| | Guten Morgen Wenn die Türen deiner Firma morgens plötzlich geschlossen bleiben, dann stimmt ziemlich sicher etwas nicht. Und wenn du dann statt zur Arbeit mit der ganzen Belegschaft in die Axa-Arena bestellt wirst, weisst du: Jetzt kommt eine Hiobsbotschaft. So geschehen ist das gestern laut einer gut informierten Quelle den über 700 Angestellten von Zimmer Biomet.
|
|
|
|
| Einst war Winterthur Europasitz des Konzerns gewesen, bevor er 2020 nach Zug verlegt wurde. Nun könnte der Standort zur Grösse eines KMU zusammenschrumpfen. (Bild: Wiki Commons) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Bis zu 80% müssen gehen: Zimmer Biomet streicht hunderte Stellen |
|
| Das Medizintechnik-Unternehmen aus den USA plant einen möglichen Abbau von bis zu 580 seiner insgesamt 730 Stellen am Standort Winterthur. Der Stadtrat will das Gespräch mit dem Konzern suchen. von Tizian Schöni |
|
| Es wären fast ein Prozent aller Winterthurer Arbeitsplätze, die durch die «Weiterentwicklung des globalen Produktionsnetzwerks» verloren gingen. So begründete Zimmer Biomet, der Medtech-Konzern mit Standort in der Grüze, den drohenden Stellenabbau über zwei Jahre hinweg laut verschiedenen Nachrichtenagenturen, die zuerst berichteten. Der Standort sei heute geschlossen gewesen, stattdessen habe man die Belegschaft auf 14 Uhr in die Axa-Arena bestellt, weiss eine mit dem Vorgang vertraute Quelle. Unbestätigt ist bisher, dass Kenneth Tripp, Senior Vice President und globaler Logistikchef des 17’000-Mitarbeitenden-Konzerns, die Nachricht überbracht habe. Mit ihm wollen sich Stadtpräsident Stefan Fritschi (FDP) und Finanzvorsteher Kaspar Bopp (SP) laut der Quelle heute treffen. Sowohl Bopp als auch Fritschi hatten während des Wahlkampfs Anfang Jahr immer wieder betont, mit einer intensiven Beziehungspflege würde sich für den Wirtschaftsstandort vieles richten. Zumindest der Draht zu Zimmer Biomet scheint nicht so heiss gewesen zu sein wie versprochen. Und das, obwohl Fritschi, bevor er 2010 in den Stadtrat gewählt wurde, selbst bei dem Unternehmen gearbeitet hatte. Laut eines «Landbote»-Interviews von gestern sei ihm trotz des regelmässigen Austausches mit dem Unternehmen nie zu Ohren gekommen, dass die Produktion in Winterthur gefährdet sei. Gewerkschaft und Parteien protestierenAuch die Gewerkschaft Unia protestierte in einer gestern versandten Medienmitteilung: «Während der grösste Teil der Arbeitsplätze ins billigere Ausland abwandert, soll in Winterthur gerade noch ein genug grosser Unternehmensrumpf verbleiben, dass Zimmer Biomet auch in Zukunft seine Produkte als ‹swiss made› auf dem Weltmarkt verkaufen kann.» Die SVP weist in einer Medienmitteilung auf die «Vorschusslorbeeren» hin, die der Stadtrat für die im Mai veröffentlichte Wirtschaftsstrategie kassiert habe. Deren Instrumente müssten nun auch genutzt werden. Der ehemalige Konzernteil von Sulzer zählte 2022 noch 1100 Mitarbeitende am Standort. 2024 und 2026 kündigte Zimmer Biomet jeweils eine globale Reduktion seines Personals an, die auch auf Winterthur Einfluss hatte. Vor zwei Jahren gab die Handelskammer noch rund 900 Stellen in Winterthur an. Aktuell sind es laut verschiedenen Medienberichten 730. |
|
|
|
| Curtis Mellop vor dem Technikum. Hier studiert der Neuseeländer in Winterthur. (Bild: Mattia Mayer) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Faszination Winti: Was einem Austauschstudenten hier gefällt |
|
| Am Montag startet für 15’000 Studierende wieder der Alltag an der ZHAW. Curtis Mellop ist einer davon. Dem Austauschstudenten gefällt es hier so gut, dass er am liebsten gleich bleiben möchte. Vor allem die Altstadt hat es ihm angetan. von Mattia Mayer |
|
| Curtis Mellop beisst genüsslich in sein Gipfeli. Aber dann muss er leer schlucken: «Hier kann ich nicht einfach in einen Flieger steigen und meine Familie sehen». Der 23-jährige Neuseeländer ist bereits seit Januar in der Schweiz, nächsten Montag beginnt sein zweites Semester an der ZHAW. Der Kiwi ‒ so nennen sich die Neuseeländer:innen selbst ‒ ist einer von 223 Austauschstudent:innen aus 33 Ländern, die in Winterthur das Herbstsemester absolvieren, wie die ZHAW auf Anfrage schreibt. Hier schliesst er seinen Master in Ingenieurwissenschaften ab. «Wieso ich genau nach Winterthur kam?», fragt er nach und muss lachen. Es habe nicht allzu viele Orte für einen Austausch gegeben. «Als sich die Möglichkeit Schweiz ergab, musste ich zuschlagen! Man hört nur Gutes über die Schweiz – ausser natürlich, dass hier alles so teuer sei.» «Das mit der teuren Schweiz, das stimmt schon», sagt Curtis. Er habe noch Glück im Vergleich zu anderen Austauschstudent:innen, denn auch Neuseeland sei ein eher teures Land. «Andererseits sind hier auch die Löhne viel höher als in Neuseeland», sagt er. Proportional dazu sei alles ähnlich wie auf der Insel, meint der Kiwi. Die Studiengebühren muss Curtis in Neuseeland bezahlen. Das seien umgerechnet etwa 5700 Schweizer Franken. Für seinen Aufenthalt erhält er von seiner Universität etwa 150 Schweizer Franken pro Woche. Das reiche natürlich nicht, um hier leben zu können. Zum Glück habe er zusätzliche Ersparnisse, alles in allem komme er damit gut zurecht. Wenn Curtis nach seinem Studium in Neuseeland arbeitet, muss er dafür keinen Zins bezahlen. |
|
|
| Curtis besucht obligatorische Deutschkurse. Er sei froh, mit Englisch eine Allerweltssprache zu sprechen. Deutsch findet er extrem schwer. (Bild: Mattia Mayer) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| «In Neuseeland gibt es für einen Ingenieur nicht allzu viele Jobs», sagt Curtis. Momentan befindet sich der Kiwi gerade auf Jobsuche in der Schweiz. Es sei aber nicht einfach. Er hofft, dass sich mit einem Schweizer Abschluss eher etwas ergeben werde. Wenn es nicht klappt, will er ein Jahr oder zwei in Neuseeland arbeiten, um Geld zu sparen und es dann erneut in der Schweiz versuchen. |
|
| | «Die Gebäude in Neuseeland, die älter wären, sind sicher bei einem der zahlreichen Erdbeben über die Jahre eingestürzt.» Curtis Mellop, Austauschstudent |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| «Wenn du aus Neuseeland schnell mal wegwillst, kommst du maximal bis nach Australien», sagt Curtis. Er könne verstehen, dass viele Schweizer Familien in das Land ziehen möchten, aus dem er auswandern will. Er liebe Neuseeland. An Winterthur schätze er aber die riesigen Chancen und Möglichkeiten, die einem im Arbeiten und Reisen offenstehen. «Von Winterthur aus fährst du drei Stunden nach Süden – dann sieht alles komplett anders aus und es herrscht eine komplett neue Kultur», erklärt der Kiwi seine Faszination. Ein Thema, das ihn ganz besonders begeistert, ist die Architektur. Alte Gebäude, Kirchen und Burgen gebe es in Neuseeland nicht. «Die Gebäude in Neuseeland, die älter wären, sind sicher bei einem der zahlreichen Erdbeben über die Jahre eingestürzt.» |
|
|
| Auch das alte Technikum fasziniert Curtis. (Bild: Mattia Mayer) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| An Winterthur gefällt ihm daher vor allem die Altstadt. Auch, dass sie während den Musikfestwochen, den Afropfingsten oder an einem Samstag mit Flohmarkt proppenvoll ist. «Nur schon an einem schönen Freitagabend ist die Stadt voll von Menschen, die in Kaffees und Bars sitzen – eine solche Altstadt-Kultur gibt es in Neuseeland nicht.» |
|
| | «Als ich in die Schweiz kam, hörte ich irgendeine Essensanalogie, im Sinne von ‹Schweizer:innen seien aussen hart und innen weich›.» Curtis Mellop, Austauschstudent |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Curtis lebt in einem Wohnheim für Austauschstudierende am Deutweg. Dort hat er vor allem Kontakt mit anderen Studis aus dem Ausland. Mit Schweizer:innen nur über Events oder in den Vorlesungen. «Als ich in die Schweiz kam, hörte ich irgendeine Essensanalogie, im Sinne von ‹Schweizer:innen seien aussen hart und innen weich›», erzählt er. Er habe aber nicht das Gefühl, dass das so ist. «Die Winterthurer:innen, mit denen ich Kontakt hatte, waren alle super nett und freundlich.» Wahrscheinlich habe es bis jetzt einfach noch nicht so viel Gelegenheit gegeben, sich mit Einheimischen auszutauschen. |
|
|
| Das Meer, Schwimmen und Surfen vermisst der Kiwi hier in der Schweiz. (Bild: zvg) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Es gibt auch Dinge, die er vermisst. Zum einen die Familie. «Du bist hier in einem neuen Land und plötzlich vermisst du alle, die du kennst und alles, was dir vertraut ist.» Sportlich trainiere er gerade für einen Ironman. Golfen kann er hier leider nicht, weil es viel zu teuer ist. Zudem vermisst er das Wasser. In Neuseeland habe er sich im Sport «Surf Lifesaving» mit anderen gemessen. «Den Strand vermisse ich schon sehr», sagt Curtis wehmütig. In Winterthur müsse er halt mit dem Stadtgarten vorliebnehmen. |
|
| |
| Zwei Nächte, unzählige Kulturerlebnisse Winterthur feiert Kultur: Am 18. und 19. September 2026 lädt die 10. Kulturnacht zu einer Entdeckungsreise durch die Stadt ein. Zahlreiche Kulturorte präsentieren ein vielseitiges Programm mit Musik, Theater, Tanz, Film, Kunst und vielem mehr. Die perfekte Gelegenheit, Lieblingsorte einmal anders zu erleben, Neues kennenzulernen und sich einfach treiben zu lassen. Zwei Abende, viele überraschende Begegnungen und ganz viel Winterthurer Kultur. |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | | Baugesuche ab Oktober nur noch onlineAb Anfang Oktober nimmt die Stadt nur noch Baugesuche über die kantonale Plattform «eBaugesucheZH» entgegen. Dies schreibt sie in einer Mitteilung. Bereits seit 2016 ist es in Winterthur möglich, Baugesuche online einzureichen. Rund 5500 Gesuche seien seither über diesen eigenen Dienst eingegangen, der jetzt ausser Betrieb genommen werde. 9000 Baugesuche wurden in der gleichen Zeit in Papierform eingereicht. Ein weiteres Digitalisierungsprojekt betrifft den physischen Posteingang der Verwaltung: Aktuell liegt der Vorschlag des Stadtrats, Briefpost zu scannen und sie damit nur noch digital weiterzuverarbeiten, im Parlament. |
|
| | Weitere Kurz-NewsWechsel im Technopark-Verwaltungsrat: Thomas Schoch habe per Anfang September das Verwaltungsratspräsidium der Technopark Winterthur AG übernommen, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Er folgt auf Daniel Anderes, der aus dem Gremium zurückgetreten ist. Kultur ab sechs Uhr: Wieder öffnen knapp 30 Kulturbetriebe der Stadt auch nachts ihre Türen. Und lassen ‒ das ist an der zehnten Ausgabe der Kulturnacht besonders ‒ auch draussen Kultur stattfinden. Etwa auf der frisch eingeweihten Leonie-Moser-Brücke, auf der das Ballett und das Junior Ballett Zürich auftreten werden. Weitere Events finden am 18. und 19. September beispielsweise auf dem Kirchplatz oder dem Lagerplatz statt. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | Winti weiss was auf der Leonie-Moser-Brücke geschrieben steht
 |
… was auf der Leonie-Moser-Brücke geschrieben steht |
|
|
| Eine schöne Verzierung ist die Brailleschrift sicher, aber hat sie auch einen nutzen? (Bild: zvg) |
|
| Am Samstag eröffnete die Leonie-Moser-Brücke in der Grüze. Einer aufmerksamen Leserin sind dabei die Verzierungen am Geländer aufgefallen: Sie erinnern stark an die Brailleschrift. Wer versucht, diese mit dem Blindenschrift-Alphabet des Schweizerischen Blindenbunds zu entziffern, erhält jedoch einen Buchstabensalat. Auf einem der Elemente stand demnach: «Losauieieschlm». Es handelt sich dabei nicht um einen komischen Streich der Verantwortlichen, sondern um die falsche Brailleschrift: Anstelle der traditionellen nutzte man eine alternative Form, welche Zahlen mit einer einzelnen Braillezeile anstelle von zweien darstellt. Damit lassen sich die Punkte entziffern. Auf Anfrage erklärt Michael Graf, Sprecher des Departments Bau und Mobilität, dass es sich vor allem um Dekoration handle. Die Zeichen stellten einen eindeutigen Code für die einzelnen Elemente des Geländers dar. Die ersten drei Braillezeilen ergeben «LOS», eine Teilmenge in Bausprache. Es folgt eine vierstellige Zahl, welche die Elemente nummeriert, und zum Schluss «LM», für Leonie Moser, die Namensgeberin der Brücke. Indem Anfang und Schluss der Schrift immer gleich sind, wirke das Muster ruhiger fürs Auge, sagt Michael Graf. Der Orientierung für Blinde dienen die Löcher also nicht. Dafür dienen die zwei «L» im Code, um neben den Bushaltestellen ein «Stehbänkli» zu befestigen. (lf) |
|
|
| Da schien sich die Stadt Gedanken gemacht zu haben. (Bild: zvg) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | Bei WNTI denken wir nicht ans Streichen, wir bauen auf. Nicht gerade neue Stellen zwar, aber eine grosse Recherche, basierend auf Grundbuch-Daten. Die Hälfte unseres Crowdfundings haben wir zusammen. Du willst auch etwas beitragen? Dann schon vorab: MERCI! Tizian |
|
| |
|
|
|
|