| | Hallihallo und guete Morge! Was machst du, wenn du mit jemandem streitest? Und an wen wendest du dich, wenn es zu keinem glimpflichen Ausgang kommt? Solltest du dich jemals mit der Stadtverwaltung streiten, wird die Antwort Sabrina Gremli-Gafner heissen. Sie ist seit 2020 Ombudsfrau der Stadt. Ich habe den Bericht der Ombudsstelle 2025 zum Anlass genommen, mit ihr über ihre Tätigkeiten zu reden. Zudem erfährst du heute auch, wieso der Umzug am 1. Mai nicht über die Technikumstrasse führen wird. |
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| Sabrina Gremli-Gafner ist seit 2020 dafür zuständig, zwischen Bürger:innen und Verwaltung zu vermitteln. (Bild: Sebastian Galli) |
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| «Manchmal geht es um Existenzen, das ist im Umgang nicht einfach.» |
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| Kürzlich erschien der Jahresbericht der Ombudsstelle Winterthur. Noch nie musste die Ombudsfrau Sabrina Gremli-Gafner in so vielen Fällen zwischen Bürger:innen und Verwaltung vermitteln, wie letztes Jahr. Im Interview erzählt die Juristin, wieso es im Beruf oft mehr «menschelt», als man denken würde. von Sebastian Galli |
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| Sabrina Gremli-Gafner, Sie hatten letztes Jahr so viel zu tun wie noch nie. Seit Ihrem Amtsantritt 2020 hat sich die Anzahl der Fälle um fast 30 Prozent erhöht. Woran liegt das? Wenn ich das wüsste. Das ist nicht nur bei uns so, auch andere Ombudsstellen haben immer mehr Fälle. Ich denke nicht, dass es ein Indiz dafür ist, dass die Verwaltung schlechter arbeitet als zuvor. Für mich ist es mehr ein Zeichen der Zeit. Die Leute sind belastet durch all die Kriege und Krisen in der Welt. Auch der Arbeitsmarkt ist schwieriger geworden. Das weckt Existenzängste. Es mag insgesamt weniger «verliide». Ist das auch der Grund, weshalb die Anzahl pendenter Fälle am Jahresende zugenommen hat? Wir haben mehr Fälle insgesamt. Aber es liegt auch daran, dass es mehr komplexe Fälle gibt, die nicht mit einer Sprechstunde erledigt werden können, sondern drei- bis viermal kommen müssen. Da begleite ich sie eigentlich durch einen ganzen Prozess hindurch. Es gibt Fälle, die lassen sich mit einem Telefonat erledigen. Andere dauern Jahre, oder ploppen immer wieder auf. Ihr seid ja auch nur zwei Leute auf der Ombudsstelle. Genau. Das sind nicht viele. Wir könnten mehr Ressourcen gebrauchen, ja. Aber das ist eine politische Frage. Das Parlament wollte allerdings nicht mehr Geld sprechen. Wir tun dennoch unser Bestes. |
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| | «Es gibt Fälle, die lassen sich aber mit einem Telefonat an die richtige Stelle lösen.» Sabrina Gremli-Gafner, Ombudsfrau Stadt Winterthur |
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| Bei den meisten Fällen im Bericht scheint es, als hätten sie vorgebeugt werden können, wären Informationen besser zugänglich gewesen. Stimmt das? Das sind ganz viele. Meine Arbeit besteht eigentlich aus drei Schritten. Erklären, abklären, vermitteln. Aber gerade im sozialen Bereich scheitert es oft auch am Sachverständnis, da es sich um komplexe Prozesse handelt. Diese sind teils schon für Menschen schwer verständlich, die Deutsch können. Viele Fälle lassen sich aber mit einem Anruf an die richtige Stelle lösen. Wir wissen allerdings auch, wo wir anrufen müssen, um an die Informationen zu kommen, die dem Antragsteller fehlen. Der Ombudsstelle gibt man auch eher eine Auskunft. Zudem können wir mit dem Recht, Akten einzusehen, gut abklären, ob alles mit rechten Dingen zuging. Wie ist das in Fällen, in denen nicht alles mit rechten Dingen zuging? Das ist teils nicht ganz einfach. Die meisten Bereiche der Verwaltung sind allerdings sehr offen, da ihnen auch daran gelegen ist, das Verfahren korrekt zu machen. Ein offensichtlicher Fehler kann ja schnell aufgezeigt werden. Die gibt es auch, manchmal sogar grobe. Die meisten Fälle, die zu uns kommen, sind aber in einem Graubereich. Diese besprechen wir mit der zuständigen Stelle und geben eine Empfehlung ab. Haben Sie ein Beispiel? Für Strassenmusik braucht es eine Bewilligung der Polizei. Diese wurden täglich auf einer «First come, first serve»-Basis vergeben. Es kam dann ein Musiker zu uns, dem auf dem Posten gesagt wurde, er müsse zuerst vorspielen, bevor er eine Bewilligung erhielte. Er hatte allerdings sein Instrument im Auto, musste also zurückrennen, um es zu holen. Er hatte Angst, deshalb zu spät zu sein, um eine Bewilligung für den Tag zu erhalten. Das Problem war, dass online und auf dem Merkblatt nicht geschrieben stand, dass das Instrument mitgebracht werden muss. Wir haben die Polizei dann darauf hingewiesen, dass sie das entsprechend anpassen muss, wenn sie will, dass Musiker bei ihr vorspielen. Soweit ich mich erinnern kann, war dann die Lösung, dass die Polizei seither einfach auf das Vorspielen verzichtet. |
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| | «Die meisten Fälle lassen sich aber mit einem Telefonat an die richtige Stelle lösen.» Sabrina Gremli-Gafner, Ombudsfrau Stadt Winterthur |
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| Wer in der Verwaltung freut sich am wenigsten über einen Anruf von Ihnen? Da kann ich kein spezifisches Departement nennen. Ich halte aber regelmässig Vorträge, sodass man mich in der Verwaltung auch kennt und nicht erstarrt, wenn ich anrufe. Es geht ja darum, dass wir miteinander reden. Es ist unsere Aufgabe, immer beide Seiten zu hören. Das klingt mehr nach Sozialarbeiterin als nach Juristin. Meist dreht es sich schon um ausschliesslich juristische Fragen. Aber ja, es «menschelt». Gerade in der Beziehung zur Verwaltung bin ich aber sehr zurückhaltend. An Apéros bin ich nicht anzutreffen. Wieso? Ich bin keine Winterthurerin, ich komme aus Zürich. Dort würde ich diesen Job aber nie machen. Die Unabhängigkeit ist wahnsinnig wichtig. Wenn jemand zu mir käme und wüsste, dass ich mit der Verwaltung anstosse, hätte diese Person nicht das Gefühl, dass ich unabhängig bin. Ich möchte einen guten und respektvollen Kontakt mit der Verwaltung, aber keinen zu vertrauten. Wie ist die Beziehung in die andere Richtung? Sie haben oft mit frustrierten oder wütenden Leuten zu tun. Manchmal geht es um Existenzen, das ist im Umgang nicht einfach. Es gehört zu meinem Job, dass ich mit solchen Situationen umgehen kann. In solchen Fällen versuche ich, den Personen im Rahmen des rechtlich Möglichen zu helfen. Frustrierend ist es manchmal trotzdem. Ich würde, wenn ich könnte, aber ich kann die Gesetze nicht verändern, oder die Welt gerechter machen. |
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| | «Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber auch diese Fälle nehmen wir ernst.» Sabrina Gremli-Gafner, Ombudsfrau Stadt Winterthur |
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| Wurden Sie auch schon persönlich angefeindet? Vereinzelt. Gerade wenn jemand mit einer bereits gefestigten Meinung zu uns kommt. Das ist allerdings selten. Zudem ist es ja so, dass der Frust der Leute immer subjektiv berechtigt ist. Und oft auch objektiv nachvollziehbar. Gibt es auch Fälle, in denen Ihnen die Nachvollziehbarkeit schwerer fiel? Letztes Jahr hatten wir eine Person, die nicht verstehen konnte, weshalb sie gebüsst wurde, als sie bei Rot über die Strasse ging. In Winterthur sei das doch erlaubt. Das würden ja alle so machen. Es gab auch mal einen Beschwerdeführer, der wollte, dass wir dafür sorgen, dass er keine Steuern mehr bezahlen müsse. Wie gehen Sie mit solchen Fällen um? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber auch diese Fälle nehmen wir ernst. Zum individuellen Glück können wir diesen Personen aber auch nur im Rahmen unserer Kompetenzen verhelfen. |
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| | | | Stadtpolizei kürzt erneut 1.-Mai-Demo-RouteWie die SP in einer Medienmitteilung schreibt, hat die Polizei zum zweiten Mal in Folge die bis dahin übliche Demo-Route über die Technikumstrasse und den Bahnhofplatz nicht bewilligt. Stattdessen wird der Demozug einer verkürzten Route folgen müssen. Die Polizei nennt als Grund dafür die Verhältnismässigkeit. Das Grundrecht müsse respektiert werden, die Polizei könne aber auch gewisse Einschränkungen aussprechen. Der Demoumzug am 1. Mai sei durch seine Grösse eine erhebliche Behinderung des öffentlichen sowie privaten Verkehrs. Zudem sei die Technikumstrasse eine wichtige Achse für die Rettungsdienste der Stadt. |
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| | Weitere Kurz-NewsBürgerliche lancieren Referendum gegen den Richtplan: Am 13. April hat das Stadtparlament die Revision des kommunalen Richtplans beschlossen. Dagegen will die SVP zusammen mit der FDP, EDU und Vereinen wie dem Hauseigentümerverband das Referendum ergreifen. Das Komitee hat bis Mitte Juni Zeit, um die nötigen 500 Unterschriften zusammenzutragen. In einer Medienmitteilung schreibt das Komitee, er greife zu stark und zu sehr im Detail in die Entwicklung der Stadt ein. Als besonders kritisch sieht das Komitee die Einschränkungen für Gewerbe und Grundeigentümer:innen, sowie die geplante Halbierung des Autoverkehrs. Ab dann haben die Badis offen: Ab dem 1. Mai machen in Winterthur die Badis auf. Allerdings nicht alle gleichzeitig. Die Schwimmbäder Geiselweid und Wolfensberg öffnen am 1. Mai. Oberwinterthur am Tag danach. Und in Töss sowie Wülflingen muss man sich noch eine Woche länger gedulden. In den beiden Quartieren kann ab dem 9. Mai wieder geplanscht werden. |
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| Energie- und Umweltforum
Elektromobilität boomt und eröffnet neue Chancen fürs Stromnetz. Am Forum von ZHAW und Stadtwerk Winterthur steht das bidirektionale Laden im Fokus: Elektroautos werden dabei zu flexiblen Stromspeichern, die Energie nicht nur beziehen, sondern auch ins Netz oder in Gebäude zurückspeisen können. Expert:innen diskutieren Potenziale, Chancen und Hürden, und stellen konkrete Praxisbeispiele aus der Schweiz vor. Elektroautos als Stromspeicher: 6. Mai 2026, 17.45 Uhr Im Anschluss lädt ein Apéro zum Austausch ein. |
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| Kolumne
Kraftorte von Martin Frischknecht |
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| | Die katholische Kirche birgt ein Geheimnis. Wie bitte? Die leidige Sache ist doch längst bekannt. Und tatsächlich: Wer sich bei der Bushaltestelle «Rosenberg» vor die Kirche St. Ulrich stellt, entdeckt im Schaukasten der Kirchgemeinde ein Plakat. Darauf steht unter dem Titel «Wir schämen uns – Das müssen wir sagen» in deutlichen Worten, was derzeit punkto Kirche für Schlagzeilen sorgt: der Missbrauch an Jugendlichen und Kindern. Das Team und der Pfarreirat bekennen in dem Schreiben: «Soviel Leid und Schrecken im Namen der Kirche, wir selbst hielten es nicht für möglich und waren naiv. Dafür schämen wir uns». Die namentlich aufgeführten 13 Mitarbeitenden, die den Betrieb von St. Ulrich aufrechterhalten, distanzieren sich hier von den Mächtigen der eigenen Kirchenleitung. Statt schöner Worte verlangen sie radikale Taten. Das beeindruckt mich. Als Kenner der Szene weiss ich nur zu gut, wie sich auch alternative spirituelle Gemeinschaften immer mal wieder mit Formen von Missbrauch zu beschäftigen haben. Kaum eine der vielen mir bekannten Organisationen findet den Mut, die Probleme derart offen zu benennen. Warum treten diese Leute nicht einfach aus? Auch davon handelt das Schreiben. Es mündet im Bekenntnis, trotz allem «das Reich Gottes von Frieden, Gerechtigkeit, dem Leben und der Freude verkündigen und wachsen lassen» zu wollen. Das entspricht dem tieferliegenden Geheimnis der katholischen Kirche. Ihrem eigenen Verständnis gemäss betreibt sie nichts Geringeres als eine «Heiligung der Welt». Das muss man erst mal in sich setzen lassen. Ich betrete den Kirchenraum des modernen Baus, direkt neben dem Konsumtempel «Rosenberg». Frei von Bildern und Dekorum empfängt mich eine wohltuende Atmosphäre der Sammlung und Stille. Also doch. |
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| | Martin Frischknecht veröffentlicht «SPUREN – Magazin für Spiritualität und Ökologie» und praktiziert verschiedene Formen von Meditation. Zugezogen aus Zürich, fühlt er sich Winterthur heute so sehr verbunden, dass er die Kraftorte hier kennt. |
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| | Also, denk daran: Wenn du dich das nächste Mal mit jemandem streitest, bleib cool und kommuniziere. Sollte das nicht zum Erfolg führen, kannst du immer noch auf die Strasse. Solang es nicht die Technikumstrasse ist. Bis bald, Sebastian von WNTI |
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