.

Wann? 9. – 10. August 2025
Wo? Teuchelweiherplatz, Winterthur

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Und selbst wenn dich der Shopping-Rausch (noch) kalt lässt – keine Sorge! In den charmant-verschlungenen Gassen der Altstadt stolperst du bestimmt über ein Plätzchen, das dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Vielleicht ein Café mit extra gutem Kuchen? Oder ein Laden voller Dinge, von denen du nicht wusstest, dass du sie brauchst – aber jetzt liebst.

Adios und bis bald
Marit

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