«Ich möchte in erster Linie Fussball sehen. Menschen, die sich über ein Tor freuen, sich ärgern, wenn etwas nicht gelingt, miteinander lachen und als Team auftreten», sagt Michael Loetscher. Der Sportchef des FC Winterthur Inklusion fiebert seinem bisher wichtigsten Event entgegen.
Rund 140 Spieler:innen werden am Samstag auf der Schützenwiese erwartet. Dazu kommen Trainer:innen, Begleitpersonen und Zuschauende. «Insgesamt rechnen wir mit mehr als 400 Menschen», erzählt Loetscher. Für ihn ist dieser Spieltag ein weiterer Schritt in einer Geschichte, die beim FCW bereits vor zehn Jahren begonnen hat.
Vom ersten Team zu FCW Inklusion
2016 gründete der FC Winterthur gemeinsam mit der Brühlgut Stiftung ein Fussballteam für Menschen mit Behinderung, erklärt Loetscher. Heute gebe es bereits ein Erwachsenen- so wie ein Kinder- und Jugendteam. Zum 10-jährigen Bestehen habe man sich entschieden, den Fussball für Menschen mit Behinderung vollständig in die Klub-Organisation zu integrieren.
Die beiden Inklusionsteams zählen inzwischen mehr als 40 Spieler:innen. Trainiert wird jeden Montag. Die Entwicklung sei damit aber längst nicht abgeschlossen. Inklusion sei ein Prozess, bei dem sich ein Verein immer wieder fragen müsse, wo bauliche oder organisatorische Barrieren bestünden und wo es noch Barrieren in den Köpfen gebe. «Inklusion ist erst dann erreicht, wenn wir irgendwann nicht mehr besonders darüber sprechen müssen», sagt Loetscher.
So sei auch die Schützenwiese derzeit nicht barrierefrei, erklärt der Sportchef. «Die Garderobe ist nur unterirdisch, klein und stickig, und auch die WCs müsste man ausbauen.» Alles in allem sei die Infrastruktur eines solchen Stadions nicht würdig, sagt Loetscher. Bei der Abstimmung über die Erneuerung der Schützenwiese am Sonntag hoffe er deshalb auf ein Ja. Gerade durch einen Anlass wie den kommenden Spieltag der Swiss Inclusion League wird die Frage der Zugänglichkeit sichtbar.
Eine Liga, die wächst
Die Swiss Inclusion League entstand als Initiative der Swiss Football League und der Football Is More Foundation. Sie soll Inklusion langfristig im Schweizer Fussball verankern und Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen über die Begeisterung für den Fussball zusammenbringen. Gleichzeitig soll die Liga das Bewusstsein für die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung stärken.
Nach drei Pilotturnieren im Jahr 2025 wurde das Format dieses Jahr weitergeführt und ausgebaut. Inzwischen verfügen 14 Klubs der Swiss Football League über ein eigenes Inklusionsteam. Dazu gehören neben FC Winterthur auch der FC Basel, Grasshopper Club Zürich, FC St.Gallen 1879, FC Zürich oder FC Aarau. Die Liga arbeitet daneben auch mit weiteren Vereinen und Gastteams zusammen. Der Spieltag am Samstag auf der Schützenwiese ist Teil dieser noch jungen Liga und findet in Winterthur zum ersten Mal statt.
Anders als bei einer klassischen Meisterschaft gibt es keine fixe Liga mit wöchentlichen Spielen. Die Swiss Inclusion League setzt auf einzelne Turniertage, an denen verschiedene Teams zusammenkommen. Das soll Begegnungen ermöglichen und gleichzeitig den Vereinen den Aufbau eigener Angebote erleichtern.