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Guten Morgen aus Wülflingen Leerkündigungen wegen einer Sanierung sind in Zeiten der Wohnungsnot unbeliebt. So nehmen Bewohnende der ehemaligen Stefanini-Überbauung Burgstrasse einen Sommer voll Lärm, Staub und Container-Duschen gern in Kauf. Bewohnerin Yvonne Senft zeigt uns ihre neue Küche und erzählt, wie ein Leben auf der Baustelle aussieht. |
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| Alltag einen Sommer lang in der Burgstrasse-Überbauung: WCs in Containern im Hof. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Wohnen zwischen Staub und Lärm |
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Seit fast 58 Jahren wohnt Yvonne Senft in ihrer Wohnung in der Überbauung Burgstrasse in Wülflingen. Diesen Sommer glich ihr Zuhause einer Baustelle, weil die Terresta AG in bewohntem Zustand sanierte. von Gioia Jöhri |
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Die Klingel funktioniert beim Besuch an der Eckwiesenstrasse noch nicht und im Treppenhaus lagern grüne Schranktüren. Erst vor wenigen Stunden haben die Bewohnenden ihre Bäder und Küchen frisch saniert zurückbekommen. Yvonne Senft freut sich über ihre neue Küche: «Ich bin sehr zufrieden, denn es war dringend nötig», sagt sie. Nur mit dem neuen Farbkonzept sei niemand im Haus so wirklich glücklich. Aber es zähle ja vor allem die Funktionalität. |
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| Der Boden ist der alte, manche Schränke auch, und doch hat sich in der Küche viel getan. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Im Juli hat der erste von acht Sanierungszyklen an der Burg-, Oberfeld- und Eckwiesenstrasse begonnen. Insgesamt sollen 368 Wohnungen neue Küchen und Bäder (wir berichteten), sowie in einem zweiten Schritt neue Fenster, Türen, Balkone und Fassaden erhalten. Die Verwaltung Terresta setzt dabei auf minimale Eingriffe und Wiederverwertung, damit die Kosten tief bleiben. Und: Niemand muss wegen der Sanierung ausziehen. Die Kosten der Sanierung belaufen sich laut Terresta auf 80 Millionen Franken. Die Mietenden in vier Häusern haben nun bereits neue Nasszellen. Davor mussten sie einen Sommer lang in Containern im Hof kochen und duschen. |
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| «Es ist ein Chrampf, aber trotzdem schön, dass wir nicht rausmussten.» Yvonne Senft, Bewohnerin Eckwiesenstrasse |
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«Es ist ein Chrampf, aber trotzdem schön, dass wir nicht rausmussten», sagt Yvonne Senft. Nicht nur die fehlende Dusche, sondern auch Lärm und Staub waren in den letzten Wochen belastend. Sie habe das Glück gehabt, dass sie einen grossen Teil der Bauzeit ins Ferienhaus ihrer Tochter flüchten konnte. Mit den Containern im Hof sei es wie auf einem Campingplatz gewesen, erzählt sie lachend. «Die WC-Anlagen waren manchmal ein bisschen gruusig. Aber das ist normal, wenn sie von so vielen benutzt werden.» Sie selbst hat sich in der Wohnung mit einem Elektrogrill beholfen. Terresta hat zudem Kochplatten und Trocken-WCs an alle verteilt. Geduscht werden musste zwingend in den Containern. «Manchmal gab es keinen Strom, manchmal kein Warmwasser», erinnert sich Senft. Aber irgendwie sei es immer gegangen. |
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| In der Nachbarschaft sei man enger zusammengerückt und neu mit allen per Du, sagt Yvonne Senft. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Enorm geholfen habe, dass sie sich immer gut informiert gefühlt hat und immer wusste, wo sie Ansprechpersonen finden kann. «Wenn man ein Anliegen hatte, konnte man immer zum Siedlungscoach oder zur Bauleitung gehen und ist auf offene Ohren gestossen», sagt sie. Katharina Barandun begleitet als Siedlungscoach bereits seit 20 Jahren Projekte in sozialer Siedlungsentwicklung und hat vor Ort während der Bauarbeiten ein Containerbüro. Es sei sehr wertvoll, dass den Bewohnenden nicht gekündigt wurde: «Im Gegensatz zu anderen Siedlungen sind hier viele Leute armutsbetroffen oder haben aufgrund eines Migrationshintergrundes Mühe mit der Sprache. Viele hätten keine günstige Wohnung mehr gefunden», sagt sie. Das Siedlungscoach-Angebot werde rege genutzt. Manche wollten Unsicherheiten und Ängste besprechen. Andere kommen mit den neuen Induktionsherden noch nicht zurecht. Wieder andere brauchen wegen einer Stauballergie oder Schichtarbeit eine Ersatzwohnung. |
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| Bis vor kurzem sah es in der Wohnung noch so aus. (Bild: zvg) |
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«Man hat sich wirklich Mühe gegeben», findet Yvonne Senft. Sie findet auch die angekündigte Erhöhung der Mietzinse ab 2028 fair, denn: «Ich wohne hier seit vielen Jahren sehr günstig.» Laut Silvan Staub, Projektleiter Kommunikation bei Terresta, werden die Mieten ab 2028 um höchstens 35 Prozent steigen. Er rechnet vor: Wenn eine 3-Zimmer-Wohnung monatlich 1270 Franken kostet, kämen neu 370 Franken dazu, die Miete würde dann 1640 Franken betragen. Aber: Vorerst seien das Annahmen und keine definitiven Berechnungen. Zudem würden die bestehenden Mieten stark variieren, je nachdem, wie lange jemand bereits in einer Wohnung wohnt. |
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| 2027 wird auch noch die Fassade gedämmt und erneuert. Zusätzlich gibt es eine neue Heizung und Photovoltaik. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Nicht überall werden steigende Mietzinse nach Sanierungen so transparent kommuniziert. Auch an der Ruchwiesenstrasse 22-28 in Oberwinterthur wird zurzeit in bewohntem Zustand saniert. Obwohl niemandem gekündigt wurde, hätten viele Bewohnende Angst vor den Mietzinserhöhungen. «Man sagt uns nichts dazu, obwohl die Sanierung bereits gestartet ist und ich mehrmals nachgefragt habe», sagt ein Anwohner, der lieber anonym bleiben möchte. Die Verwaltung der betroffenen Häuser hat bis Redaktionsschluss nicht auf Nachfragen geantwortet. |
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| Im Keller vermisst Yvonne Senft noch eine Steckdose für die Kühltruhe. (Bild: Gioia Jöhri) |
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Yvonne Senft ist froh, dass nun wieder etwas Ruhe einkehrt an der Eckwiesenstrasse. Lediglich zwei Dinge fehlen ihr noch: eine Steckdose im Gang und ein neuer Platz für ihre Tiefkühltruhe, nachdem ihr die Garage aus Platzgründen gekündigt worden ist. Ihre Anliegen hat sie bereits bei der Bauleitung und der Verwaltung deponiert. Nun macht sie sich aber erst einmal ans Einräumen der neuen Schränke und freut sich auf die Dusche im eigenen Bad. Obwohl: Warmwasser hat sie auch an diesem Abend noch keines. Aber sie nimmt es gelassen: «Wir haben gelernt, alles vorzuzunehmen.» |
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| «Eyes wide shut» (1999) bei Kiwi Classics: Stanley Kubricks rätselhafte Reise durch New Yorks Nächte, zwischen Eifersucht, Begehren und Geheimnissen. Mit Tom Cruise und Nicole Kidman. Dienstag, 6. Oktober 2026, 20:00, Kiwi Center, E/d. |
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| | Schweizermeisterschaften im Nacht-OL im EschenbergwaldAm 17. Oktober 2026 finden die Schweizermeisterschaften im Nacht-Orientierungslauf in Winterthur statt. Organisiert wird der Event durch Freiwillige des Winterthurer OL-Vereins OLCW. In den Kategorien lang, mittel und kurz starten Schweizer Elite-Athlet:innen wie Martin und Daniel Hubmann oder Sanna Hotz. Speziell in Winterthur können sich erstmals auch Gelegenheitsläufer:innen, Interessierte oder Jugendliche an einem Nacht-OL versuchen. Dank einem Sponsoring der Dr. Hermann Schmidhauser Stiftung können Stirnlampen gratis bezogen werden. Wer mitrennen will, kann sich hier bis am 5. Oktober anmelden. |
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| Winterthurer Jungschwinger in Weinfelden
Alljährlich trifft sich der Schwingnachwuchs im Herbst an der Wega Buebeschwinget im Thurgau. Aus Winterthur stiegen drei junge Schwinger ins Sägemehl. Rick Strebel (Kategorie Jahrgänge 2017-2020) erreichte mit 57.00 Punkten den Rang 8b. Trotz vier Maximalsiegen liess er sich zweimal bezwingen. In derselben Kategorie kämpfte Finn Löffler aus Dinhard, mit 53.50 Punkten reichte es für Platz 22a. Der etwas ältere Jamie Leon Roht (2012) erreichte mit 34.00 Punkten den Rang 26b. (Bild: zvg) |
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Letzter Auftritt der Winterthurer Band T.M.C.L. Rockband: Vor zehn Jahren feierte die Rockband T.M.C.L. im Winterthurer Osttor ihr Plattentaufe. Die vier Winterthurer Musiker schauen auf eine belebte Zeit mit zahlreichen Konzerten in Clubs und an Festivals zurück. Nun steht der letzte Auftritt bevor: Am Samstag 3. Oktober nehmen die Bandmitglieder Abschied von ihren Fans im Club 1120 in Unterohringen. Vierte Holabox in Mattenbach: Drei Jahre nach dem Start der Holabox eröffnet im Deutweg ein weiteres Bio-Lädeli mit ‒ nicht immer ganz problemlosem ‒ Self-Checkout: Ab dem 3. Oktober 2026 vor der Zwinglikirche. Das Wachstum des Start-ups sei überraschend, schreibt das «Lindblatt», noch in den Sommerferien war von einem möglichen Ende die Rede. (lf) 2000 Läufer:innen an der Winti-Sola: An der zehnjährigen Jubiläumsausgabe des Stafette rund um Winterthur vergangenen Samstag sicherte sich das Team «LVW Mittelstreckler/innen» mit einer Zeit von 5:01:30 den Sieg. Der Anlass sei ohne gravierende Zwischenfälle über die Bühne gegangen, teilt die Stadt Winterthur mit. |
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| Wie die Dauerwelle nach Winterthur kam |
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| Mit seinem Neuerwerb aus London kehrt der Winterthurer Coiffeur Emil Rutishauser 1910 voller Stolz in die Schweiz zurück. Wochenlang hatte er für diese Reise gespart, um seinen früheren Bekannten Karl Ludwig Nessler zu besuchen. Dessen Erfindung sorgt in der Coiffeurbranche bereits für Aufsehen: eine Maschine, mit der Haare dauerhaft gewellt werden können. Im Londoner Salon erlebt Rutishauser die neue Technik mit eigenen Augen. Heizwickel, chemische Lösungen und stundenlange Geduld – am Ende bleiben die Wellen tatsächlich im Haar. Für die damalige Zeit grenzt das an ein Wunder. Rutishauser ist begeistert. Mit seinem Neuerwerb tritt er die Heimreise nach Winterthur an. Dann betritt die erste Kundin den Coiffeursalon. Ausgerechnet für ihre Hochzeit wünscht sie sich eine Dauerwelle. Für Rutishauser ist es die grosse Chance, die sensationelle Neuheit erstmals in seinem Salon anzubieten. Fast acht Stunden dauert die Behandlung. Rutishauser arbeitet zum ersten Mal mit dem neuen Apparat. Jeder Handgriff ist neu, jede Einstellung reine Erfahrungssache. Dann kommt der Moment der Wahrheit. Die Wickler werden entfernt. Die Haare ausgewaschen. Der Schock ist gross. Die Haare sind durch die Hitze beschädigt, die Wellen halten nicht. Rutishauser bleibt nur eine Möglichkeit. Er greift in die Kasse und erstattet der enttäuschten Braut die vollen 100 Franken zurück – für einen Coiffeur damals ein schmerzlicher Verlust. Nach heutiger Kaufkraft entspricht dieser Betrag rund 1300 Franken. Der Traum vom erfolgreichen Start der Dauerwelle scheint in wenigen Minuten geplatzt. Doch Behandlung für Behandlung sammelt er Erfahrung, verbessert seine Technik und gewinnt das Vertrauen seiner Kundschaft. Nur ein Jahr später schreibt er am 26. März 1911 an den Berliner Nessler-Agenten Eduard Trost: «Winterthur ist eine Stadt von nur etwa 25’000 Einwohnern, und trotzdem bin ich heute in der Lage, pro Woche zwei bis vier Damen zu wellen, so dass ich jetzt mehr verdiene als früher mit zahlreichem Personal.» Heute gehören Rutishauers Erinnerungen zu den frühesten Quellen zur Geschichte der Dauerwelle in der Schweiz. Und sie erzählen die Geschichte eines Coiffeurs, der nach einem spektakulären Fehlschlag den Mut hatte, weiterzumachen. |
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| Mit diesen Utensilien vollbrachte Emil Rutishauser Dauerwellen. (Bild: zvg) |
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| | Unter der Rubrik «Geschichte vor Ort» schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren aus dem Geschichtennetzwerk Winterthur. Armin Wolfarth erforscht die Geschichte von Karl Ludwig (Charles) Nessler sowie die internationale Entwicklung der Dauerwelle auf Grundlage originaler Archivquellen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA. |
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Bis an der Eckwiesen- und Burgstrasse wieder volle Ruhe einkehrt, müssen sich die Bewohnenden noch einige Zeit gedulden. Terresta rechnet mit einer Gesamtzeit von acht Jahren für die Sanierung aller 368 Wohnungen. Bis bald und hebs guet, Gioia |
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