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Wenn der Wind weht … … bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen – so sagt es zumindest ein altes Sprichwort. In Winterthur scheint derzeit beides gleichzeitig zu passieren. Während die einen den Wind lieber für Spaziergänge, flatternde Drachen oder eine frische Brise am Feierabend nutzen möchten, sehen andere darin eine Chance für die Energieversorgung der Zukunft. Dass die geplanten Windräder rund um die Stadt nun für ordentlich Gegenwind sorgen, überrascht deshalb kaum. |
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| Der Kanton sieht auch in der Region Winterthur Potenzial für Windräder. (Symbolbild: Waldemar Brandt) |
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Windkraftpläne auf dem Berenberg sorgen für Widerstand |
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Zwischen Waldwegen, Aussichtspunkten und Naherholungsgebieten könnten künftig Windräder in den Himmel ragen: Während Politik und Energieversorger auf erneuerbare Energie setzen, wächst in den Standortgemeinden der Widerstand gegen die Anlagen. von Marit Langschwager |
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Ursprünglich prüfte der Kanton 52 mögliche Windgebiete. Inzwischen wurden zahlreiche Standorte wieder gestrichen, unter anderem wegen Konflikten mit Flugrouten oder Radaranlagen. Aktuell gelten noch 19 Gebiete als geeignet. Elf davon liegen in der Region Winterthur und im Weinland. Dort könnten dereinst rund 50 der insgesamt etwa 60 geplanten Zürcher Windräder entstehen. Zu den diskutierten Standorten gehören auf Stadtgebiet der Berenberg oberhalb von Wülflingen und der Äschberg bei Stadel. Bund und Kanton sehen Windenergie als wichtigen Bestandteil der zukünftigen Stromversorgung. Der Ausbau der Windkraft soll insbesondere im Winter die Versorgungssicherheit erhöhen und einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Bis 2050 will der Kanton sieben Prozent des Stromverbrauchs mit Windkraft decken. Die geplanten Anlagen wären gross dimensioniert: Moderne Windräder erreichen heute Höhen von bis zu 265 Metern. |
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| «Wir sagen Ja zu Windkraft, aber am richtigen Ort.» Hans Hollenstein, Präsident IG Berenberg |
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Parallel dazu formieren sich lokale Interessengruppen wie die IG Berenberg oder «Gegenwind Wyland-Winterthur». Im Zentrum ihrer Kritik stehen die Dimension der Anlagen, mögliche Auswirkungen auf Natur und Naherholung sowie Lärm- und Schattenwurf. Die IG Berenberg betont, nicht grundsätzlich gegen Windkraft zu sein. Entscheidend sei jedoch der Standort. «Wir sagen Ja zu Windkraft, aber am richtigen Ort», erklärt der Präsident Hans Hollenstein. Ein Windrad brauche vor allem genügend Wind und müsse sich wirtschaftlich lohnen. Gerade beim Berenberg sieht die IG diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Der Norden des Kantons Zürich sei laut Karten des Bundesamts für Energie ein windarmes Gebiet. Die besten bereits realisierten Windenergiestandorte der Schweiz liegen laut einem Fachbericht vor allem auf exponierten Jurahöhen oder in alpinen Tälern mit starken Windströmungen – etwa im Rhonetal oder Churer Rheintal. Der Norden des Kantons Zürich gelte dagegen eher als windschwache Region. Ein Bericht des Kantons Zürich kommt dennoch zum Schluss, dass grundsätzlich 63 Gebiete im Kanton die technischen und raumplanerischen Voraussetzungen für Windkraft erfüllen könnten – auch in komplexem Gelände. Entscheidend seien dabei unter anderem genügend Wind, die Wirtschaftlichkeit sowie die Erschliessung der Standorte. Der Kanton Zürich definierte mögliche Windeignungsgebiete anhand verschiedener Kriterien. Zunächst wurde geprüft, wo genügend Wind für einen wirtschaftlichen Betrieb vorhanden ist. Anschliessend wurden weitere Ausschlussfaktoren wie Abstand zu Wohngebieten, Natur- und Landschaftsschutz, geschützte Ortsbilder, Waldflächen oder mögliche Auswirkungen auf Vogel- und Fledermausarten berücksichtigt. |
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Die Eignungsgebiete des Kantons im Überblick. (Grafik: Baudirektion Kanton Zürich) |
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Ein weiterer zentraler Kritikpunkt der Gegner:innen betrifft den Landschafts- und Naturschutz. Die IG Berenberg wirft dem Kanton vor, bei den Planungen eigene Vorgaben zu missachten. Das Gebiet rund um den Berenberg sei eine kantonal geschützte Kulturerbelandschaft mit historischen und ökologischen Schutzobjekten. Erwähnt werden unter anderem die Ruine des Klosters Beerenberg, geschützte Bauernhäuser sowie revitalisierte Weiher- und Feuchtgebiete. «Es ist eines der wenigen fast unberührten Täler im Kanton Zürich», sagt Hollenstein, der seit rund 40 Jahren in der Region lebt. |
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«Windenergieprojekte können langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn diese breit abgestützt sind und von der lokalen Bevölkerung mitgetragen werden.» Viviane Ammann, Mediensprecherin Zürich Wind |
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Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) und Stadtwerk Winterthur arbeiten seit dem Sommer 2023 unter dem Namen Zürich Wind gemeinsam an möglichen Windprojekten. Das Ziel der Kooperation der drei grössten Stromversorger im Kanton: gemeinsam Windparks planen, finanzieren, bauen und betreiben. Kritik an möglichen Auswirkungen auf Landschaft, Natur und Naherholungsgebiete weist Zürich Wind nicht grundsätzlich zurück. Man befinde sich noch «in einem frühen Stadium der Standortprüfung», betont Viviane Ammann von Zürich Wind auf Anfrage. Sollten Projekte weiterverfolgt werden, würden mögliche Auswirkungen «auf Mensch, Natur und Umwelt detailliert untersucht und bewertet». Falls nötig, seien auch Kompensationsmassnahmen vorgesehen. Besonders wichtig sei Zürich Wind der Einbezug der Bevölkerung. «Windenergieprojekte können langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn diese breit abgestützt sind und von der lokalen Bevölkerung mitgetragen werden», so Ammann. Deshalb wolle man den Dialog auch mit kritisch eingestellten Gemeinden weiterführen. Diskussionen könnten sich im Verlauf des mehrjährigen Prozesses verändern – auch weil sich die Faktenlage durch Windmessungen oder Umweltprüfungen laufend erweitere. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass geeignete Windstandorte im Kanton Zürich begrenzt seien und deshalb mehrere Energieakteure um mögliche Gebiete konkurrieren. Andere Stromversorger hätten bereits vor einigen Jahren begonnen, Kontakte mit Landbesitzer:innen in potenziellen Windgebieten aufzunehmen. Bereits im Oktober 2024 habe die IG mit 67 Mitunterzeichnenden eine Einwendung gegen die Festsetzung der Gebiete im Richtplan eingereicht. Die IG begrüsse zwar den bisherigen Einbezug der Bevölkerung, halte jedoch fest, dass ihre Einwendung bislang erfolglos geblieben sei. Das laufende Verfahren liege derzeit bei der vorberatenden Kommission des Kantonsrates, der die IG dieses Frühjahr zudem eine ausführliche Stellungnahme zugestellt habe. Rückmeldungen habe es bislang keine gegeben. |
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An den Messmasten sind verschiedene Sensoren installiert, die kontinuierlich Daten erfassen. (Quelle: Messmast EW Wald, Foto EKZ ) |
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Aktuell werden in Wiesendangen, Ossingen und Rickenbach Windmessungen vorbereitet oder bereits durchgeführt. Dafür werden bis zu 125 Meter hohe Messmasten aufgestellt. Sie erfassen nun ein Jahr lang die Windverhältnisse, Wetterdaten sowie Aktivitäten von Fledermäusen. Zeigen die Messdaten, dass sich Windenergie an den Standorten wirtschaftlich nutzen lässt, soll als nächster Schritt eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen. Politisch stehen die Projekte weiterhin am Anfang. Der Regierungsrat hat die Vorlage im November letzten Jahres an den Kantonsrat überwiesen. Dieser entscheidet nun abschliessend über den Eintrag von Eignungsgebieten für die Windenergienutzung im kantonalen Richtplan. Erst danach könnten konkrete Bauprojekte ausgearbeitet werden. Anschliessend wären weitere Umweltprüfungen, Bewilligungsverfahren und mögliche Einsprachen nötig. |
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| 10 Jahre The Zurich Chamber Singers Das gefragte Winterthurer Vokalensemble feiert Jubiläum: Himmlische A-cappella-Klänge der englischen Renaissance treffen auf neue Schweizer Werke. |
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| | FCW nimmt Abschied von der Super League
Der FC Winterthur hat sich mit einer 0:3-Niederlage gegen den FC Luzern aus der Super League verabschiedet. 8100 Zuschauer:innen wollten am Samstag das letzte Spiel des FCW miterleben. Trotz der Niederlage stand nach dem Schlusspfiff vor allem der Abschied im Mittelpunkt. Nach vier Jahren in der höchsten Schweizer Liga verabschiedete sich der FCW mit einer Ehrenrunde und viel Applaus von seinen Fans. Auf der Schützenwiese herrschte eine emotionale Stimmung, während Spieler, Staff und Publikum gemeinsam das Ende der Super-League-Zeit begleiteten. (Bild: FC Winterthur/Instagram) |
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| | Seltene Zwillingsgeburt im Bruderhaus
In den vergangenen zwei Wochen kamen elf Mufflon-Lämmer sowie ein Wildschwein-Frischling in dem Wildpark zur Welt. Unter den Mufflons gab es laut Stadt Winterthur zudem erneut eine bei dieser Tierart seltene Zwillingsgeburt. Die Jungtiere seien wohlauf und bereits in der Anlage unterwegs. Die Mufflon-Herde umfasst damit neu 22 erwachsene Tiere und elf Jungtiere. (Bild: Stadt Winterthur) |
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| | Laurus Damenmode bleibt erhalten: Für das Winterthurer Traditionsgeschäft Laurus Damenmode ist die Zukunft gesichert: Wie die bisherigen Inhaber bekanntgeben, wurde eine Nachfolgelösung gefunden. Die heutige Eigentümerschaft zieht sich altersbedingt zurück. Nach einer kurzen Pause im Juli öffnet das Geschäft am 4. August 2026 wieder. Geplant sind neben dem bewährten Sortiment auch eine behutsame Erneuerung und ein modernerer Auftritt. |
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| | Migros Deutweg wird modernisiert: Wie die Migros Ostschweiz mitteilt, ist für 2027 eine komplette Erneuerung des Standorts an der Pflanzschulstrasse geplant. Vorgesehen sind unter anderem eine Poststelle im Supermarkt, ein neues Ladenkonzept, eine modernisierte Gebäudetechnik sowie die Anpassungen bei Warenpräsentation und Wegführung. |
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| «Pssst, schon gehört…?» In den verstecktesten Ecken Winterthurs tut sich was: Mit den «Besenkammerspielen» erobert das Kellertheater vom 29. bis 31. Mai Räume, in denen sonst kein Theater stattfindet. Das Besondere: Ort und Stück bleiben bis zum Aufführungstag geheim. Nur so viel sei verraten: Diesmal wird’s kriminell... Neugierig geworden? Dann raus aus der Komfortzone und raus ins Theater! |
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Wie die Wasserkraft Winterthur zur Industriestadt machte
 | Wie die Wasserkraft Winterthur zur Industriestadt machte Lange bevor in Winterthur über Windkraft diskutiert wurde, prägte erneuerbare Energie die Entwicklung der Stadt bereits entscheidend: die Wasserkraft der Töss. Die 1802 an der Töss in Wülflingen gegründete Baumwollspinnerei gilt als eine der ersten mechanisierten Fabriken der Schweiz. Erstmals wurden dort Wasserkraft und mechanische Spinnmaschinen systematisch kombiniert – ein technologischer Schritt, der die traditionelle Heimarbeit grundlegend veränderte. Während zuvor tausende Familien im Zürcher Oberland mit Handspinnrädern arbeiteten, konnten wenige Maschinen plötzlich die Arbeit von mehreren tausend Heimspinner:innen übernehmen. Damit begann eine neue industrielle Zeitrechnung: Arbeit verlagerte sich vom Zuhause in die Fabrik, Produktionsprozesse wurden zentralisiert, Arbeitszeiten geregelt und Winterthur entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem bedeutenden Industriestandort. Die Hard war dabei weit mehr als nur ein Fabrikbetrieb. Rund um die Spinnerei entstand ein vollständiges Industrieensemble mit Arbeiterhäusern, Werkstätten, Landwirtschaft, Waschhaus und Verwaltungsgebäuden – fast eine kleine eigenständige Siedlung. Gleichzeitig zeigte sich hier bereits die soziale Kehrseite der frühen Industrialisierung: harte Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und die wachsende Abhängigkeit vieler Menschen vom Fabriksystem prägten den Alltag. Dennoch wurde die Hard zu einem wichtigen Motor wirtschaftlicher Entwicklung. Die Energiequelle dieser frühen Industrialisierung war die Wasserkraft der Töss. Sie trieb Maschinen, Transmissionen und Produktionsanlagen an und machte die mechanisierte Fertigung überhaupt erst möglich. Doch mit dem technischen Fortschritt veränderte sich auch die Energieversorgung der Stadt. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts gewann Elektrizität zunehmend an Bedeutung, später rückten neue Formen nachhaltiger Energiegewinnung in den Fokus. |
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| Angestellte der Spinnerei Hard. (Bild: winbib, Urheberschaft unbekannt) |
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Ich habe wieder mal einiges dazugelernt. Mir ging es zumindest so beim Eintauchen in die Industriegeschichte rund um die Spinnerei Hard. Dir vielleicht auch.
Starte gut in die neue Woche – hoffentlich bringt sie dir wenig Gegenwind. Es sei denn, du wünschst es dir so! Herzlichst Marit |
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