Im Gegenteil, für ihn wird die Website zunehmend zum Problem: Kund:innen suchen das Restaurant online und stossen dabei auf die falschen Inhalte. Bei einer Google-Suche rangiert der falsche Gastroblog mittlerweile in den obersten Resultaten, weil die Inhalte der Website für den Algorithmus scheinbar perfekt zu den Anfragen passen. Auch WNTI wurde so auf die Adresse aufmerksam: Ein Leser, der auf «Beizenrecherche» war, stiess auf die Seite.
Kampf mit dem Papiertiger
Seit Januar versucht Deniz Türeli gemeinsam mit einem IT-Fachmann, die Adresse zu erhalten ‒ oder die Seite zumindest stillzulegen. Aber das ist alles andere als einfach. Seit 2021 sind die Halterdaten von Websites nicht mehr öffentlich einsehbar. Stattdessen muss über die Registerbetreiberin für .ch-Domains, die «Switch», ein «überwiegendes Interesse» geltend gemacht werden.
Durch diesen Formulardschungel hat sich der neue Pächter bereits gekämpft und die Kontaktdaten des vermeintlichen Halters erhalten. Inhaber ist demnach eine Firma mit dem Namen «Online Fortress Germany» mit Adresse in Berlin ‒ zu der im Internet nichts zu finden ist. Die angegebene Telefonnummer ist nicht vergeben, die Mailadresse nicht erreichbar. Der Gastronom muss nun abermals vor einer Meldestelle geltend machen, dass die Website mit fiktiven Personenangaben und damit betrügerisch registriert wurde, um eine Stilllegung zu erreichen.
Expert:innen sind ratlos
Doch was steckt hinter dem KI-Blog? Der IT-Journalist Reto Vogt (Mitglied des WNTI-Beirats, Anm. d. Red.) schreibt auf Anfrage: «Die Seite ist offensichtlich darauf optimiert, bei Google-Suchen wie ‹Brunch Winterthur› oder ‹Hochzeitslocation Winterthur› möglichst weit oben zu erscheinen.» Die Umsetzung sei jedoch ziemlich schlampig, die Seite zeige typische Auffälligkeiten massenhaft generierter KI-Texte.
Versucht der Besitzer also, die Seite populär zu machen und dann für viel Geld an die neuen Betreiber des Restaurants zu verkaufen? Viele der angefragten Expert:innen halten das zumindest für plausibel. Eine Sprecherin des Bundesamts für Cybersicherheit (BACS) sagt: «Wir können nicht wirklich sagen, weshalb die Seite erstellt worden ist.» Sie enthalte derzeit keine offensichtlichen Links zu betrügerischen Websites. Roman Scherrer, Kommunikationsbeauftragter des Kompetenzzentrums für digitalen Wandel der Uni Zürich (DSI), stellt die Vermutung an, dass die Website viele Klicks generieren soll, damit später rentabel Werbung darauf geschaltet werden könne. Und die Kapo Zürich, welche die schweizweit grösste Cybercrime-Einheit mit rund 75 Mitarbeitenden unterhält, antwortet müssig in einem Satz: Man verfüge über keine Informationen zur Website oder der Absicht des Halters.
Marco Lehmann, der ebenfalls erfundene Foodblogger, empfiehlt unter strauss-winterthur.ch inzwischen die Weinstube Obertor. Spätestens beim «Glas ab 7.50 Franken» ist klar: Das ist definitiv ein Fake.