|
| | Liebe Ratssaal-Routiniers Gleich drei Vorstösse an der gestrigen Sitzung behandelten die Zukunft des Campingplatzes und seiner dauerhaften Bewohner:innen. Eine konkrete Lösung fehlt jedoch nach wie vor ‒ obwohl alle finden, dass es eine bräuchte. Anders ist das bei der Regulierung von Airbnb-Angeboten: Eine knappe Mehrheit findet: Kein Problem für Winti. Und schliesslich sollte das neue Blaue Zone-Regime noch einmal gelockert werden. Aber dieses Mal machten nicht mehr alle mit.
|
|
|
| |
| Dürfen noch bis im März 2027 weitermachen: Camping-Pächterin Caroline Euschen und ihr Sohn Basil Tulinski. (Bild: Tizian Schöni) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Langfristige Lösungen fehlen für den Campingplatz und seine Bewohnenden |
|
| Die Pächterfamilie darf den Platz noch ein halbes Jahr länger betreiben. Das waren aber auch schon alle Neuigkeiten, die drei politische Vorstösse zum Camping am Schützenweiher zutage förderten. |
|
| Es ist ein Dilemma, das die Stimmbevölkerung dem Stadtrat hinterlassen hat. Einerseits sprach es sich im Juni gegen den Kredit für den Bau eines neuen Campingplatzes am Schützenweiher aus. Andererseits kommt die derzeitige Lösung unweigerlich an ein Ende. Einerseits, weil die beiden anderen Geschäfte für das Gebiet, die Aufwertung des Weihers und die Neuerschliessung, angenommen wurden und der Platz damit früher oder später selbst zur Baustelle wird. Und andererseits wegen des im September auslaufenden Vertrags mit der Pächterfamilie. Simon Bründler (Mitte) und Jan Fehr (FDP) forderten nun in einem dringlichen Postulat, dass dieser zumindest provisorisch erneuert wird. Und der Stadtrat folgte dem Anliegen: Kaspar Bopp (SP) teilte mit, der Pachtvertrag sei bis März 2027 verlängert worden. Spätestens dann will der Stadtrat eine definitive Lösung für den Platz parat haben. Baurecht: Noch immer keine MöglichkeitDie Variante, einer potenziellen Betreiber:in den Grund und Boden am Schützenweiher gegen einen Zins zu überlassen, damit dieser die nötige Infrastruktur selbst bauen könnte, warfen Iris Kuster (Mitte) und Romana Heuberger (FDP, damals noch als Parlamentarierin) in einer Interpellation noch einmal auf. Doch der Stadtrat hatte schon im Kreditantrag angeführt, dass das Risiko eines sogenannten «Heimfalls» zu hoch wäre. Heisst: Ginge die Betreiber:in Konkurs, müsste die Stadt die Bauten auf dem Grundstück kaufen. «Das lässt sich auch nicht vertraglich übersteuern», sagte Stadtrat Kaspar Bopp (SP). |
|
|
| «Wir nehmen das Nein ernst und gehen nochmals über die Bücher», sagte Stadtrat Kaspar Bopp (SP) zum Volksentscheid. (Bild: Nick Eichmann) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Wie weiter mit den Dauercampierenden?Der Platz ist das eine, seine Bewohnenden das andere. Gleich zwei parlamentarische Geschäfte beschäftigten sich mit letzteren. Im Juni 2025 hatte die SP ein Postulat vorgelegt. Also eine konkrete Aufgabe an den Stadtrat zu prüfen, ob in Winterthur ein Ort für die Dauercampierenden geschaffen werden könne. Weil FDP, EVP und Grüne/AL aber zuvor schon eine Interpellation zum selben Thema lanciert hatten, wurde das Geschäft verworfen. Nun liegen die Antworten zur Interpellation vor ‒ doch sie wurde früheren Worten der Bauvorsteherin Christa Meier (SP) leider gerecht: «Zu grosse Hoffnungen machen würde ich mir nicht». Auf die Frage «Wo gäbe es aus Sicht des Stadtrats ein geeignetes Grundstück [...] für alternative Wohnformen?» antwortet der Stadtrat mit «Sollte der Wille bestehen, ein städtisches Grundstück [...] vorzusehen, wären potenzielle Grundstücke zu evaluieren.» Dabei stünden laut anderen Auskünften des Stadtrats rund 30 unbebaute Parzellen in den richtigen Zonen bereit. Zudem heisst es in der Antwort süffisant: «Das Stadtparlament hat kürzlich die Überweisung eines Postulats an den Stadtrat zum Thema ‹Schaffung einer Wohnzone für alternative Wohnformen› abgelehnt.» Franziska Kramer-Schwob (EVP) musste daran erinnern, dass ihre Fraktion das Postulat nicht wegen seines Inhalts, sondern lediglich um Doppelspurigkeiten zu vermeiden abgeschrieben hatte. |
|
| | «Spielen Sie nicht mit den Hoffnungen der Betroffenen!» Kaspar Bopp (SP), Finanzvorsteher |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Finanzvorsteher Kaspar Bopp (SP) beschränkte sich darauf, einmal mehr zu wiederholen, weshalb alternatives Wohnen am Schützenweiher auf keinen Fall möglich sei. «Wir finden das Spiel mit der Hoffnung dieser Menschen gefährlich. Das Spiel zu suggerieren, es liege nur an der Meinung des Stadtrats, etwas zu tun», sagte der Stadtrat. Das Thema Dauercampierende wolle man über die Wohnstrategie angehen. Das töne zwar gut, sagte Roman Hugentobler (AL). «Aber die Realität stimmt uns skeptisch.» Statt Lösungen zu suchen, werde beispielsweise der Wagenplatz Mumpitz mit Klagen eingedeckt. Die AL kündigte bereits nach der Camping-Abstimmung im Juni eine Initiative an, welche die Partei gemeinsam mit den Dauercampierenden lancieren will. Kommen 1000 Unterschriften zusammen, wird der Stadtrat einen weiteren Volksentscheid abwarten und womöglich gar einen Gegenvorschlag ausarbeiten müssen. |
|
| |
| «Veltheim hat gezeigt, dass es das auch in Winterthur gibt», sagte Katja Hager (SP) zu ihrem Vorstoss, Airbnb-Angebote strenger zu regulieren. (Bild: Nick Eichmann) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Airbnb-Regulierung scheitert knapp, aber deutlich |
|
| Mit 29 zu 27 Stimmen sprach sich das Parlament gegen eine Beschränkung von Airbnb-Angeboten aus. Um das Resultat zu drehen, hätte es nur zwei Stimmen gebraucht. Doch die sind schwerer zu holen als gedacht. |
|
| Wohnungen, oft in kleinste Einheiten unterteilt, werden jeweils für ein paar Monate über Buchungsplattformen wie Airbnb zu überteuerten Preisen vermietet. Das ist das Geschäftsmodell der «Business Apartments». In Winterthur vermutet der Stadtrat bisher nur Einzelfälle. Weil das Beispiel eines ganzen Airbnb-Blocks in Winterthur für Schlagzeilen gesorgt hatte (WNTI berichtete), forderten Katja Hager (SP) und weitere Unterzeichnende von Grünen/AL und EVP politische Massnahmen. Die SVP setzte auf die Eigenverantwortung der Unternehmer:innen, die FDP argumentierte, Veltheim sei ein Einzelfall. «Der Anteil an Business Apartments am Wohnungsmarkt beträgt selbst grosszügig geschätzt weniger als 0,5 Prozent», sagte Dani Romay (FDP). Eine zusätzliche Vorschrift bedeute mehr Bürokratie. EVP und Grüne/AL wollten gemeinsam mit der SP besser früh agieren. In Zürich, wo die Apartments längst weit verbreitet sind, war die Politik schon 2009 tätig geworden. Mit einer Änderung der Bau- und Zonenordnung wollte der Stadtzürcher Gemeinderat dem Geschäftsmodell den Riegel zu schieben. Doch kommerzielle Anbieter:innen hatten durch alle Instanzen gegen eine Regelung geklagt, erst im Juni dieses Jahres entschied das Bundesgericht zugunsten der Stadt. Bei der GLP hatte das Geschäft jedoch keine Chance. Die Motion wurde mit 29 zu 27 Stimmen abgelehnt. Das knappe Resultat sollte aber nicht über die Eindeutigkeit hinwegtäuschen: Nur wenn die linke Ratshälfte komplett anwesend gewesen wäre, hätte sie zusammen mit der EVP eine hauchdünne Mehrheit von 30 Stimmen erzielt. Auch bei nur einer Absenz wäre der Entscheid dem Parlamentspräsidenten zugefallen ‒ und das ist dieses Jahr Samuel Kocher von der GLP. |
|
|
| Drei Absenzen bescherten der linken Ratshälfte 27 Stimmen ‒ als absent bei der GLP wird Parlamentspräsident Samuel Kocher gezeigt, der nur bei Stichentscheiden abstimmt. (Grafik: WNTI) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | Hilf mit, WNTI gross zu machen! 💌 Erzähl’s weiter: Teile diesen Newsletter mit deinen Freund:innen. 📢 Bleib dran: Folge uns auf Instagram und LinkedIn für die neuesten Updates. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| FDP kritisiert Postulate scharf ‒ stimmt aber zustimmend ab | PostulateParlamentsmitglieder können ein Postulat einreichen. Wird es dem Stadtrat überwiesen, muss dieser Massnahmen zur Umsetzung in einem Bericht aufzeigen. Begrünte Fassaden an Verwaltungsgebäuden: Ökonomisch rentieren sie nicht ‒ sinnvoll sind sie trotzdem. So lässt sich die 18-seitige Antwort des Stadtrats zu einem Postulat von Julius Praetorius (Grüne) und weiteren Unterzeichnenden zusammenfassen. Vor allem bei «bodengebundenen» Systemen, also Pflanzen, die eine Fassade hochklettern, sieht der Stadtrat Potenzial. Das ausführliche Dokument lässt keine Fragen offen. «Auf dem Papier liest sich das sehr gut», sagte Praetorius. Weniger glücklich zeigte er sich darüber, dass aus 235 potenziell zu begrünenden Liegenschaften lediglich zwei identifiziert wurden, für die es auch tatsächlich Massnahmen geben soll. Auch Daniela Roth-Nater (EVP) sprach von «18 Seiten an Ausreden», und Dani Romay (FDP) kritisierte einen teuren Bericht, der noch «keine einzige Tonne CO₂» gespart habe. Schliesslich nahmen aber nur EVP und Grüne/AL den Bericht ablehnend zur Kenntnis. … und wenn keine Pflanzen, dann PV: Für Solarstrom ab der Hauswand gäbe es in der Verwaltung Potenzial, schliesslich nennt die Stadt 460 Liegenschaften ihr Eigen, heisst es im Bericht zu einem zweiten, zur selben Zeit eingereichten Postulats von Julius Praetorius (Grüne) und weiteren. Der Stadtrat hat 100’000 Franken zulasten der Produktgruppe Städtebau gesprochen, um herauszufinden, welches die geeignetsten Liegenschaften für Fassaden-PV-Anlagen seien. «Der Bericht bringt uns einen Schritt näher an künftige Projekte», sagte Praetorius. «Ernst genommen» habe der Stadtrat den Auftrag der Postulant:innen, sagte Franziska Kramer-Schwob (EVP). Die FDP schimpfte abermals die hohen Kosten der «theoretisch-akademischen Beantwortung» des Postulats. Und nahm den Bericht trotzdem zustimmend zur Kenntnis. 11’000 Briefe zu viel: Jede Woche erhält die Verwaltung so viele Zuschriften per Post. Raphael Tobler (FDP) und weitere Unterzeichnende forderten deshalb in einem Postulat eine konsequente Umstellung auf digitale Kommunikationswege. Er wolle in dieselbe Richtung, schreibt der Stadtrat und verweist auf «ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen», ohne die der Wandel nicht machbar sein werde. Wenig konkret, fanden Tobler, aber auch Redner aus SVP, Mitte und der Grünen, EVP und SP zeigten sich zufrieden. Eine Minderheit von SVP, FDP und Mitte nahm den Bericht ablehnend zur Kenntnis. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Dättnau muss mit dem neuen 7ner leben | InterpellationenInterpellationen sind ein Kontrollinstrument. Sie werden jedoch ‒ anders als blosse Anfragen ‒ nach Beantwortung durch den Stadtrat im Parlament diskutiert. |
|
|
| Die Haltestellen Bolrebenweg, Neubruch und Hedy-Hahnloser werden künftig während der Hauptverkehrszeit ‒ je nach Pendlerstrom ‒ einmal in die eine oder andere Richtung bedient. (Grafik: ZVV) |
|
| Mehr Busse fürs Dättnau, dafür komplizierter: So lässt sich der Fahrplan für das Quartier ab 2027/28 zusammenfassen. Zwar soll sich der Takt für die Linie 5 auf 10 Minuten verdichten. Weil die Busse im oberen Dättnau aber nicht kreuzen können, müssten sie die Endhaltestelle einmal aus der einen, einmal aus der anderen Richtung anfahren. «Verwirrend» und eine Verschlechterung des Angebots nennen das der Dättnauer Philipp Angele (SVP) und weitere Parlamentsmitglieder aus allen Parteien. Weil 35 Begehren aus dem Quartier bei Stadtbus auf taube Ohren gestossen seien, forderten sie nun, dass der Stadtrat beim ZVV Rekurs gegen die Änderung einlegt. Das lehnte Stadträtin Martina Blum (Grüne) als Vorsteherin der technischen Betriebe jedoch ab. Von der jetzigen Lösung seien 70 Personen negativ betroffen, 500 würden profitieren. Auch den Vorschlag, die Wartezeit der Endhaltestelle an den Hauptbahnhof zu verlegen, damit die Fahrt in die Stadt für Dättnauer:innen kürzer dauere, verwarf sie: Dann müssten alle Zusteigenden am Bahnhof zehn Minuten auf den Takt aller anderen Verkehrsmittel warten. «Es gibt nicht die ideale Lösung für alle», sagte Blum. Und verwies auf das nächste Intervall des ZVV, an der Fahrplangestaltung mitzuwirken. Dann für den Fahrplan ab 2029. Bodycams für die Stapo: Bisher setzt die Stadtpolizei keine Bodycams ein. Benedikt Oeschger (GLP), Kaspar Vogel (Mitte) und Dani Romay (FDP) wollten vom Stadtrat und der Polizei wissen, wie sie zum Einsatzmittel stehen. Beide streichen in ihren Antworten Chancen (deeskalierende Wirkung, Transparenz) und Risiken (Datenschutz, Vertrauensverlust) heraus. Im Korps werde der Einsatz «kontrovers» diskutiert, heisst es in der Antwort zur Interpellation, und auch alle Parteien würdigten Vor- und Nachteile relativ ausgeglichen. Übrigens: Dass keine Bodycams im Einsatz sind, heisst aber nicht, dass die Polizei nicht filmt. Für bestimmte Einsätze verwenden die Polizist:innen bereits heute Drohnen und Handkameras. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Blaue Zone bleibt Stundenparkplatz | MotionenParlamentsmitglieder können dem Parlament eine Motion einreichen. Der Stadtrat kann entweder direkt oder nach einer Überweisung durch das Parlament eine Umsetzungsvorlage ausarbeiten.
Eine Stunde ist zu wenig: Nun sollen es vier sein, um das Auto in der blauen Zone abstellen zu dürfen. Nachdem die neue Blaue Zone-Regelung schon letzte Woche einen ersten Riss bekommen hatte, forderte eine Motion von SVP und FDP nun die verlängerte Parkzeit. Denn während die Stadt eine positive Bilanz zieht, reiben sich die bürgerlichen Parteien am neuen Regime. Die aktuelle Parkdauer sei zu kurz, es solle standardmässig vier Stunden statt einer parkiert werden. Das sei noch immer zu wenig für Pendler:innen, die ihr Gefährt einen ganzen Tag abstellen wollen, aber genügend für Besucher:innen, sagte Christian Hartmann (SVP). Den Ablehnungsantrag stellten die Grünen ‒ als eine «Einladung» für den Pendelverkehr bezeichnete Julius Praetorius die vier Stunden. Zwar sprach sich auch die EVP gegen die Motion aus, Zünglein an der Waage war aber die GLP. Das Geschäft wurde mit 35 zu 21 Stimmen abgelehnt. |
|
|
| Mehrheiten der Linken sind im neuen Parlament nur noch mit der GLP möglich. Zum eindeutigen Resultat von 35 zu 21 trug dieses Mal auch eine geteilte Mitte bei. (Grafik: WNTI) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| KenntnisnahmeDas Stadtparlament nimmt Pläne, Berichte und andere Arbeiten aus der Verwaltung zustimmend oder ablehnend zur Kenntnis. Kritik an Cloud-Diensten: Die Datenschutzstelle kritisiert die geplante Einführung der All-in-one-Anwendung M365 bei der Stadt (WNTI berichtete). Datenschützer Tobias Naef bemängelt, es seien keine Alternativen zur Microsoft-Lösung gesucht worden und zeigt im Bericht verschiedene Bedenken auf. So sei etwa nicht klar, wie Microsoft Nutzungsdaten weiterverwende. Zudem sei der US-Konzern gesetzlich verpflichtet, Personendaten aus seinen Cloud-Anwendungen ohne Information der Stadt an bestimmte US-Behörden herauszugeben. Inzwischen kaufte die städtische IT alte Microsoft-Office-Lizenzen, um in der bisherigen Umgebung weiterarbeiten zu können. «Unabhängig, zukunftsgerichtet und kompetent» waren die Worte von Michael Gross (SVP), «Drive und Elan» jene von Michael Zundel (Grüne). Der Bericht wurde von allen Mitgliedern positiv zur Kenntnis genommen. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| | Das war die letzte Sitzung ‒ jetzt hat das Parlament Sommerferien. Das nächste Mal kommen sie alle Ende August zusammen. Bis dahin wünsche ich den Parlamentsmitgliedern gute Erholung von der Politik. Und dir als Leser:in eine entspannte Zeit ohne Parlamentsbriefe! Liebe Grüsse, Tizian |
|
|
|
|
|
| |
|