| | Guten Morgen Nur jede zehnte Betreuungsperson in Kitas ist männlich ‒ und auf sie fallen viele Vorurteile. Besonders, seit Ende April ein gravierender Missbrauchsvorfall in Winterthur öffentlich wurde. Unsere Autorinnen haben bei zwei ehemaligen Betreuern nachgefragt. |
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| Nur jede zehnte Betreuungsperson in Kitas ist männlich. (Symbolbild: Unsplash) |
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| Männer unter Generalverdacht ‒ Kitabetreuer kämpfen mit Vorurteilen |
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| Es gibt nicht viele Männer in der Kitabetreuung. Und diejenigen, die dort arbeiten, stehen unter Beobachtung. Ein Zustand, der für die Betroffenen auf Dauer anstrengend wird. Zwei ehemalige Kitabetreuer erzählen über ihre Erfahrungen im Beruf. von Yasmin Stamm und Salome Schäfli |
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| Es sorgte für Schlagzeilen, als Ende April ein Mann vor Gericht stand. Der Vorwurf: Er soll mindestens 15 Kinder in zwei Kitas in Winterthur und Bern schwer sexuell misshandelt und seine Taten gefilmt haben. Schockierend – aber kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu sexuellen Missbräuchen in Kindertagesstätten. Meistens war die Täterschaft männlich. «Männer können in Kitas unter eine Art Generalverdacht geraten», sagt Sofiane Yousfi, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Im Rahmen seiner Masterarbeit beschäftigte sich der ehemalige Kitabetreuer mit Geschlechterbildern und -rollen in Kindertagesstätten. Wickelverbot für MännerMänner können in Kitas unter erhöhter Beobachtung stehen, besonders in intimen Situationen wie zum Beispiel dem Wickeln der Kinder, sagt Yousfi. «Sie müssen diesen Verdacht individuell entkräften, was eine Pflicht und Last ist, die Frauen weniger tragen.» Die Folge sei eine permanente Selbstbeobachtung. «Diese Selbstkontrolle kostet Energie und ist pädagogisch problematisch, weil professionelle Nähe zur Arbeit gehört», ergänzt er. |
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| | «Manchmal machte ich mir Sorgen, wie es bei anderen wirkt, wenn ich mit einem Kind allein in einem Raum bin.» Raffael Sigron, Kinderbetreuer |
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Diese Erfahrung teilt auch der 25-jährige Raffael Sigron. Er machte die Ausbildung als Kinderbetreuer und arbeitete in diversen Kitas in Graubünden und in Zürich, bevor er für das Studium nach Winterthur zog. «Manchmal machte ich mir Sorgen, wie es bei anderen wirkt, wenn ich mit einem Kind allein in einem Raum bin», so Sigron. Es sei einmal vorgekommen, dass ihm ein Vater verboten habe, sein Kind zu wickeln. Es sei ein komisches Gefühl gewesen, doch der damalige Lehrling und der Lehrbetrieb akzeptierten diesen Wunsch. Einige Monate später wurde ihm das Wickeln des Kindes erlaubt. Typisch Mann, typisch FrauSigron war der erste und damals auch einzige männliche Kitabetreuer in seinem Lehrbetrieb. Er erzählt: Es habe eine Kita gegeben, bei welcher der damalige Lehrling nie eine Antwort auf seine Bewerbung erhalten habe. Etwas später erfuhr er, dass diese Kita grundsätzlich keine Bewerbungen von Männern angenommen habe. Auch bei Yousfi sei es während seiner Zeit als Kitabetreuer so gewesen, dass es nur wenige Männer in diesem Beruf gab. Laut dem Branchenverband «Kibe Suisse» lag der Männeranteil in der Kinderbetreuung im Jahr 2016 bei gerade einmal acht Prozent. Auch die Kitas in Winterthur beschäftigen nach eigener Recherche nur wenige Männer. |
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| Männliche Betreuer übernehmen oft auch das Spielen mit «Bubenspielzeug» wie Autos und Fussbällen. (Symbolbild: Unsplash) |
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| Die Gründe dafür sieht Yousfi aber nicht nur bei dem Generalverdacht gegenüber männlichen Mitarbeitern, sondern auch bei der Stereotypisierung. «Man wird nicht nur als Pädagoge wahrgenommen, sondern als Komplementärelement zum Frauenteam», sagt Yousfi. Das hat auch Sigron erlebt: «Gerade beim Möbel aufbauen werden immer ‹starke Arme› gebraucht.» Oder er sei derjenige gewesen, der mit den Kindern Fussball spielte. |
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| | «Kinder lernen Geschlechterrollen aus dem, was Erwachsene tun.» Sofiane Yousfi, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ZHAW |
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| Diese Stereotypisierung sei problematisch, erklärt Yousfi. «Kinder lernen Geschlechterrollen nicht primär aus dem, was Erwachsene über das Geschlecht sagen, sondern aus dem, was sie tun.» Wenn in der Kita klassische Muster bedient würden – etwa, wenn der Mann für handwerkliche Aufgaben zuständig sei und die Frau das Wickeln und Trösten übernehme –, vermittle dies eine eindeutige Botschaft. Den Kindern werde suggeriert, dass «Care»-Arbeit weiblich und Technik oder «Action» männlich konnotiert sei. |
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| Sofiane Yousfi hat selbst mehrere Jahre als Kinderbetreuer gearbeitet. (Bild: Yasmin Stamm) |
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| Kitas könnten jedoch ein entscheidender Ort des Umdenkens sein. Kinder sollten dort die Erfahrung machen, dass das Geschlecht eben nicht über die Tätigkeit entscheide. «In einer idealen Umgebung erlebt der Nachwuchs, dass Männer trösten, Frauen reparieren und beide gleichermassen für das Kochen zuständig sind», sagt Yousfi. Sigron und Yousfi sind sich einig: Es gibt keine pädagogische Aufgabe, die geschlechtsgebunden ist. Die Aufgaben sollten durchmischt sein, da jede und jeder eigene Stärken und Schwächen habe. «So signalisiert man den Kindern: Wirklich alle können alles machen», sagt Yousfi. Für die Kinder seien durchmischte Teams sehr wichtig. «Gewisse Jungs finden es schon toll, auch eine männliche Bezugsperson zu haben», ergänzt Sigron. Kompetenz kennt kein GeschlechtDas Wichtigste, wie Teams männliche Mitarbeiter schützen können, ist laut Yousfi die Rückendeckung: «Wenn Eltern Bedenken äussern, sollte das nicht der einzelne Mitarbeiter allein klären müssen.» Zusätzlich sollte das Schutzkonzept jeder Kita, das dazu dient, Kinder vor Missbrauch zu schützen, nicht nur für Männer, sondern für alle gelten. Zum Beispiel sollte die Tür beim Wickeln immer offen sein. «Der Mann darf nicht zum Sonderfall werden», betont er. Für die Arbeit in Kindertagesstätten ist nach Ansicht von Yousfi letztlich vor allem die persönliche Einstellung entscheidend. Es brauche Fachkräfte, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausübten, sich gerne mit Kindern auseinandersetzten und ihr pädagogisches Handeln als einen bewussten Prozess wahrnähmen. «Entscheidend ist die pädagogische Haltung, nicht das Geschlecht.» |
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| | Yasmin Stamm und Salome Schäfli studieren an der ZHAW in Winti Kommunikation und Medien. Im Rahmen eines Praxisprojektes schrieben sie und andere Studierende der ZHAW eigens recherchierte Texte für die WNTI-Redaktion. |
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| | | | Mit «Inception» (2010) taucht Kiwi Classics in Christopher Nolans genialen Traumthriller über Realität, Erinnerung und verschachtelte Welten ein. Mit Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard und Joseph Gordon-Levitt. Dienstag, 14. Juli 2026, Kiwi Center, E/d. |
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| | | | Ombudsfrau hört per Anfang 2027 aufErst vor zwei Wochen lobten alle Franktionen des Stadtparlaments den Bericht von Sabrina Gremli-Gafner. Nun wurde bekannt, dass die Ombudsfrau auf Anfang 2027 vorzeitig ihr Amt abgibt. «Äusserst professionell und stets mit grossem Engagement» habe sie gearbeitet, heisst es in einer Mitteilung der Parlamentsleitung. Gremli-Gafner ist seit 2020 Ombudsfrau der Stadt Winterthur. Weil das Amt eine Kontrolle über die Verwaltung ausübt, entscheidet das Parlament über dessen Besetzung. Es wird an seiner nächsten Sitzung Ende August eine Findungskommission bilden. |
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| | Quartierverein Dättnau sieht sich «abgehängt»
Am Montag verwehrte Stadträtin Martina Blum (Grüne) dem Quartierverein Dättnau-Steig den Rekurs gegen den neuen Fahrplan für die Linie 5. Im Ratssaal sah man den Mitgliedern des Vereins zwar an, dass sie «not amused» waren (Bild: Nick Eichmann), aber wehren konnten sie sich nicht. Das taten sie jetzt: Der QV verschickte eine neunseitige Medienmitteilung: «Ein Rundgang hätte mehr gebracht als jede Sitzung», sagt Präsident Daniel Aebischer darin. Der QV wirft dem Stadtrat vor, das Dättnau als «Kollateralschaden einer Kapazitätserhöhung anderswo» hinzunehmen. Weil es bei der Linie 7 in der Grüze zu einer Kursänderung kommt, muss der Fahrplan des 5er-Busses angepasst werden. Das hat unter anderem zur Folge, dass der Bus die letzten Haltestellen aus verschiedenen Richtungen anfahren muss. |
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| | Weitere Kurz-NewsDie PK der Stadt bleibt stabil: Der Pensionskasse der Stadt Winterthur hat ein erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich, wie sie in ihrem Geschäftsbericht schreibt. Die Nettorendite von 6,5 Prozent liege auch im Vergleich mit anderen Kassen über dem Durchschnitt. Rund 10’000 Personen sind bei der PKSW versichert, sie verwaltet ein Vermögen von 2,7 Milliarden Franken. «Geheimgang 188» gewinnt einmal mehr: Der Escape Room auf dem Lagerplatz erhält auch dieses Jahr den «Travellers’ Choice»-Award von Tripadvisor und die Auszeichnung als bester Escape Room im Kanton Zürich. Beide Trophäen gewinnt der Anbieter zum zweiten Mal in Folge. «Fast surreal» findet das Gründer Miro Hintermüller. Gemeinsam mit der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft eröffnet die Firma dieses Jahr einen zweiten Standort auf dem Vitus-Areal. MSW-Musterschüler glänzen beim Lehrabschluss: 40 Lernende schlossen ihre Lehre dieses Jahr an der Mechatronik Schule Winterthur ab. Unter ihnen erreichten fünf Schüler kantonale Bestnoten, wie der der Automatiker Ian Hofer und der Elektroniker Philippe Messmer schlossen gar mit einer Durchschnittsnote von 6,0 über die ganze Lehrzeit ab. |
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| Im Albani über den Weg gelaufen
 | Moana, 28 Jahre, Teamleiterin im Obi Bau und Milene, 31 Jahre, Mitarbeiterin Hauenstein Gartencenter |
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| Ich habe euch im Albani angetroffen, seid ihr oft hier? Moana: Wir gehen gerne im Albani in den Ausgang. Heute wollen wir aber einfach etwas trinken, wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Milene: Die Steibi ist eh mega cool, hier sind immer viele spannende Leute unterwegs. Was gefällt euch an Winti, was nicht? Moana: In Winti merkt man nicht, dass man in einer Stadt ist, weil es so grün ist. Und der Wald ist nahe. Aber der See fehlt natürlich (lacht). Milene: Mir fehlt ein bisschen das alternative Nachleben seit Corona. Das ist nicht mehr das Gleiche. Ihr seid nun Königinnen von Winterthur, was ist euer erster Erlass? Milene: Mich nerven Velofahrer, die sich ‹mehbesser› fühlen. Denen würde ich sagen, ‹kommt mal runter›. Und sonst einfach gleich 20er- und 30er-Zonen abschaffen (lacht). Moana: Ich würde natürlich einen See bauen. Und schauen, dass das Nachtleben wieder lebendiger wird. Interview: Gioia Jöhri |
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| Werde auch du zum «Prosumer»
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| Manchmal nützlich, meist im Weg: E-Trottis von Voi. (Bild: Stadtmelder) |
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| «Gefahr durch Scooter-Unternehmen» Treffender hätte es die Stadtmelder:in nicht formulieren können. Klar, stehen die Scooter manchmal im Weg ‒ und man ist versucht, denjenigen zu beschuldigen, der das Teil parkiert hat. Aber die eigentliche «Gefahr» geht nicht vom Parkier-Rowdie aus, sondern vom Konzern, der lästige Pflichten seines Mobilitätsangebots an Unbeteiligte auslagert. Scooter falsch parkiert? «Melde es kostenfrei dem Betreiber!», bietet die Stadt als Lösung an. Deine Kinder sehen in Sozialen Medien nicht jugendfreie Inhalte? Übernimm die Überwachung der Kleinen selbst! Du willst gesund einkaufen? Lies die mikroskopisch kleinen und verklausulierten Hinweise auf der Verpackung ‒ und bitte checke dann self out. Danke! |
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| | | «Prosumer» nennt die Fachwelt übrigens Konsument:innen, die eben nicht nur Ware gegen Geld tauschen, sondern dabei auch immer etwas produzieren. In dieser Logik ist unser Newsletter für dich, liebe Leser:in, sogar ein doppelter Gewinn: Du musst weder zahlen noch etwas tun, um ihn zu erhalten. Wobei ‒ jetzt war ich etwas vorschnell ‒ wir sind natürlich froh um jeden Rappen! Bis bald, Tizian |
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